Kognitive Dissonanz

 

Die Frau ist doof, doch der Mann ist schlau oder der Mann ist doof, die Frau schlau oder alles ist umgedreht.

Lara platzt ins Arbeitszimmer, erzählt etwas und verwendet mitten im normalen Text den Ausdruck “kognitive Dissonanz”. Ich, der bis dahin nur halbohrig hörte, merke, dass “kognitive Dissonanz” ~ irgendwie ~ die falsche Vokabel sein muss, unterbreche daher fragend:

“Kognitive Dissonanz?”

Hierüber ist sie ungehalten und fasst ihren Vortrag zusammen:

“Es geht darum, dass der Mann bescheuert ist, aber dessen Frau nicht.”

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Das Missverständnis

Sie hat mich heute als Dolmetscher engagiert und als solcher sitze ich mit ihr im Wartezimmer ihres Arztes. Es war ruhig und bleibt lange Zeit ruhig. Hin und wieder ein Hüsteln – sonst nichts. Bis plötzlich – mitten in die Stille hinein – mein iPhon klingt.

“Child in Time” von Deep Purple – Eine Hammond-Orgel als Klingelton.

*peinlich-peinlich*

Ich sehe wer anruft, nehme eine Hand zur Abschirmung und spreche gaaanz leise in mein Handy hinein.

*geflüstert:*

“Bist du das? – Ich kann jetzt leider nicht reden.”

Paradox: Man sagt tatsächlich, dass man nicht reden kann. Und man fragt einen Anrufer, ob er es sei.

Mein Kumpel versteht und flüstert [sic!] zurück:

“Okay. Alles klar. Dann bis später!”

DAMIT hätten wir es eigentlich belassen können, es ist bereits witzig genug. Aber nein! – Irgendetwas treibt, und so folge ich einem inneren Drang nach Präzision.

*geflüstert:*

“Ich bin nämlich im Wartezimmer der Gynäkologie.”

“Waaas? – Wo bist du?”

“In Berlin. Beim Frauenarzt.”

Na klar. Wo sonst kann Mann ja auch sonst sein, wenn Mann nicht reden kann? – Beim Frauenarzt natürlich!

Des Freundes Stimme zornt:

“Du immer mit deinen blöden Witzen!”

… und er beendet das Gespräch abrupt.

Tödlicher Irrtum

dzerjinsky_schwertAls Feliks Dserschinski am 20. Dezember 1917 beauftragt wurde das “Allrussische Außerordentliche Komitee zur Bekämpfung von Konterrevolution und Sabotage” – die Tscheka – zu organisieren, kannte er nur wenige von Lenins Gewohnheiten. Zudem hatte er sehr viel zu tun, denn unmittelbar nach der Heldenhaften Ruhmreichen Großen Sozialistischen Oktoberrevolution streikte der Apparat.

Was tun? – Was tun, wenn der Beamte renitent?

Die Diktatur des Proletariats schuf sich eine Lösung in Gestalt des ersten Gefangenenlagers für politische Häftlinge – Konzentrationslager* – in der Provinz Pensa: gegründet im August 1918 auf unmittelbare Anweisung Lenins.

Die Zahl der Inhaftierten betrug im Mai 1921 etwa 16.000 Personen und stieg bis September 1921 auf über 70.000 Personen an. Peanuts – im Vergleich zu dem, was später unter Stalin während der Großen Säuberung verhaftet wird. Es war der Anfang.

 

rev_terror

Auf dem Transparent steht: “Ins Gefängnis mit den Saboteuren. Der revolutionäre Terror ist gegen sie gerichtet”

~

Eine Revolution verdient nur dann den Namen “Revolution”, wenn sie sich auch zu verteidigen weiß. Solche Sprüche gab es in der Schule, in der ich lernte zuhauf.

~

Irgendwann zum Jahreswechsel von 1920 zu 1921 ergab es sich, dass Lenin sich in einer der vielen Beratungen eines der vielen Gremien langweilte. So schrieb er an Felix Dscherschinski – dem “Schwert der Revolution” – eine Frage auf einen Zettel

“Sag mal Felix Edmundowitsch, wie viele Volksfeinde sitzen eigentlich derzeit in unserem Konzentrationslager?”

“Etwa 10.000” war die schriftliche Antwort des Großen Organisators.

Eine Marotte Lenins bestand darin, bereits gelesenen Texten nicht wie üblich mit einem Häkchen (галочка) oder einem Unterschriften-Signet zu zeichnen, sondern mit einem Kreuz. Und als jene Sitzung längst vorbei war, gelangte der von Lenin abgekreuzte Zettel in ein Büro, in welchem er vom eiserne Felix zur Kenntnis genommen ward.

Tags darauf meldete er Lenin Vollzug:

“Befehl ausgeführt!”

~

Ein mörderische Missverständnis.

———————

* Notabene: Der Name “Konzentrationslager” für die Gefangenschaft politischer Gegner wurde von den Bolschewiki erfunden und von den Deutschen später übernommen. Und dies nicht zufällig. Unmittelbar vor der Machtergreifung weilte eine Delegation aus Deutschland in der UdSSR zum Studium der Lagerwirtschaft. Der Name wurde gleich mitübernommen und später abgekürzt in “KZ”.

Freudsches Missverständnis

Lara kommt mit einer Anfrage:

„Der Fahrlehrer hat gesagt, ich sei zu hexisch. War das einfach nur grob oder war es scherzhaft gemeint?“

Es dauerte eine Weile bis ich kapierte, dass der Lehrer „hektisch“ meinte.

Danach war meine Antwort klar:

„Weder grob noch scherzhaft. Hexisch war ernst gemeint.“