Das glückliche Gärtnerlein

Es war einmal vor vielen-vielen Jahren …

In einer Stadt namens Potsdam lebt ein wackerer Bursche, der sich seine innere Liebe zu Blumen, Pflanzen und sonstigem Gewächs zum Beruf gemacht hatte. Er besitzt einen grünen Daumen und so gedeiht alles, was er pflanzt. Wunderschön sind seine Gärten, wunderschön ist, was er tut.

Zugegeben: das Salär ist nicht sonderlich üppig, doch es reicht den Bedarf zu decken. Was das glückliche Gärtnerlein zufrieden macht. Mit sich und der Welt.

Besser: „machte“, denn eines Tages erschien ihm ein hübsches Weib aus der Sowjetunion voll natürlicher Erotik, zahlreichen hübschen Formen und einer Stimme mit sexi Akzent. Wenn sie „Errringssssalat“ sagte, schwoll dem Gärtnerlein ein gewisses Glied, er konnte nicht widerstehen.

Kurz und gut: Er nahm sich irgendwann dieses Weib zur Frau. Tauschte Zufriedenheit gegen Unrast, denn von nun an galt es Schuhe, Kleidung, Schmuck zu besorgen und natürlich auch – YOLO! – Partys zu veranstalten.

„Schützenfest, Casinobälle – Ikra, das ist ihr Leibgericht,
Russendisko und Konzerte – ohne sie da geht es nicht.“

„Erfüllte Wünsche kriegen junge, wie Säue“ wusste bereits Wilhelm Busch. Beider Leben entwickelte sich exponential in einem Koordinatensystem zwischen Zeit und Geld. Und da das einst glückliche Gärtnerlein nicht stehlen wollte, machte es unzählige Überstunden, was schließlich bei weitem nicht ausreichte, des Weibes Bedarf zu decken.

Plötzlich – PENG! – war das Weib aus der Sowjetunion wieder zu haben.

Wieder vergeht einige Zeit.

Des Gärtners Ablösung sei nun – sagt man sich so – ebenso verloren wie einst das Gärtnerlein und betäube daher regelmässig – sagt man sich so – Kummer mit Alkohol, derweil sich unser Gärtnerlein für Fußball interessiert, für Frauenfußball, für Turbine Potsdam, (auch für die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft – das aber nur nebenbei).

Kein Heimspiel ohne Gärtner und auch auswärts ist das glückliche Gärtnerlein oft dabei, gemeinsam mit seinen vielen neuen Freunden, die mit ihm (s)ein Hobby teilen.

„Ole-ole, Turbine Potsdam, ole!“

Derweil der Hexe Zaubertrank – offensichtlich – nicht mehr wirkt und sie daher so aussehen muss, wie sie wirklich ist. Aller Chirurgie zum Trotz. Dabei – fast ist das nun Folgende sogar zum Lachen – nicht wahrhaben wollend oder nicht wissend, dass man ihr das Aussehen auch tatsächlich ansieht.

Demgegenüber kann man(n) glücklicher nicht sein. Und wenn der Gärtner nicht gestorben ist, lebt er heute glücklich und zufrieden.

Der vergessene Imperativ

Offenbar sitzt mir ein Pups quer, denn ich reagiere unangemessen auf banale Fragen, wie „ты сегодня занят?“ („bist du heute beschäftigt?“) oder dem deutschen Pendant aus Großmutters Küche:

„Hast du heute schon was vor?“

KLAR! – ICH HABE HEUTE VOR, BESCHÄFTIGT ZU SEIN.

Jeder Mensch verhält sich zu Nichtbeschäftigung wie Natur zur Leere. Selbst mit einer – rein hypothetischen – Suche nach Stille, wären wir mit irgendwas beschäftigt. Nichtstun ist Beschäftigung.

Ausgerechnet heute bin ich damit beschäftigt, darüber nachzudenken, wieso solcherart Fragen ständig gestellt werden. Und wieso ich mich plötzlich darüber so furchtbar cholerisch aufrege.

Erster Ansatz: Wahrscheinlich haben wir verlernt, direkt zu sein. Verlernt, einfach nur zu sagen, was wir uns wünschen. Direkt – und nicht hinten herum.

(Bitte) „Hole mich 13:45 Uhr vom Friseur ab!“

(Bitte) „Bringe mich heute mit dem Auto zum Baumarkt!“

Gern auch ohne „Bitte“, denn ohne Bitte ist immer noch besser als von hinten durch die kalte Küche.

Am aller-aller-liebsten wäre mir ein hübscher, netter Konjunktiv II:

„Würdest du bitte den Müllsack runter bringen?“

Klar. Würde ich.

Gern sogar, wenn man mich so fragen würde.

Die Komik einer Antithese

Zunächst schrieb ich „die Antithese als temporäres Lebensmodell“ in die Überschrift – was wohl zu ernst für das nun folgende Posting. So änderte ich es.

Die Vernunft erkennt die Einseitigkeit der Bestimmung und verneint sie. Jeder Dialektiker weiß, wovon ich schreibe.

„Das dialektische Moment ist das eigene Sichaufheben … endlicher Bestimmungen und ihr Übergehen in ihre entgegengesetzten.“
(Hegel)

Die Tatsache, dass „unsere“ Eltern ihre TV-Geräte ununterbrochen „on“ hatten, führte vor meiner ersten Ehe zu dem alternativen Konzept, OHNE Fernseher leben zu wollen. Wir wollten wieder Bücher, wir wollten zurück, zu inhaltsreicher Kommunikation! Zur Antithese von – wie von uns vermutet – sozialen Glücklosigkeit.

Doch was dem einen sin Nachtigall, ist dem andern sin Uhl. Die eigenen Kinder könnten sich möglicherweise sozial zurückgesetzt fühlen, sollten sie im Kindergarten nicht mitreden können, wenn sich andere Kinder über Sesamstraße, Pittiplatsch und Pippi Langstrumpf unterhalten.

Der Kompromiss (die Synthese): wir schafften uns zwar wieder einen Fernseher an und ließen unsere Töchter gucken, ABER NUR ZEITLICH EINGESCHRÄNKT UND UNTER PERSÖNLICHER AUFSICHT. Um sich anschließend mit den kleinen Rezipienten über Gesehenes unterhalten zu können, um ggf. korrigierend eingreifen zu können.

* * *

Frühen Achtziger. Sesamstraße. Ernie geht baden …

Die Kinder bleiben ernst – derweil sich der Vater vor Lachen nicht mehr einkriegen kann. Klar, braucht man einen Fußball in der Badewanne! Den kann man schließlich jemandem geben, der dringend einen benötigt. Klar, dass man eine Taschenlampe in der Wanne braucht! Wie auch einen Regenschirm – klar doch!

*lach*

Wahrscheinlich ist die Sesamstraße deshalb so erfolgreich, weil die Idee nicht vulgär-didaktisch auf Kinder ausgerichtet ist, sondern weil darüber hinaus mit dieser Sendung Unterhaltung geplant war, und zwar für alle guckenden Generationen.

* * *

Gestern. Arena. Eishockey.

Eine hübsche Moderatorin bemerkt zufällig, dass ihr Akku leer. Woraufhin ich beginne, in der Tasche zu kramen. Dann zeige auf eine Steckdose, halte ihr einige Kabel hoch.

Sie benötigt ein Ladekabel für ihr 4S, bekommt es und bedankt sich artig.

Eine weitere Stimme fragt:

„Hast du zufällig auch ein Kabel für ein Fünfer-Fon?“

Auch solches Kabel habe ich, so mache ich damit den nächsten froh.

Derjenige, der dies beobachtete, fragt mich:

„Wieso nimmst du eigentlich so viele Ladekabel mit zum Eishockey?“

Komische Frage: Falls mich jemand fragt, ob er eines haben könne, kann der eins haben. Wozu denn sonst? Und: Es soll niemand behaupten, die Sesamstraße sei unnütz.

Naives Weltverständnis

Gesprächspsychotherapie.

Oder anders eingeleitet: Was so ein Psycho-Fuzzi kann, kann ich vielleicht auch, denke ich und führe Selbstgespräche. Mir und Ich unterhalten sich. Es geht zurück in die Kindheit.

Plötzlich muss ich schmunzeln, doch weniger über die Vorstellung, auf dem Mond würden ebenfalls Menschen leben (natürlich nicht solche wie hier bei uns, unten, sondern andere: Mond-Urmenschen oder etwas Ähnliches) – sondern über die damalige kindliche Überlegung, wie man wohl einen Kinofilm macht, worin Leute sterben.

*schmunzel*

Meine Vermutung seinerzeit: Fürs Kinosterben nimmt man Verbrecher als Schauspieler. Solche Menschen, die ohnehin zum Tode verurteilt sind. Diejenigen, die sowieso jung sterben müssen, sind am besten geeignet für einen Indianerfilm.

*schmunzel*

Was man als Kind alles so gedacht hat! Doof, wenn man sich den Quatsch auch noch merkt, bis ins hohe Alter.

Meine Eltern erheiterten regelmässig ihre betrunkene Partygäste – in meiner Gegenwart! – mit meiner kindlichen Behauptung, ich habe früher, „als ich noch im Bauch der Mutti war“, Dinosaurier gesehen.

„… dann aber hat die Mutti Möhren gegessen, die sind über mich gekommen und ich konnte nichts mehr erkennen.“

* * *

Für das Breittreten dieser Humoreske schwor ich beiden seinerzeit Rache.

Heute bin ich deutlich milder, rate aber allen Vätern und Müttern, nie über ihr Kind zu lachen – das hätte auch anders ausgehen können …

A Cinderella Story

Aschenbrödel ist in diesem Märchen zweiter Tormann, die Pantöffelchen sind Schlittschuhe und die Tauben Fans. Unser Märchen beginnt damit, dass sich ein Stammtorhüter verletzt und nun der zweite Hüter – der Ersatzmann – das Tor der Bären geräuschlos übernehmen muss.

Notabene „geräuschlos“ – wie ansonsten überall allgemeinüblich. So wäre es nie zu einem Märchen gekommen, doch der eigene Trainer – die böse Stiefmutter – tut zwar indirekt aber dennoch ÖFFENTLICH seine persönliche Abneigung gegen den Ersatzmann kund.

„Ein versetzter (= Eisbären-Torwart) Zepp ist der größte anzunehmende Unfall.“

Wer den Ausgang eines Märchens kennt, versteht den Anfang besser. Als Lusche gebrandmarkt, öffentlich vom Trainer gedemütigt – das Aschenbrödel-Syndrom – läuft Sebastian Elwing als Torhüter auf UND MACHT DAS SPIEL SEINES LEBENS.

Selten schönes Beiwerk: Sebastian Elwing kommt aus Berlin.

Jedenfalls endete diese Märchen mit dem leidenschaftlichen Gesang von mindestens 12.000 Zuschauern (nach der Melodie von „Es steht ein Pferd auf dem Flur …“).

„Da steht ein Eisbär im Tor,
Da steht ein Eisbär im Tor –
Sebastian El-Wing“

Mittels Spruchband – „Elle, wir steh’n hinter Dir“ – wurde die Aussage des Trainers abgewatscht, derweil Elle himself sich des Vertrauens würdig erwies, vor allem als er in der 14 Minute einen Penalty von ERC-Stürmer Patrick Hager abwehrte.

Hach, schön war es gestern – richtig schön schön!

Es stand ein Eisbär im Tor …

Dingelhopper, Schröder und Snarfblätter

Heiligmorgen.

Aus dem Nachbaraufgang kommt die Frau mit den zwei Hunden.

„Nanu? Auch schon so früh schon auf den Beinen?“

„Ja. Frohes Fest!“

Wir talken small. Über das Fest im Allgemeinen und über Bescherungen im Besonderen.

Für ihre Hunde gab es jeweils einen Riesen-Lecker-Knochen, dazu jede Menge Lekkerli – nicht nur aus dem Fressnapf, nein: wegen einer bestimmten Sorte Lekkerli sei sie extra nach Berlin gefahren.

Ach-ja, und: total-süße Hundehemden haben ihre Hunde nun, jeder Hund seins:

„Lili hat „Rock ’n Roll Generation“ drauf zu stehen und Lolo einen Spruch von Janis Joplin, irgendwas mit „tomorrow“ oder so ähnlich, jedenfalls: total süüüsss!“

Hemd, Hund und Rock ’n Roll – hündische Dreieinigkeit.

„Janis?“, überlege ich. Und: „irgendwas mit tomorrow?“. @?

Mir fällt „Tomorrow never happens. It’s all the same fucking day, man.“ ein – ein typischer Hundespruch – aber ich komme nicht zu Wort. Weil sie bereits wie bei Rudi Carell, Am laufenden Band das nächsten Geschenk benennt:

„Bei eBay konnte ich einen Schröder* ersteigern. Jibbet’s ja heute nich mehr – un: eine Merkel kann man ja nich werfen.

Ich will unbedingt einen Themenwechsel einleiten, suche nach Haken, an denen anzuknüpfen wäre und frage:

„Und Sie? – Was haben Sie sich so geschenkt?“

Ihr Freund hat nun ein buntes Tuch – sie selbst fand Lockenwickler unter dem Baum.

Ich nehme mir ihre „Lockenwickler“ als Vorlage und erzähle nun auch irgendwas (nach dem Motto: Hauptsache weiter nicht zuhören müssen):

„Apropos Lockenwickler: Früher, als ich jung war, war mein Haar dicht. Ich hätte nie Lockenwickler gebraucht. Wie Drähte waren meine Haare. So stark, dass den Kämmen immer wieder die Zinken ausbrachen. Zum Kämmen konnte ich seinerzeit nur Gabeln nehmen, aus Mutters Küche … „

Sie weiß Bescheid und sagt: „Dingelhopper“ und ich lerne, dass „Dingelhopper“ die Gabel in „Arielle. Die Meerjungfrau“ ist.

In diesem Film soll es auch „Snarfblätter“ geben – aber das will ich in Anbetracht der frühen Morgenstunde nun doch nicht auch noch wissen. Daher packe ich mir „Snarfblatt“ in die Wiedervorlage.

——-

* Ein „Schröder“ ist Apportier-Hartgummi-Spielzeug für Hunde in Gestalt eines ehemaligen Kanzlers namens Schröder.

Positiver Skeptizismus

„Positiver Skeptizismus“ bezeichnet (m)eine neue Lernmethode, welche beinhaltet: zwar weiterhin zu zweifeln, dies aber mit Tendenz zum Hätte-ja-auch-wirklich-so-oder-so-sein-können.

„Siri, wie wird heute das Wetter in Betlehem?“

2013-12-25 das Wetter dort

Okay.

Es könnte also damals durchaus Vieh auf den Feldern gestanden haben, es könnte am Tag der Geburt Hirten auf Feldern gegeben haben, auch wenn es „bei uns“ um diese Jahreszeit saukalt ist und man in manchen Orten Russland nur ungern Hunde vor die Türen jagt.

DIE BIBEL KÖNNTE RECHT BEHALTEN, zumindest in diesen Punkt.

Doch von „Stiller Nacht“ steht nichts in der Bibel – das wäre ja auch wirklich ein unerklärbares Wunder. Ein Frau brüllt meist wenn sie gebiert. Und viele Hirten sind im Dunkeln kaum geräuschlos. Was wohl ebenso für Ochs und Esel gilt … – Eine „Stille Nacht“ entstand in Arnsdorf, erfunden von Dorfschullehrer Gruber und Hilfspfarrer Mohr, was wohl ein wunder-wunder-schöner Interpretationsfehler ist.

Auch besagte „Jungfrauengeburt“ ließe sich heute mit Interpretations- und/oder Übersetzungsfehler erklären. Erstens bedeutet die altgriechische Vokabel „parthenos“ sowohl Jungfrau im biologischen Sinne als auch „junge Frau“ oder – alternativ – bezeichnet die hebräische Vokabel „‚almah“ eine Frau vor der Geburt ihres ersten Kindes, „was dem früheren Gebrauch des Wortes Magd im Deutschen nahe kommt“ (Wikipedia).

Vermutlich gab es zuvor bereits Übertragungs- oder Übersetzungsfehler aus dem Aramäischen ins Altgriechische und/oder Hebräische. Oder Maria wußte wirklich nicht, von wem das Kind ist, nur: dass es aus irgendeinem Grund NICHT von Josef sein konnte. „48 Crash“ – oder so …

Im Übrigen könnten die Brüder von Jesus – Jakobus, Josés, Judas und Simon – durchaus Josefs Kinder aus erster Ehe gewesen sein und siehe da: SO STIMMT DIE BIBEL WIEDER. Ein Atheist hat überhaupt keinen Grund über Dinge wie „Jungfrauengeburt“ zu hämen. Mit alternativer Logik oder mit Hinweis auf Übersetzungsfehler lässt sich manches biblische Wunder erklären.

Und überhaupt: Wieso soll Jesus – später – nicht verheiratet gewesen sein?

Alle Juden im heiratsfähigem Alter waren verheiratet. Und wenn nicht, dann wurden sie verheiratet. Gäbe es für Jesus eine Ausnahme, wüsste dies die Bibel. Doch diesbezüglich schweigt das Buch der Bücher und so dürfen wir eine Ehe annehmen.

Jesus war wohl unglücklich verheiratet. Das beweist der Umstand, dass er von zu Hause auszog und anderweitig – außerehelich – seine Bestimmung suchte. Was darauf hindeute, dass er schwul gewesen sein könnte.

Irgendwann hatte er sein Coming-out – und weg war er!

Fakt ist: Jesus Follower waren alles Männer (bis auf Maria Magdalena – aber nachdem ihr Jesus 7 Dämonen ausgetrieben hatte, hatte sie wohl von Heteros die Nase voll.)

Also: Wenn man etwas positiv-skeptisch nachdenkt, wird aus der Bibel eine richtig wahre Geschichte. 

Gott segne diese Bibel und mit ihr die gesamte gläubige Christenheit!

Weihnachtsfrische

Die Frauen waren bereits aufgeregt als es nur darum ging, den Festbraten zu besprechen.

Eine Ente soll es sein – war sich schließlich das Küchenpersonal einig – und zwar: eine frische. Und ich – der einzige Mann in zwei Haushalten – soll uns die Ente besorgen.

Archaische Verhaltensmuster: Weibchen wacht am Feuer, Mann besorgt die Nahrung. Dabei hätten wir uns einfach nur beim obligatorischen Samstagseinkauf eine Ente mitnehmen können – aber nee: „Frisch“ soll sie schließlich sein!

Okay. Ich Tarzan – Ihr Jane.

Weibliche Aufregung kann männliche Humorigkeit nicht zur Kenntnis nehmen. Mehr noch: Bei meiner Frage „alpenfrisch oder fassfrisch?“ verdrehen die Frauen ihre Augen.

„FRISCH HEISST NÄMLICH EINFACH NUR FRISCH!“

Wohin mit meiner Vorstellung vom industrialisierten Handel, dessen Enten schon als Ei wissen könnten, wann sie einmal frisch sein werden. Nämlich an Weihnachten, zum Großen Fest des Einzelhandels. Und bitte: Keine weitere Diskussion.

Statt dessen wird mir aufgetragen, unbedingt zum Laden mit dem „E“ am Anfang zu gehen. Dorthin, wo man im Fernsehen, in den Rote-Rosen- und Sachsenklinikpausen, vorgibt, Lebensmittel zu lieben.

Feminine Logik: Wenn ein Laden teuer, sind natürlich auch die darin angebotene Ente teurer und wenn die Enten teurer sind sie automatisch frisch.

Nurmalnebenbei: Ich habe wirklich nichts gegen die zahlreichen Tricks der Verkäufer – es nervt mich nur, wenn meine nahe Umgebung Tricks auch dann folgt, wenn der wahre Sachverhalt naheliegend.

Auch Enten werden am Fließband produziert, wie Autos, Handys oder Kugelschreiber, und termingerecht frisch ausgeliefert: nämlich zum Großen Fest. So betrachtet, ist jede Ware immer und überall frisch. Wenn nicht, weiß dies nicht einmal der Verkäufer.

Mein Kompromiss: Ich ging zu einem Laden mit einem „E“ an zweiter Stelle und – seltenes Glück! – traf hier auf einen sympathisch aussehenden Verkäufer, der sich auch wie es aussah: „gern“ von mir ansprechen ließ.

„Tach schön, ich möchte zum Fest eine Ente bestellen.“

„Männlich oder weiblich?“

Bis zum 16 Dezember 2013 dachte ich, alle Enten seien weiblich. Wären manche Enten männlich – glaubte ich naiv – wären es Erpel.

Aber der nette Mann sieht aus, als kenne er sich aus. Weshalb ich nach dem Unterschied fragte.

„Männliche Enten schmecken irgendwie [sic!] anders, sind meist größer und daher teurer.“

„Teurer“ klingt ehrlich, „teurer“ kling gut, „teurer“ klingt frisch, „teurer“ wird zum Schlüsselwort für meine Kaufentscheidung

„Dann möchte ich jetzt eine männliche Ente bestellen.“

Was im Weiteren geschah, stimmt wirklich: Der Verkäufer kam hinter dem Frische-Tresen hervor und begab sich – in meiner Gegenwart! – zu einer der vielen Kühltruhen im Ladeninneren, entnahm daraus eine der vielen Enten, fragte mich nach meinem Namen.

Sicherheitshalber hinterfragte ich.

„Oh, ich hätte erwartet, dass sie erst den Namen notieren und wenn unmittelbar vor dem Fest die Lieferung, dann …“

Der nette Verkäufer unterbrach mich an dieser Stelle mit den Worten:

„Wollen Sie wirklich, dass ich sie verarsche?!“

Seither steht fest: Hier gehe ich immer wieder hin. DAS IST VON NUN AN „MEIN“ LADEN, zumindest so lange dieser Verkäufer hier tätig ist.

Das war mein erstes Schmunzeln vor dem Großen Fest.

Datenvolumengrenzüberschreitung

T-Agesthema T-Elekom.

Für die jungen Leute unter uns: Die T-Elekom erfand einst eine T-Aktie nebst zugehörigem Gruß und machte damit machte eine ganze Nation gierig. Als endlich alles vorbei, war es wie nach dem Großen Krieg – nur mit dem klitzekleinen Unterschied, dass der Opa diesmal nicht mit Stalingrad nervte, sondern mit der fast wertlosen T-Aktie.

Die selbe Gesellschaft meldet sich regelmäßig. In der Mitte eines jeden Monats. Demnach soll ich stets die „Volumengrenze meines SpeedOn Passes erreicht“ haben, könne aber für nur 4,95 Euro kann ich einen weiteren Pass kaufen. Welcher aber regelmässig ebenfalls nicht bis Ende des Monats reicht …

2013-12-22 09.51.43

Am 30. November sollte ich für bis zum Rest des Monats November 5 weitere Euro abdrücken, um beim sich selbst so nennenden Testsieger „die Ausgangsgeschwindigkeit wiederherzustellen“ – Die Erfindung des Datentreibstoffes. Wobei sich das Datenvolumen des Testsiegers als als monatliches Schnupperangebot entpuppt. Als Pröbchen sozusagen. Wie ansonsten im Dufthandel so üblich.

Einst waren ganze Heerscharen von Kunden gierig auf die Telekom – nun ist die Telekom gierig auf ihre Kunden. 

Ich gestern unterwegs, in Dortmund Fußball, Hertha führt 1:2. ARD-App eingeschaltet –

– TÖRÖÖÖÖ! –

„Lieber Kunde, Sie surfen bis Ende des Monats mit reduzierter Geschwindigkeit …“

Liebe Telekom,
wer mit reduzierter Geschwindigkeit surft, fällt ins Wasser oder wechselt das Meer!

Jedenfalls will ich kein Geld für Dinge ausgeben, die – eigentlich – dazu gehören sollten. Lara zahlt schließlich auch keine 4,95 Euro für einen Schnürsenkel, wenn ein Händler vorgeben sollte, die Schuhpreisvolumengrenze sei erreicht.

(Ausnahme: dem Zalandomann würden wir 5 Euro extra geben, stünde er bei uns vor der Tür – aber das ist ein gesondertes Thema)

Heute früh im Bus.

Schaffe ich den Regio von Drewitz nach Berlin noch? Oder isses besser in Babelsberg auszusteigen? Soll ich bis Hauptbahnhof durchfahren?

2013-12-22 09.49.01

Auf dem Display bleibt obiges Bild. Bis kurz vor Hauptbahnhof. Da erfahre ich, dass ich in Drewitz durchaus hätte umsteigen können. Oder auch in Babelsberg.

Testsieger? – WAS HABEN DIE EIGENTLICH GETESTET?

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