Englischer Humor

Es ist eine Komödie: Irgendein lustiger Delinquent ist geschnappt und steht unter dem Galgen. Der König gewährt ihm einen letzten Wunsch.

“Ich möchte vor meinem Tod noch unbedingt Chinesisch lernen.”

An jenen Film kann ich mich ansonsten nicht sonderlich erinnern und “Englischer Humor” ist eher eine meiner Vermutungen – @… – JEDENFALLS WILL LARA NUN DEUTSCH LERNEN.

“So richtig lernen”, sagt sie. So mit Lehrer, Unterricht und Hausaufgaben. Und schrieb sich in eine Deutschlern-Kursliste vor MigrantInnen ein.

Das Verplempern von Zeit verlängert das Leben nicht”, sage ich und werde prompt missverstanden.

Nein. Ich halte sie nicht für doof – ich glaube aber, dass dem Menschen eine gewisse Lebenszeit programmiert ist. Erst kommt das Kinderkriegen, dann der Haarausfall, nicht umgedreht. Erst lernt man Sprachen, dann spricht man damit. Was du mit 50 nicht erlernt hast, fällt dir mit 51 schwer.

1, 2, 3 im Sauseschritt
Eilt die Zeit – wir eilen mit.

Derweil ich weiß, wer diesen Wettlauf gewinnen wird: Nämlich die Zeit.

Kofferunworte

Seit 2011 werden in Deutschland Kofferworte zum „Unwort des Jahres“ gewählt. Was in diesem Jahr ein – so scheint es – relativ einfacher Vorgang war. Irgendwer ist überall fremdenfeindlich, irgendwann wird so etwas ausgesprochen, irgendein Politiker geht damit auf Stimmenfang. Da die Deutschen ihre eigene Sprache nicht sonderlich zu mögen scheinen, wird landein-landab-tagaus-tagunter substantiviert und: Hokus kommt zu Pokus, Koffer zu Wort – schwupps! – schon ist „Sozialtourismus“ Unwort des Jahres.

Wenn man bedenkt, dass sich ein ehrenwertes Gremium hierfür versammelt – dass teure Leute hierfür bezahlt werden – ist es dies Jahr in Tschland wie mit dem berühmten Berg, welcher lange kreißte um schließlich eine Maus zu gebären. Das Unwort „Sozialtourismus“ ist daher nicht das schlimmste deutsche Wort, wohl aber das am leichtesten zu begründende.

High Five – Ihr Gutmenschen!

* * *

Mein deutsches Unwort heißt „Center“. Es gelang dieser Vokabel die wunderschöne Bezeichnung „Promenade“ aus der Sprache zu verdrängen und klingt nach konzentrierter Aktion. „Center“ salviert die neue deutsche Ramschigkeit.

Der Albtraum: Man richtet eine Ladenpromenade im Stadtbezirk Mitte ein und nennt das Ganze „Mitte-Center“.

* * *

Der deutsche Ausdruck, den ich derzeit mag, heißt: „Zeitliches segnen“. Weil hierin die Quintessenz der Religion der Christenheit auf den Punkt gebracht ist.

Deutscher Amtsschweiß

Vorab ein Witz, den man wahlweise von Ostfriesen, Bayern, Russen oder Ukrainern erzählt und den es wahrscheinlich auch in Polen oder andernorts gibt:

Ein Reisender fragt nach dem Weg. Erst in einer Sprache, dann in einer anderen, schließlich, da er unverstanden blieb, auch in einer dritten ~ niemand kann ihm helfen. Daher zieht der Fremde weiter, derweil einer der Einheimischen zum anderen sagt:

“Hast du das mitbekommen? – der kann ja mindestens vier Sprachen!?”.

“Und? Hat es ihm etwa genützt?”

Was nützt WatsApp, wenn man der Einzige damit bist?

~~~

Die junge Estin spricht perfekt Englisch, Estnisch sowieso, Russisch auch. Und sie hat sich verliebt. In einen Deutschen. Meldete sich daher in Tallinn ab, als “Arbeitssuchende innerhalb der EU” und glaubt von nun an ihr zukünftiges Glück bei ihrem neuen Freund in Deutschland zu finden. Gleichwohl will sie (noch) nicht alle estnischen Brücken hinter sich abbrechen und sieht sich daher in die Pflicht genommen, regelmäßig ein Formular namens U013 amtlich abgestempelt nach Estland zu schicken und wird hier – auf dem deutschen Amt – einfach nicht verstanden.

Schließlich handelt es sich um einen Sonderfall: Jemand beansprucht KEINE Leistungen und benötigt dennoch Amtshilfe. Wenn auch nur in Gestalt eines Stempels und einer Unterschrift auf einem Formular, welches seitens der Europäischen Gemeinschaft vorgegeben und somit auch auf den Servern der deutschen Ämter hinterlegt.

Was die Frau im Arbeitsamt einfach nicht kapieren will.

“Sie können kein Deutsch [sic!]. Nur mit Kenntnis der deutschen Sprache stehen Sie dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung und nur wenn Sie dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, können wir hier irgendetwas für Sie stempeln.”

Ohne Quatsch – ich war dabei!

Es nützte der Estin auch nicht, dass sie die EU-Gesetzestexte in deutscher Sprache (!) bei sich trug, dass sie sehr prononciert deutlich machte, KEINE Leistung beanspruchen zu wollen und dass sie lediglich einer Vorgabe europarechtlicher Regelungen folge.

Auch nützte nicht, dass ich der Dame erklärte, dass die deutsche Sprache in Europa eher untergeordnet ist und dass die junge Estin mit ihren perfekten Englisch- und Russischkenntnissen viel größere Chancen auf einem Markt in Europa habe als die meisten deutschsprachigen Bewerber.

NICHTS NÜTZTE WAS!

Wir merkten schließlich: Eine Diskussion mit dieser Deutschen ist verlorene Zeit.

Auch mein letzter Versuch …

“Machen Sie es uns doch nicht so schwer. Die junge Frau geht zum Anwalt, bekommt sowieso Recht, doch Sie haben unnötig Arbeit durch eigentlich unnötige Stellungnahmen. Und wenn die Presse davon Wind bekommt, wird’s sogar peinlich …”

… blieb ohne Erfolg.

~~~

Danach. Vor der Tür. Was tun?

Plötzlich habe ich eine Idee!

Wir begeben uns zurück, diesmal zum Eingangstresen – zum sogenannten “Meldebereich” – ich mache ein extrem-eiliges Gesicht und sage in ortsüblicher Mundart:

“Wir waren grade “ohm”, da ham-mer alles besprochen, nur – zu blöd aba auch! – hamm-mer verjessen, uns das U-Dreizehner jehm zu lassen. Sinn-se bitte so nett, die Frau “ohm” hat nämlich schon widda ehn Termin.”

Die Tresen-Frau guckte wissend. Und zwar so, als würde hier stündlich nach U-Dreizehnern gefragt. Sie findet relativ rasch den Vordruck, drückt PRINT, knallt Stempel drauf und unterschreibt.

3 Minuten – dann ist es vollbracht. Der Berg kreißte und gebar eine Maus.

Verkorkstes Versicherungsdeutsch

“In dem Falle, dass beide versicherte Personen sterben, wird die Todesfall-Leistung nur für die Person erbracht, für die der Leistungsfall zuerst eingetreten ist.”

Was letztendlich bedeutet, dass eine der beiden versicherten Personen mit dem “Ewigen Leben” ausgestattet sein müsste (oder einen Jungbrunnen vor der Tür hat), um die versicherte Leistung in Anspruch nehmen zu können. Andererseits …

“Bei gleichzeitigem Tod wird die Leistung nur einmal fällig.”

Romanes_eunt_domusWie wahrscheinlich ist gleichzeitiger Tod? Wohl doch ebenso wahrscheinlich wie ein Gruppensieg beim 100-Meter-Lauf?! Selbst bei einem Autounfall ~ Knall – Peng! – Bumm! ~ stirbt irgendwer immer früher als ein anderes Opfer, und wenn es sich dabei nur um einige 1000tel Sekunden handelt.

Ich hadere *seufz* mit mir selbst und dem Text.

Da kommt Lara des Weges daher.

“Übersetze doch einfach ohne darüber nachzudenken”, rät sie mir, “oder gründe deine eigene Versicherung.”

Über ihren Vorschlag muss ich schmunzeln.

Nur weil der Text total misslungen,
Macht er selbst Versicherungen.

Deutsch-babylonische Sprachverwirrung

Deutsch – deutscher – am deutschesten ~ wenn wir eine Steigerung zulassen wollen, ist Handy die deutscheste aller deutschen Benennungen. Ein Handy-Wort gibt es nirgends – außer in Tschland.

So betrachtet, müsste es eigentlich “Händie” geschrieben werden, besser noch “Hendi”…

~~~

Bei Kaisers.

Lara schickte mich hierher, ihren Lieblingskefir zu kaufen – den einzigen Kefir, welcher nach ihrem Empfinden hier in Deutschland nach echtem Kefir schmeckt.

Doch im Kaisers-Regal stehen nur diverse Buttermilchsorten und ein Kefir-Fake, namens “Kalinka”.

Ich finde eine Regalfrau und spreche sie an:

“Haben Sie vielleicht Kefir im Lager?”

“Was?”

“Ich fragte: Haben Sie vielleicht Kefir im Lager?”

*verduztguck* – bis sich das Gesicht der Verkäuferin aufhellt.

“Ach-sooo! Sie meinen Keeefir!?”

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Diese Deutschen – nicht mal richtig betonen können sie! Trägt jemand andernorts den Namen “Zuckerberg”, bemüht sich jeder deutsche TV-Ansager “Sackerbörg” zu sagen. Demgegenüber heißt eine Troika auf TV-Deutsch “Tro-Ika”.

Nun weiß ich: In Deutschland heißt Kefir eben “Keeefir”.

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Möchtegernenglisch spricht man gern, verwendet Handys. Es geht zur öffentlichen Aufbahrung – public viewing – wer Fußball gucken will.

Dabei ist diese Sprache doch gar nicht sooo schlecht. Sie hatte die deutsche Sprache zu Zeiten da man sich für sie noch nicht schämte, weltweit Spuren hinterlassen.

“Wiheister” (Ursprung “Wie heißt er?”) nennt man mancherorts in Polen Dinge, die sich nicht genau bestimmen lassen wie Griffe, Laschen, Hängendes oder Herausstehendes. Ein “Schlagbaum” ist in Russland eine Schranke, eine “Krawatka” ein ukrainischer Schlips, der in Russland wiederum “Galstuck” genannt wird.

Nurmalnebenbei: “Bruderschafft” ist für die Frauen von Osteuropa ziemlich ekelig, weil Bruderschaft bedeutet, sich von besoffenen alten Männern küssen lassen zu müssen.

Kurz und gut: “Handy” ist deutsch – “Kaffeepausi” nicht. Und würden die Deutschen sich selbst mehr achten, hätten sie eine andere Sprache.

~~~

Dürfte ich die Dinge benennen, hießen sie nach dem Sinn. Zum Festnetztelefon würde man von da an “Schwatz” sagen, zum Handy “Angeber”.

“Tut mir Leid, ich habe wohl meinen Angeber verlegt. Aber über meinen Schwatz kannst du mich jederzeit erreichen. Sollte ich zufällig einmal nicht da sein, sprich einfach in den Speicher.”

~~~

STOPP! Sollte “Schwatz” nicht besser weiblich sein? … Schwätzin? … Schwätzerin? …

@! —> Ich erfinde “Tratsche” für Telefon.

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Apropos Handy: Die folgende Geschichte ist wahr, ich habe sie andernorts bereits erzählt.

Eine mir sehr gut bekannte Person nannte ihren Sohn “Hendrik”, gab ihm also einen schicken Namen, den sie stets verniedlicht, indem sie “R” und “K” weglässt. Sie nennt den Sohn “Hendi”.

Inzwischen sind Handys erfunden.

Würde diese Mutter ihren Sohn “Eierkocher” rufen, wäre das ähnlich lustig.

Die Sprachparadoxien einer Beziehungskonstante

Die russische Vokabel für “Ehe” lautet “брак”. Janusköpfig, finde ich, weil “брак” nicht nur “Ehe” bedeutet, sondern auch “Ausschuss” oder “Murks”.

Demgegenüber kommt eine deutsche Ehe aus dem Althochdeutschen ge(sp|k)rochen daher, worin die Vokabel für “Ewigkeit”, “Recht” und “Gesetz” stand.

Die russische Ehe-Vokabel kann also Murks bedeuten, derweil die deutsche Vokabel vorgibt, Fels in einer Brandung zu sein, Trutzburg, Schild, Anker … – ~ – Was wiederum anhand vergleichenden Sozialverhaltens insbesondere ab der 1990er Jahre geradezu absurd ist. An die Stelle von “Ewigkeit, Recht und Gesetz” setzten die Deutschen “Einigkeit und Recht und Freiheit”, dergestalt dass man sich nach dem Akt der Eheschließung unverhohlen fragen darf:

“Wir sind uns also einig, dass wir auch weiterhin das Recht auf Freiheit haben?!”

Wogegen man sich in Osteuropa wenigstens bemüht, eine Ehe gar nicht erst Murks, bzw. Ausschuss, werden zu lassen. Mit zahlreichen Verhaltensmustern, die ich – solange ich keine bessere Erklärung finde – “instinktiv” nennen möchte.

“Deine Frau sagt immer, DU müsstest dies und jenes entscheiden. Unterdrückst du sie etwa?”

“Im Gegenteil!”, behaupte ich voll überzeugt. Wohl wissend, dass – mit Ausnahme wichtiger Dinge, wie Elektronik, Auto oder Software – SIE alles entscheidet (nach Rücksprache zwar – aber das wiederum, ist reine Formsache.) Also: Jede Balkonpflanze, jede Gardine im Wohnzimmer, jeder Fisch, der uns auf den Tisch kommt – alles ihre Wahl.

“Frau entscheidet selbst” ist eine Option, die ich darüber hinaus bei Gelegenheit öffentlich zur Schau stelle. Es ist nämlich lustig, in das Gesicht eines Hausierers zu gucken, der gerade von einem südländisch aussehenden, stark nach Macho riechendem Mann – dem typischen Migrationshintergründler also – zu sagen bekam:

“Das kann ich überhaupt nicht selbst entscheiden – bei uns entscheidet immer nur die Frau!”

Einer trägt des anderen Last. Wer sich in einer Beziehung hierauf verlassen kann, lebt ruhiger. Dessen Ehe ist vor Viren geschützt.

Verräterische Sprache

Jesus kannte offenbar die menschlichen Schwächen und ahnte wohl, was kommen würde, als er zu Petrus sagte:

“Wahrlich ich sage dir: In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen”

Was diesen jedoch nicht daran hinderte, es trotzdem zu tun.

“Und er leugnete abermals und schwur dazu: Ich kenne den Menschen nicht.”

Auffällig blöd. Erstens weil er es bereits gesagt bekam und zweitens kam Petrus aus Galiläa – das sind etwa 200 Kilometer Entfernung zwischen Petrus Geburtsort und Jerusalem.

Dort spricht man automatisch anders.

Wer genau hinhört, kann – beispielsweise – im Halleschen Saalkreis allein anhand der Sprache feststellen, aus welchem Vorort der oder die Jenige –

Oh,  Zwinkerndes Smiley – ich liebe diesen Joke!

– aufgewachsen ist.

Noch bis Mitte der Achtziger des 20. Jahrhunderts konnte ein Einheimischer das Berlinern der Neuköllner von dem Berlinern der Köpenicker unterscheiden. Und niemand vermutete, oder wird jemals vermuten, dass John F. Kennedy ein Berliner war – die Sprache verrät es ja. Man stelle sich vor, es stünde ein Jünger auf dem Berliner Alexanderplatz und sagt:

“Damid hend i nix z dun, ich kenne diese Mensche nedd, i hend Jesus no nie zvor gsehe.”

Es geht der Bibel also um menschliche Schwächen. Der Feige leugnet immer. Selbst wenn er anderer Meinung oder anderen Glaubens. Selbst wenn es ihm selbst nichts nützt und selbst dann, wenn man ihm diese Schwäche vorhersagt.

“Deine Sprache verrät dich”, ist dem Klappentext von “Text-Tuning” voran gestellt. Was ein Buch ist, dessen Untertitel lautet: “Für alle, die mit Texten mehr bewirken wollen.”

Der Autor heißt Tilo Dilthey, es kostet 18 Euro – UND ICH RATE DRINGEND VOM ERWERB DIESES BUCHES AB!

text-tuning

Es ist auf Denglisch verfasst und enthält solche pseudowissenschaftlichen Vokabeln, wie “Redefinition” …. ABER ICH WILL MICH JA NICHT AUFREGEN!

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Unterm Strich bleiben zwei Fragen:

(1) Wieso muss ein Atheist die Bibel erklären? Und: (2) Wieso kämpft ausgerechnet ein Migrationshintergründler um den Erhalt der Deutsche Sprache?

Zufall oder Gesetzmäßigkeit?

~

Wieso war Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg, alias Katherina die II., die beste Russin?