Bärfekter Strudel

Der Boulevard denkt sich oft Worte aus, die meist misslungen und originell-sein-wollend, doch manchmal aber auch – selten genug zwar, aber immerhin – geraten. So titelte eines der Blätter nach der ersten Meisterschaft der Eisbären …

BÄRFEKT!

… breit über die ganze Seite.

Dieser Header ziert heute noch eine Wand nahe einer Straße bei den Berliner S-Bahn-Bögen am Ostbahnhof, welche von den Fans retrospektiv “Dynamostraße” genannt wird, in Wirklichkeit aber Helen-Ernst-Straße heißt.

Eines Tages war ich zufällig bei einem Eishockeyspiel und seither bei jedem Heimspiel bis hinein ins Finale. Geriet sozusagen freiwillig in einen Strudel und beobachte mich.

Von Aktion bis Aktionismus ist eine Entfernung, die der Breite einer Rasierklinge entspricht.

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“DIE HAUPTSTADT FÜRCHTET DEN ABSTIEG NICHT !!!” und ich bin der mit der Fahne neben dem T von “FÜRCHTET”.

Der einst einsame Steppenwolf schließt sich also dem Rudel an und staunt ob des Aufwandes, den das Rudel betreibt. Ein Aufwand, der von Außenstehenden kaum verstanden werden kann, denn es geht um Macht.

Aber eigentlich geht es ja immer um die Macht. Es geht darum, WER was zu sagen hat.

2013-06-30 17.42.11

Eine Losung zu sprühen – lerne ich dabei – dauert etwa zwei Stunden. Aber nur, wenn die Schablonen für die Buchstaben bereits vorhanden sind. Man muss zuvor messen und gruppieren, derweil ich endlich verstehe, wozu Wahlplakate nützlich: Es lassen sich Buchstaben-Schablonen davon machen.

Auf der Rückseite von der L-Schablone wirbt die FDP für mehr Initiative.

So nützten sie sich die Fans,
Indem sie dem Ratschlag folgten.
Und folgten ihm, indem sie sich nützten.

Und hatten ihn also verstanden.

Frei nach Brecht, der einst notierte, wie einige Teppichweber Lenin ehrten.

Ach-ja und: Der Rat der Freien Demokraten ist nun das L von DEL.

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Das Subjekt für die Gegenstände

Sage mir was du zitierst und ich sage dir, wer du bist.

Vonmir Dasist, Weblog, 30 April 2013,

1983. November. Ich schreibe eine Diplomarbeit über Freizeit und Freizeitverhalten.

“Die Produktion liefert dem Bedürfnis nicht nur ein Material, sondern sie liefert dem Material auch ein Bedürfnis. … Das Bedürfnis ist durch Wahrnehmung desselben geschaffen. Der Kunstgegenstand – ebenso wie jedes andere Produkt – schafft ein kunstsinniges und schönheitsgenußfähiges Publikum. Die Produktion produziert daher nicht nur einen Gegenstand für das Subjekt, sondern auch ein Subjekt für den Gegenstand.”

Marx Karl, Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie, MEW 13, S. 624

Aus solchen Texten kommen offenbar die (Anstriche|Einschübe), welche ich heute noch mag. Und – ergänze ich mich selbst – nachträglich bin ich froh, dass sich Lenin Marx für seine Verblendung aussuchte. Bei Hegel hätten wir mehr zu kauen gehabt.

Ersatzbefriedigung

“Wir sind in den Zirkus eingeladen – Kommst du mit?”

Klar komme ich mit!

Gern sogar – der Rechner ist ohnehin futsch. TV funktioniert nicht richtig und um Zirkusartisten zu sehen, braucht man keine Lupe. Außerdem war ich das letzte Mal in einem Zirkus als meine Kinder noch “klein” waren, was inzwischen gut und gern 20 Jahre her ist.

Zirkus Roncalli – Yes! Beste Stimmung in der Manege. Und – das Geheimnis wurde bereits andernorts gelüftet – deren Hippos sind keine Flusspferde und die Eisbären sind ebenfalls nicht echt.

“Die menschlichen Eisbären können sich dank einer komplexen Technik unter den dicken Fellen bewegen.”

Lara gefielen die Chinesen, die ich anfangs für Japaner hielt, mir gefiel eine der Tänzerinnen.

Schön fand ich den Walzertanz mit Publikum vor dem Finale und das Gute-Nacht-Lied nach dem Finale.

Als wir anschließend unseren Hund abholten, begrüßte er alle Zirkusbesucher schwanzwedelnd. Vor allem die Freundin und meine Frau (?) – aber wozu die?