Frühe Heiterkeit

Seit ich einen Hund habe, weiß ich: Es kommt nicht unbedingt darauf an, dass dir jemand zuhört – um jemanden glücklich zu machen, genügt es bereits so zu tun, als würde man zuhören. Was – jedenfalls – unser Hund hervorragend kann.

Also heute früh: Hund, ich und Kater.

Der Hund sitzt zwischen Gassi und Frühstück auf dem Beifahrersitz, guckt mich an, derweil die Augen fragen: „Na, wie war’s gestern?“.

„Eigentlich … ach, eigentlich … na, eigentlich … EIGENTLICH WAR ES SAUKOMISCH“.

Nun merke ich, dass ich ins Schwarze treffe und muss dazu lachen. So richtig herzhaft und entspannend. Ein Timm-Thaler-Lachen sozusagen.

„Ja, Asterix, eigentlich war es saukomisch.“

WIR, der Rekordmeister, das König unter den Mannschaften, der Testsieger unter den Testsiegern, die Götter des ewigen Eises – usw. usf. Also: Wir spielten zu Hause gegen den Tabellenletzten, schossen zichmal auf das Düsseldorfer Tor, was bis auf eine Ausnahme vom kleinen Düsseldorfer Goali abgefangen wurde, so dass das Spiel 1:2 endete — Wir also, waren vor diesem Spiel mit nichts anderem beschäftigt, als über die Erkennungsmelodie des Beuteschlittens zu diskutieren. Und: dass es irgendwie doof ist, dass Düsseldorf kein Tier im Namen trägt.

Für den, der sich nicht auskennt: Normalerweise gewinnen wir zu Hause immer. Beim Abspann läuft über den Cube eine lustig animierte Eisbärenfamilie, welche ein erlegtes Tier abtransportiert – einen Pinguin, Hai, Tiger, Bullen, Panther. Oder einen Kühlschrank (für die Hamburger Freezer).

Doch dazu – stellten wir unmittelbar vor dem gestrigen Spiel fest – fehlt bisher der Klang einer Fanfare oder eine Melodie. So diskutierten wir von da an, was besser passt: Jagdhorn, Fanfare oder (mein Vorschlag) die Promenade aus „Bilder einer Ausstellung“ – das berühmte Dü-dü-düdüdü-dü-düdü-do.

Mitten in unsere Diskussion hinein kam ein Wanderer des Weges daher und sagt:

„Aber die Düsseldorfer haben gar kein Tier!“

Was klang, wie „Aber der Kaiser hat doch gar nichts an!“

Sollen die Bären etwa ein nur Logo schleppen?

Jedenfalls – so sind wir also wieder am Anfang – ist die gestrige Diskussion von vor dem Spiel in Anbetracht einer Niederlage heute saukomisch. Und: Man sollte das Fell eines Bären nicht teilen, bevor der erlegt ist (russisches Sprichwort). Oder wenigstens anderen eine Grube graben, bevor man selbst hinein fällt (Solironow am Tag danach).

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Buchhalterische Überlegungen

Eine passende Überschrift ist nicht so einfach, weil ich “Zwischenbilanz” für ausgeknautscht halte, für inflationär, und weil ich “Kokolores” schon einmal verwendete.

Gestern war wieder einmal “ganz schön nichts geschehen” (Lakomy); die Eisbären gewannen 4:2 – und als ich eben dies posten wollte, bemerkte ich, dass die Berliner Eisbären immer nur entweder gewinnen oder verlieren. Was als Information – eigentlich – nicht des Schreibens wert ist.

Schön daran ist nur das Glück – Man ist nach einem Sieg vollgepumpt mit Neurotransmittern, weiß: an allen Synapsen wird geschuftet, es bleibt positiv-unruhig, man kann lange nicht einschlafen – ~ – dagegen ist jede Stachanow-Stoßarbeiter-Bewegung ein Klacks.

~~~

Heute. Granny. Frühstück.

“Ich konnte widder ewig lange nicht einschlafen …”, sagt sie zur Begrüßung.

“Willkommen im Klub!”, denke ich. Und: “Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall”.

“… und dann hatte ich auch noch keine Schlaftabletten mehr!”

Umgedreht wäre es deutlich schlimmer: Man sehnt sich nach Schlaf und darf nicht schlafen. Weil man zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein muss oder weil man dergestalt gefoltert wird. “Schlafentzug” steht gleich hinter “Waterboarding” im Lehrbuch für kunstgerechten Umgang mit islamistischen Terroristen und terroristischen Islamisten.

Vielleicht bin ich zu verständnislos? – Aber dieses Thema hatten wir doch ebenfalls bereits abgehakt? Gääähn.

~~~

E-Mail-Account – Kurzer Scan.

“…der mit dem Lachen, hat mir besonders gut gefallen. …”

Nett, dass sie’s so schrieb – doch ich denke nun immer und immer wieder darüber nach, ob ich die Überschriften nicht doch ändern sollte. Wenn man “sie” als Leser nicht benennen kann, ist jeder Name ohne Wert. …

Dies und jenes ————-> ICH MUSS SCHON WIEDER LOS!

~~~

Ehe ich es vergesse: Über Professor Proton habe ich vorvorgestern herzlich gelacht ~ darüber sollte ich mal wieder schreiben!

Der Teufelsritt

Wer mich kennt, weiß: Dieser Mann kann für gute Speise kilometerweit laufen. Und dass dieser Kerl täglich dem Schicksal dafür dankt, dass es ihm eine Frau bescherte, die zwei goldene Händchen beim Zubereiten hat.

Würde man eine wichtige Lebensmaxime reimen, klänge dies so:

“Man zählt mit Recht ‘nen guten Braten
Zu den besonders guten Taten …”*

In diesem Sinne ging es wohl mit dem Teufel zu, dass ich … @! … @??? … –

Jedenfalls …

Alles begann mit einer harmlosen Einladung:

einladung

Die Mannschaft entschuldigt sich für eine Niederlage. Und hierhin – da ich nun dazuzugehören glaube – MUSSTE ich. Wozuauchimmer.

131111_grillenAls Fan sieht man sich tatsächlich in eine Art Pflicht genommen – doch aus Potsdam bis zum Wellblechpalast in Berlin-Hohenschönhausen sind es fast 2 Stunden mit dem ÖPNV. Was ich auf mich nahm, nur, um mich dort, mit gefühlten weiteren 5.000 Leuten um einen Bratwurschtgrill zu drängen und ggf. stundenlang in einer Schlange nach Bier anzustehen, gereicht in Plastik, im Stehen trinken müssen, und so weiter und so fort …

123 Leuten gefällt das, doch Mir – mein Unterbewusstsein – verwandelte sich in Rumpelstilzchen und kommentierte mein Verhalten in Endlosschleife:

“Dich hat wohl der Teufel geritten? – Dich hat wohl der Teufel geritten? – Dich hat wohl der Teufel geritten? …”

Wer Fan sein will muss leiden.

—————————————-

* Wilhelm Busch

Verknautschte Auferstehung

Ich schlürfe ausgeruht und gutgelaunt in die Küche und stelle fest: Der Kaffee ist alle.

Dumm gelaufen: Kardamom ist zwar vorhanden, der Herd funktioniert hervorragend, Zimt und Nelken könnte ich aus dem Regal nehmen, nur der zugehörige Kaffee ist bereits verbraucht! – Der “richtige” Kaffee, um dies zu präzisieren.

ICH BRAUCHE MEINEN KAFFEE, staubfein gemahlen, nach Beduinen-Art bereitet. UND WEIL ICH MICH NUR UNGERN MIT ZWEITKLASSIGKEIT ANFREUNDE muss ich heute warten, bis 9:30 Uhr der Kaffee-Laden im Einkaufs-Center* öffnet.

Der berühmte Somerset-Maugham-Spruch …

“It’s a funny thing about life; if you refuse to accept anything but the best, you very often get it.”

…bekommt ausgerechnet heute neuen Inhalt.

“Wann?” ist nämlich auch eine der vielen Fragen ~~~~~ derweil ich mich im Augenblick fühle, wie ein Sachse im Siebenjährigen Krieg.

Ohne Gaffee gönn mer nich gämpfn!

~~~

Nur: “Es ist achtmal besser einmal Null-Acht zu verlieren als achtmal Null-Eins” poste ich auf Facebook, um wenigstens einige Eisbären zu trösten. Gleichwohl drängt sich eine gewisse Erwartung auf:

Na mal seh’n, was heute noch alles so schief läuft …

~~~

* Schade übrigens, dass inzwischen das schöne Wort “Promenade” aus der deutschen Sprache verschwinden tut. Promenade heißt überall “Center” (das aba nurmalnebenbei)

Reziprokes Spiel

Die Eisbären-Fans rufen „Dynamo“ und das bezieht sich auf eine Sportvereinigung der inneren Sicherheitsorgane in der DDR, zu denen Volkspolizei, Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und die Zollverwaltung der DDR gehörten.

Besser: Spiel und Leben

Was grübelt man nicht alles, nur um eine Vokabel namens Kehrwert – reziproker Wert – zu vermeiden. Ein Ausdruck, der es mir – wie ich hiermit zugebe – angetan hatte, denn der reziproke Wert ist diejenige Zahl, die mit x multipliziert die Zahl 1 ergibt (x^{-1}).

“Reziprokes Spiel” ist HIER – HIER, IN DIESEM BLOG – EINE AUSGEGNAUTSCHTE KOMBINATION, die ich – Vorsatz für 2013 – niemandem mehr antun möchte. So heißt dies Posting wenigstens im Subtitle “Spiel und Leben”, was ich, der stets voller Selbstzweifel, für nicht sonderlich originell halte.

Wiedemauchsei: Wenn gute Spiele das Leben abbilden, sollte man auch das Leben im Spiel finden können. Je mehr Häuser man hat, desto weniger Miete zahlt man. Wenn dir alle Straßen gehören, zahlst du nichts.

Es gibt das Spiel im Spiel: Monopoly im Eishockey, was ich am 28. Dezember 2012 entdeckte, als mich eine wirklich-wichtige Person (WWP|VIP) “mitnahm” und ich entdeckte, dass ein Halbsatz wie – „er gehört zu mir“ – genügt, um mich ebenfalls wirklich-wichtig zu machen.

*Pussi-rechts, Pussi-links* – “Aber hallo!”

Mit „Der-da kommt aus Russland“ wurde ich einigen Leuten vorgestellt, erhalte einen Propusk für die meisten Bereiche der O-Two-World – … ~~~ und kann von da an essen, trinken und gucken soviel ich will. Kostenfrei. Umsonst. Wie einst von den Bolschewiki konzipiert: Jedem nach seinen Bedürfnissen.

In der ersten Drittelpause gab es also gebackenen Schweinekrustenbraten, derweil das Frikassee nicht einfach nur Frikassee ist – NEIN! – es ist vom Brandenburger Landhuhn. Der Lachs kommt aus den Fjorden Norwegens und zur Berliner Boulette gehört natürlich Feigensenf.

Brot und Spiele. Man sitzt in einer Loge und freut sich, wie glücklich das Volk ist. Die Fans rufen “Dynamo”, was  sich auf eine Sportvereinigung der inneren Sicherheitsorganeder DDR bezieht, auf die Volkspolizei, das Ministerium für Staatssicherheit und auf die Zollverwaltung der DDR. Derer Vorsitzender bis zum Untergang Erich Mielke war.

Hätte der Sozialismus gesiegt, wären die Eisbären heute noch Dynamo und hätten im Schnitt 400 Zuschauer pro Spiel. So aber spielt die beste Mannschaft Deutschlands in der modernsten Arena des Landes vor den treuesten Fans, die unterhalb der VIP-Logen zu ihrer Ost-Identität finden.

Hierfür fällt mir keine Vokabel ein.

The White Bear Phenomenon

~

Teil 1: Unverständliche Fragen

Neulich habe ich die Berliner Philharmoniker gehört, genauer: Die Matthäus-Passion mit Sir Simon Rattle und Peter Sellars.

Ich bin heute noch begeistert, schwärme …

Da kommt ein Wanderer des Weges daher, kommentiert und fragt:

“Interessant. Wer war der Bariton?”

(Die Antwort – aber wozu? – ist klar. Es waren derer zwei: Thomas Quasthoff und Christian Gerhaher)

~

Gestern hörte ich Eishockey im Live-Stream, genauer: das Spiel “Iserlohn Roosters gegen Eisbären Berlin”. Es war spannend und knapp, ging in die Verlängerung. Heute bin ich immer noch aufgeregt, begeistert, schwärme …

Da kommt ein Wanderer des Weges daher, kommentiert meine Begeisterung mit der Vokabel “Interessant” und fragt:

“Wer hat die Tore geschoben?”

(Die Antwort – aber wozu? – ist klar. Es waren derer fünf: Lalondein in der 12.Minute, Talbot in der 19. Minute/PP, Tallackson in der 22. und Rankel in der 42. und der 65.)

~~~

Wir fragen nie nach Verteidigern, obwohl sie gleichwertig. Statt 2. Violine wollen wir die erste Geige. Und: Derjenige, der die Namen erfahren hat, kann sie sich nicht merken.

~~~

(Jedenfalls sind wir wieder auf dem Weg nach ohm. “EISZEIT in Berlin!”)

~~~

Teil 2: Das Spiel

Das Spiel der Berliner Eisbären ist ein weiterer Beleg für die “Theorie der Ironischen Prozesse”. Weltweit bekannt unter “White Bear Phenomenon”, wonach der Versuch, einen bestimmten Gedanken zu vermeiden, diesen viel beharrlicher macht.

So merkte Fjodor Dostojewski 1863 seinem Reisebericht “Winterliche Aufzeichnungen über sommerliche Eindrücke” an:

“Stelle dir selbst diese Aufgabe: Denke nicht an einen Eisbären, und du wirst sehen, dass dieses verfluchte Ding jede Minute in deinem Kopf sein wird.”

Hieraus wurde das Spiel – “The Game” genannt. …

<hier könnte theoretisch noch etwas mehr Text stehen> 

ilostthegameIm Allgemeinen gelten folgende Regeln für “The Game”:

  • Jeder spielt das Spiel.
  • Wer über das Spiel nachdenkt, verliert.
  • Wer das Spiel verliert, muss dies mindestens einer Person mitteilen.

Was wiederum beweist, dass alles – aber auch wirklich alles! -miteinander im Zusammenhang steht.

Und: dies ist keine Ironie!

Versuchte Sponsorenakquisition

VIP-Bereich. Ich. Tee.

Derweil sich meine Freunde am Buffet die Teller vollschaufeln, sitze ich allein am Tisch mit “ohne was”, dazu ein Gläschen Tee etwas Zitrone.

MINIMALISMUS IST COOL: Man könnte sich zuvöllern, wenn man nur wöllte, 10 Jahre alte Schnäpse reihenweise ordern, die besten Jahrgänge an trockenem Rotwein pietschen und das alles, ohne dafür auch nur einen Cent zahlen zu müssen ~ setzt sich hin und trinkt lieber Tee.

I feel good!

Während die anderen noch am Buffet stehen, habe ich Zeit zum Gucken. Am Nebentisch sehe ich vier Mädels gruppiert, ziemlich aufgeputzt, sich ständig umsehend. Eine von ihnen erblickt mich – inmitten von Minimalismus -, unsere Blicke treffen sich, sie hebt ihre Hand leicht zum dezenten Gruß ~ und mir steigt die Schamröte ins Gesicht.

Ich bin wohl im falschen Film – ich bin glücklich verheiratet.

Schon kommt der erste Freund mit gefülltem Teller, sieht ebenfalls zu den Mädels, sah möglicherweise die herumirrenden Blicke, und fragt sehr direkt:

“Was meinst du, die da drüben: Sind das Nutten oder Schlampen?”

In der Tat: sie sehen tatsächlich so aus aus, als seien sie eines von beiden. Was mich feststellen lässt, dass der ehemals schönen deutschen Sprache neuerdings Vokabular fehlt. Ein Russe würde die gleiche selbe Situation mit eigenen Worten viel besser beschreiben können. Etwa:

“Am Nebentisch sitzen vier Mädels, die auf der Suche nach Sponsoren sind.”

Sponsoren können bei einem Projekt namens “Leben” sehr behilflich sein. Es ist wahr und klingt vernünftig. “Nutte” dagegen, klingt nach Hafen und Schweiß, “Schlampe” nach Alkohol, gläsernen Augen und belegter Stimme – das alles trifft auf unseren Nachbartisch nicht zu. Diese Mädels sind nur ungeschickt gekleidet – ich würde nur ungern etwas gröber benennen müssen, als es ist.

~~~

Inzwischen ist unser Tisch voll besetzt. Mann diskutiert den Unterschied, welcher durch die Art der Offerte bedingt ist. Demnach bieten Mädels mit Hang zur späteren Heirat die Ware an, die man bei einer Nutte kurzfristig haben kann. Jedes Bedürfnis ist berechenbar. Ein Abo scheint billiger zu sein, hat aber seine Tücken. Bevor man einen Vertrag schließt, sollte man kalkulieren …

Drum prüfe, wer sich fester bindet
Ob sich nicht noch was bessres findet.

Das angenehme Mittelding ist die Freundin, welche die Gattin akzeptiert. Mit etwas mehr Geld schafft man(n) sogar gegenseitige Akzeptanz.

So isses heut, so war es früher und so wird’s immer sein. Das andere Lebensmodell ist ja schließlich kolossal gescheitert. Auf dem Schutthaufen der Geschichte gelandet. Man schaffte eines schönen Tages – nur um ein Beispiel zu nennen – in Mitteldeutschland den Reichtum ab, deklarierte wirres Zeug wie “Befreiung” und “Gleichberechtigung”, derweil die Leute nichts Besseres wussten, als sich am laufenden Band scheiden zu lassen. Was die mitteldeutschen Menschen nicht glücklicher, sondern eher unzufriedener machte. Weshalb sie eines Tages ausgerechnet jene Mauer einrissen, die sie – eigentlich – glücklich machen sollte.

😉

Doch “Ausnahmen bestimmen die Regel”, denke ich trotzdestonichts, stütze nun meinen Kopf so mit meinem rechten Arm ab, dass die verfickten Schlampen da drüben meinen Ehering sehen können.

Ich bin nämlich nicht so einer –

– ich bin ein anständiger Kerl!