Die Sprachparadoxien einer Beziehungskonstante

Die russische Vokabel für “Ehe” lautet “брак”. Janusköpfig, finde ich, weil “брак” nicht nur “Ehe” bedeutet, sondern auch “Ausschuss” oder “Murks”.

Demgegenüber kommt eine deutsche Ehe aus dem Althochdeutschen ge(sp|k)rochen daher, worin die Vokabel für “Ewigkeit”, “Recht” und “Gesetz” stand.

Die russische Ehe-Vokabel kann also Murks bedeuten, derweil die deutsche Vokabel vorgibt, Fels in einer Brandung zu sein, Trutzburg, Schild, Anker … – ~ – Was wiederum anhand vergleichenden Sozialverhaltens insbesondere ab der 1990er Jahre geradezu absurd ist. An die Stelle von “Ewigkeit, Recht und Gesetz” setzten die Deutschen “Einigkeit und Recht und Freiheit”, dergestalt dass man sich nach dem Akt der Eheschließung unverhohlen fragen darf:

“Wir sind uns also einig, dass wir auch weiterhin das Recht auf Freiheit haben?!”

Wogegen man sich in Osteuropa wenigstens bemüht, eine Ehe gar nicht erst Murks, bzw. Ausschuss, werden zu lassen. Mit zahlreichen Verhaltensmustern, die ich – solange ich keine bessere Erklärung finde – “instinktiv” nennen möchte.

“Deine Frau sagt immer, DU müsstest dies und jenes entscheiden. Unterdrückst du sie etwa?”

“Im Gegenteil!”, behaupte ich voll überzeugt. Wohl wissend, dass – mit Ausnahme wichtiger Dinge, wie Elektronik, Auto oder Software – SIE alles entscheidet (nach Rücksprache zwar – aber das wiederum, ist reine Formsache.) Also: Jede Balkonpflanze, jede Gardine im Wohnzimmer, jeder Fisch, der uns auf den Tisch kommt – alles ihre Wahl.

“Frau entscheidet selbst” ist eine Option, die ich darüber hinaus bei Gelegenheit öffentlich zur Schau stelle. Es ist nämlich lustig, in das Gesicht eines Hausierers zu gucken, der gerade von einem südländisch aussehenden, stark nach Macho riechendem Mann – dem typischen Migrationshintergründler also – zu sagen bekam:

“Das kann ich überhaupt nicht selbst entscheiden – bei uns entscheidet immer nur die Frau!”

Einer trägt des anderen Last. Wer sich in einer Beziehung hierauf verlassen kann, lebt ruhiger. Dessen Ehe ist vor Viren geschützt.

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Autor: Alex

Heute so, morgen so ...

6 Kommentare zu „Die Sprachparadoxien einer Beziehungskonstante“

  1. Husband heißt übersetzt „house banned“. Am besten hält der Ehemann Distanz. Dann hat die Ehe eine Chance.

    1. Nein. Husband bedeutet „hūsbōndi (hūs, „house“ + bōndi, būandi, present participle of būa, „to dwell“, so, etymologically, „a householder“ – Haushaltsvorstand.
      Notabene: Vorstand.
      Aber wir können uns gern weitere Bedeutungen ausdenken, „Marriage“ könnte demnach bedeuten „Marie ist wirklich schon so alt“

        1. Ach-ja die Джорджетт – sehrrr beliebt in Russland, sehrrr beliebt. Wie alles, was handeln von Liebe. Der zugehörige Roman (deutsch: „Die Vernunftehe“) wird in Russland unter dem Titel „Брак по расчёту“ gelesen, was es in einer angenommenen russisch-deutschen Übersetzung komisch machen könnte: „Murks berechnet“ oder „Berechneter Ausschuss“. Und da wären wir auch schon wieder auf Los.
          Im Übrigen *seufz* bin ich als Rezipient von Liebesromanen gänzlich ungeeignet. Jedes Buch interessiert mich vorrangig als Material. So kann ich bestenfalls sagen, dass ich „The Convenient Marriage“ mit „Удобный брак“ übersetzen würde, nicht mit „Брак по расчёту“ … – aber wer will das schon wissen?

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