Witz ohne Pointe

28. Tag

Sie ist heute heiter.

Im Netz fand sie einen Witz, den sie mir jetzt erzählt:

Igelkinder rennen kichernd über eine Wiese. Da kommt ein Hase des Weges daher.

“Warum lacht ihr denn so? Warum so lustig? Habt wohl am Schnaps gerochen?”

“Wir lachen weil das Gras so kitzelt. Vor allem am Pipimann.”

Lustig ist vor allem, WIE sie diesen Witz erzählt. Mitlachend. Sich darüber vorfreuend, dass ich möglicherweise ebenfalls lachen oder wenigstens schmunzeln werde.

* * *

Kitzeln heißt auf Russisch “щекотать”, gesprochen “tschtschekotatj” – mit zweimal “tsch” am Anfang. Kitzeln ist eine derjenigen russischen Vokabeln, bei der man sofort hört, worum es geht.

Andererseits ist jedem natürlich klar, dass lachen muss, wer sich kitzeln lässt. Das sollte eigentlich nicht komisch sein.

Isses aber.

Der obligatorische Fastenwitz

An der Villa eines superreichen Russen schellt die Glocke. An der Tür ein armer Mann, welcher seine Bitte um Almosen mit der Bemerkung einleitet, er habe bereits vier Tage nichts gegessen.

An dieser Stelle wird der Arme prompt unterbrochen:

“Vier Tage nichts gegessen?! – Cool. Molodez! Prachtkerl! – Also ich könnte so etwas nicht.”

Der wirklich-wahre Witz

Der wirklich-wahre Witz kommt nicht freiwillig und lässt sich nie und nimmer inszenieren. Wahre Witze sind soda – jeder wirklich-wahre Witz ist einfach SO DA.

Nach dem gestrigen großen Sieg unterhalten sich in meiner Gegenwart zwei Männer in Eisbären-Fan-Kostümen:

“So – nun gehen wir beide noch ä schönes Bierchen trinken!”

“Nee, ich darf nicht. Meine Olle hat gesagt: wenn-de diesmal wieder besoffen nach Hause kommst, lass ich dich nie mehr zu de Eisbären hin.”

“Ohr ~ jenau das hat meine Olle auch schon mal versucht. Da habe ich nach nem Spiel extra vülle gesoffen und seither hält-se de Klappe.”

“Richtig! Man darf sich nüscht jefallen lassen. …

– <pause> … </pause> –

… Aber was mache ich, wenn-se mich dann wirklich nicht mehr lässt?”

Fundstück des Tages

Lara fand zufällig den Ausdruck “nimm gefälligst diese Meinung aus deinem Gesicht!”, welchen ich auch deshalb für erwähnenswert halte, weil er in dem Zusammenhang aus dem er gerissen deutlich macht, dass Russen solcherart Humor als “jüdisch” kategorisieren, was man wiederum anhand der Einführung zweier Protagonisten – Sara und Abraham – erkennen kann. Der zugehörige russisch-jüdische Witz geht so:

“Sara, wage es ja nicht, zu widersprechen.”

“Aber Abraham, ich widerspreche doch gar nicht. Wie du siehst, schweige ich.”

“Dann nimm gefälligst noch deine Meinung aus dem Gesicht!”

Den vollen Witz drücke ich in den Skat – “nimm die Meinung aus deinem Gesicht!” kommt in die Wiedervorlage unter das Kürzel #mei.

Das Periodensystem der Ereignisse

Heute steht “Zeitreisen” in der Agenda. Daher schreiben das Jahr 2005 – genau: den 5. August 2005 – und stellen bereits eingangs fest, dass viele Ereignisse periodisch funktionieren, indem sie wiederkehren und sich wiederholen. Im Großen wie im Kleinen.

Auch im August 2005 stand eine Bundestagswahl an. Und damals wie heute diskutierten wir in familia – just zu diesem Zeitpunkt – über Finanzen. Dieser Situation geschuldet erzählte ich dem WWW einen Witz:

Es kommt ein Händler des Weges daher und ruft seiner Frau von Weitem entgegen: „Liebling, heute habe ich den Gewinn verdoppelt!“. „Oh!“, freut sich die Gattin, „du hast wohl viel verkauft?“. „Nein, verkauft habe ich nichts – ich habe aber die Preise erhöht!“

Der olle Witz könnte heute wieder passen. Nur: Heute isser noch weniger lustig als damals, als ich ihn bereits nicht so richtig komisch fand.

Ach übrigens: Vor 8 Jahren war ich online deutlich hektischer als heute, denn ich hatte keine Ahnung, was Facebook kann. So postete ich im Blog [!] zwei Fotos aus dem Arbeitszimmer, derweil ich witzelte, dass sie der Meinung sei, es sähe mit Blumen besser aus.

050805_zeitreise

Typischer Facebook-Joke.

Witz komm raus, du bist umzingelt!

Dazu Schrumms “in eigener Sache” ~ damals war ich noch einer der vielen Erklärbären ~

*schäm*

~ wie hier zum Beispiel:

Manchmal versuche ich einfach nur unsere Kultur des Miteinanderumgehens zu karikieren und wahrscheinlich gelingt mir das nicht immer. Wir Menschen sind – glaube ich – manchmal sonderbar: Da treffen zum Beispiel sich zwei von ihnen, ihren Instinkten oder Trieben folgend, haben mehroderweniger Spaß miteinander und gehen anschließend auseinander.

Soweitsogut.

Aber danach: ER geht in die Kneipe, trifft sich mit seinen Kumpels und der Penis der vergangenen Nacht wird immer härter, größer, fester und länger, gerät schließlich zum Eisenglied. Nach zwei weiteren Bieren folgen wundersame Erzählungen, wie „…um ihr dies zu beweisen, ließ ich einen Zug entgleisen.“

Wir kennen das alle zur Genüge. Für mich neu war nur, dass die Retrospektive auf eine letzte Nacht bei den Frauen mitunter diametral entgegengesetzt verläuft, dergestalt dass der selbe Penis des oben erwähnten Beispiels, in welchem er zum Eisenglied mutierte – auf einmal sonderbar klein und unscheinbar ist. Dieser kleine Nichtsnutz! Er wird als optimistische Aktionist dargestellt, der da fast unbemerkt sein Werk verrichtet – sehr zur Enttäuschung der jeweiligen Bettgenossin.

Witzig ist etwas anderes. Das Fremdschäm-Zeitreise-Syndrom. Doch inzwischen lösche ich nicht mehr, was mir heute peinlich – NEIN, ICH STEHE DAZU UND SCHÄM MICH DAFÜR MASOCHISTISCH: So etwas schrieb ich also vor vielen-vielen Jahren, an einem Tag, der eine Schnapszahl war.

Potsdam, am 05.08.05

Frau Сука – die Hündin

Ist es immer noch witzig, wenn den Witz nur wenige verstehen? Oder ist es gerade deshalb witzig? Und wäre es an dieser Stelle mehr witzig, hätte ich es weniger erklärt?

Сука wird „Ssuka“ gesprochen, besser noch „Ssssssuka“, ist eine russische Vokabel und bedeutet – eigentlich – „Hündin“.

Aber selbst der korrekte Google-Übersetzer kennt weitere Bedeutungen, wie zum Beispiel „boshaftes Weib“, „Luder“ oder „Fotze“. Derweil ich, würde man mich fragen, „Сука“ mit „Miststück“ übersetzen würde.

Aber mich fragt man nicht und – eigentlich – heißt „Сука“ ja auch „Hündin“.

* * *

Wir (Mann, Frau, Hund) sind beim Aussteigen.

Plötzlich bemerkt Lara auf dem Gehweg einen freilaufenden Hund (eine Hündin) und knipst den unsrigen an die Leine. Weshalb dieser wiederum Grund hat, zu bellen.

Derweil das Herrchen der frei laufenden Hündin versucht, die Situation zu deeskalieren. (Es|Er) sagt zu mir:

„Es ist eine Hündin.“

Klar. Jeder Hundehalter weiß: Hündin und Rüde tun sich nichts. Asti hätte demnach nicht unbedingt an die Leine gemusst.

Das zu erleben, ist nicht unbedingt lustig. So meldet sich Mir, mein Unterbewusstsein, zu Wort und spricht aus mir heraus:

„Sie haben überhaupt keinen Grund, meine Frau zu beleidigen!“

Was das uns unbekannte Herrchen nicht „so richtig“ versteht. Offenbar weil er der russischen Sprache, beziehungsweise russischen Sprachgewohnheiten, nicht kennt.

Und so …

„… sind wir schon wieder an der Grenze unseres Witzes, da wo euch Menschen der Sinn überschnappt.“
(Goethe, Faust, Teil 1, Trüber Tag – Feld)

Ist es immer noch witzig, wenn den Witz nur wenige verstehen? Oder ist es gerade deshalb witzig? Wäre es an dieser Stelle witziger, hätte ich es weniger erklärt?

* * *

Die Gegenprobe:

Es ist vor dem Spiel der Berliner Eisbären gegen die Düsseldorfer Eislauf-Gemeinschaft. Irgendeiner fragt in die Runde:

„Habt ihr Campino schon gesehen?“

Insider-Gags – finde ich plötzlich – sind die wirklich-lustigen Gags.