Ungeschicktes Timing

Ich bin im Übrigen immer noch beim Abnehmen. 6 (in Worten: sechs!) weitere Kilo liegen hinter mir, 10 noch vor mir.

Der beste Weg abzunehmen, ist weniger zu essen. Was allerdings stets mit nervigen Kommentaren belegt wird. „Aber man MUSS doch immer was essen!“ (Granny), oder „willst du nicht wenigstens einen Salat?“ (Lara).

NIEMAND MUSS UNUNTERBROCHEN ESSEN, im Gegenteil: ständiges Essen, tagein-tagaus, ist wider die Natur. Als wir als Primaten nackig durch Afrika streiften, hatten wir auch nicht täglich Nahrung. Weshalb ja schließlich unser Körper die Fettpolster erfand – als Reserve für die Tage, an denen gegrilltes Mammut nicht zur Verfügung steht. Wenn ich also an einem Tag nichts esse, verhalte ich mich urmenschlich-natürlich und fühle mich (komischerweise glaubt mir das niemand) wohl dabei.

AUCH AUF SALAT MÖCHTE ICH VERZICHTEN, obwohl der nur gesund sein kann.

Mein Körper identifiziert Salat als Vorspeise. Einen von Laras leckeren Salaten verzehrt, ruft es aus dem Inneren des Körpers:

„Und? War das alles? Wo bleibt das Süppchen? Wo der Hauptgang?“

Schon hat man mit sich selbst zu kämpfen.

Jede Diät kämpft darüber hinaus gegen Unverständnis. Die soziale Umwelt ist das schwächste Glied in einer Kette geplanter Maßnahmen. Mit Argumenten kommt man gegen Ignoranz nie an – wohl aber mit Tricks.

Mein jüngster Trick heißt Religion. So bin ich derzeit gegenüber meiner Umwelt russisch-orthodox. Und heute ist der Auftakt zum Großen Fasten, heute ist der Reinigende Montag, heute ist aller-aller-strengstes Fasten angesagt.

Derweil morgen allerdings – wenn alles klappt – die Küche fertig werden wird und Lara sich bereits Gedanken macht, was sie anlässlich der Einweihung zubereiten wird.

„Möchtest du lieber Lamm? Oder Lachs?“

Heiliger Zorn gegenüber meiner rechtgläubige Ehefrau:

„Mitten in der Große-Fasten-Zeit?! DU SÜNDERIN! Geh in die Kirche und bitte IHN für solche Gedanken um Vergebung!“

Das war offenbar überzeugend. So dass sie mir meine Religion für ein kurzes Moment sogar glaubte.

Anschließend entschieden wir uns für Fisch (als Kompromiss) in verschiedenen Varianten: Forelle, Lachs, gebacken, gebraten …

Soviel blieb mir also von meinen ollen Vorsätzen.

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