Das Kommunikationsdilemma

Gute Filme sind sehr nachhaltig und ich bin heute verkatert.

Heute denke ich nach und weiß vorerst noch nicht, wieso mir gerade jetzt der 1943er Münchhausen-Film einfällt (Der mit Hans Albers in der Hauptrolle).

münchhausen1943Die Handlung dieses Münchhausen-Films (Drehbuch Erich Kästner) weicht von der literarischen Vorlage ab. In diesem Film warnt Baron Münchhausen den Zauberer Cagliostro vor einer drohenden Verhaftung und erhält dafür die ewige Jugend.

Der reiche Lohn gerät zum Dilemma: Münchhausen bemerkt sehr bald, dass ewige Jugend nicht viel nützt, wenn man allein damit ausgestattet ist. Wenn nämlich alles, was lieb und teuer ist – wie die geliebte Frau, wie der Freundeskreis, wie die Gesellschaft an sich – einfach so vor sich hin altert, wie es ja auch seine Richtigkeit hat.

Schließlich hat der Film-Baron seine ewige Jugend satt, gibt diese freiwillig zurück, altert schlagartig und wird endlich glücklich. Nun endlich kann er mit seiner Frau alt werden und ich weiß jetzt – gottseidank – wieso mir diese Film einfällt.

Die Themen der Anderen sind andere Themen. In meinem Alter gibt es nur wenige Nerds – dafür aber zich Krankheiten, zahlreiche Klassentreffen und langweilige Geschichten. Wie die von damals, als die linkselbischen Gebiete noch nicht “dazu” gehörten und jede Bockwurscht nur 85 Pfennje kostete. Derer Zeitrechnung: vor der Wende – nach der Wende, gute Zeiten – schlechte Zeiten.

Irgendwann wird man mit ewiger Jugend zum einzigen Menschen mit Telefon: Man könnte zwar kommunizieren, kann es aber nicht.

Niemand nimmt den Hörer ab.

Jedenfalls bin ich ziemlich verkatert, gleichwohl glücklich, Nichtraucher zu sein, (omg! wie hat man früher nach solchen Suff-Exzessen gestunken!) und getragen von der großen Sehnsucht, endlich auch einmal mitwinseln zu können. Wann werde ich endlich einmal von Hämorriden geplagt?!

Werbeanzeigen

Der Gottesbeweis

Es sind immer wieder die selben Witze, die man sich zichmal erzählt (PLU 0815). Wie – beispielsweise – den vom Popen Grigori aus Stawropol, der an einem Morgen nach einer Feier ein kühles Bier entdeckte, welches ihm seither als Gottesbeweis gilt.

Das Vorhandensein von Bier beweist: Es gibt einen Gott!

Der obligatorische Kater-Witz, der mir prompt einfällt, da ich die Kühlschranktür öffne, darinnen ein braunes Fläschchen darin liegen sehe, welches ich öffne und mit drei großen Schlucken … – @Ah!

Das Vorhandensein von Bier beweist: Gott liebt mich!

Nachbereitung.

bieramalex-1Bin ich also doch mit Fahrschein gefahren!? Hatte schon schlechtes Gewissen beim Aufwachen: Bezahlt oder nicht bezahlt – das ist hier die Frage.

Kompostiert* habe ich das Ticket auch. 16:50 Uhr. Am Alexanderplatz. Was – rein mathematisch betrachtet – bedeutet, dass wir 5 Stunden Bier getrunken haben.

Was für ein Glück, dass inzwischen in Kneipen das Rauchen verboten ist! Und welch Glück, dass ich selbst nicht mehr rauche ~ früher war das Erwachen nach Tagen wie diesen furrrchtbar, erinnere ich mich: Die Klamotten stanken, der Rachen zur Faust geballt und so ging es dem armen Körper viel-viel schlechter – *hust*.

Mein Kumpel gab den Propheten.

„Das habe ich immer schon gesagt: Wenn Dortmund ins Finale kommt, dann jewinn-ses oooch!“

50% Wahrscheinlichkeit. Entweder gewinnen sie es, dann kann er sich als großer Prophet feiern lassen. Oder sie gewinnen es nicht.

Besser wäre – schlug ich ihm vor – eine kryptische Aussage

„Der junge Löwe wird den alten besiegen,
Auf dem Schlachtfeld in einem einzigen Duell:
Im goldenen Käfig wird er ihm die Augen ausstechen,
Zwei Flotten/Armeen einig, dann wird er einen grausamen Tod sterben.“

Oder so ähnlich.

Dann – erinnere ich mich – mischte sich ein Arbeitsamtsmitarbeiter „aus Westberlin“ in unser Gespräch, dem die Einteilung „Kanake“ aus dem Mund meines Freundes zu rassistisch vorkam. Dem ich entgegen hielt, dass ungenaue Bezeichnungen immer einer Tradition folgen. Was den Römern Barbaren sind dem Russen die Tataren sind bei uns – na-ja, das ist – zugegeben – keine ernsthafte Argumentation, eher schwatzsüchtig. Aber …

„Ismen gehören ebenfalls zu den sehr-sehr ungenauen Bezeichnungen. Sie sollten also die Vokabel „rassistisch“ aus ihrem Repertoire streichen. Einigen wir uns doch statt derer auf „politisch unkorrekt“?!“

Aber so teilt sich mein Freund nun einmal seine Welt ein: In Russen, Polen, Europäer, Asiaten, Kanaken und Deutsche – Was er allerdings nie und nimmer rassistisch meint.

Ansonsten kann ich mich an nichts erinnern.

Stonhenge Reloaded

stonehenge

Stonhenge – Wir kennen die Geschichte: Vor vielen-vielen Jahren trafen sich bei Amesbury in Wiltshire, etwa 13 Kilometer nördlich von Salisbury, Menschen regelmässig, um wüste Feste zu feiern.

Auch wir – mein Kumpel und ich – treffen uns einmal im Quartal. Unser Stonehenge ist eine Bierbar am Alex. Hier kennt man uns, hier fühlen wir uns wohl. Danach aber ~ The Day After ~ geht es mir regelmäßig schlecht.

„Ein Alter ist schließlich kein junger“, denke ich bei solchen Gedanken und rekonstruiere mühsam den Ablauf des gestrigen Tages.

Einige Male hatten wir bezahlt und sind dann doch jedes Mal sitzen geblieben. Offenbar gab es hierfür immer einen Grund. Oder Gründe. So zum Beispiel als Eisbären-Fans eintrafen, um sich vor dem Play-Off gegen Adler Mannheim in Stimmung zu bringen.

Zuletzt – in Straubing – habe man sie mit Bananen beworfen.

“Die da unten glauben tatsächlich, Berlin ist die Hauptstadt der DDR. Und dass es bei uns, in Berlin, keine Bananen gibt.”

“Wo liegt eigentlich Straubing?” wollte die großbrüstige Uschi wissen. Mein Kumpel vermutete “auf dem Obersalzberg”, was natürlich Unsinn ist, denn “auf dem Obersalzberg liegt nur die Wolfsschanze, sonst nichts” blödelte ich. Doch auch das kann erst recht nicht stimmen, denn “Wolfsschanze ist eine Fußballmannschaft”. Nämlich die, die der Magath trainiert”.

Jedenfalls sangen wir ziemlich beschwipst das Eisbären-Lied –

“Unser Leben wär so leer ohne Bär.
Wir ham die Eisbärn — sooo gern!”

– und 15:38 Uhr (sehe ich soeben bei der verkaterten Nachbereitung) bezahlte ich eine unserer Rechnungen mit Karte. Nun tut mir die Rübe weh, mir ist schlecht und nachher läuft mir bestimmt wieder die Frau mit dem strengen Blick über den Weg.

“Nie wieder 2. Obergeschoß!”, schwöre ich mir jetzt. Ein alter Mann ist schließlich kein junger.