Zentren für Kundendienst mit Peitsche 

Wer in Potsdam mit einer x-beliebigen Straßenbahn durchs Zentrum fährt, hat zweimal die Gelegenheit an einem der „Whip Customer Service Center“ vorbei zu fahren. Lautsprecher weisen auf Halbenglisch darauf hin, digitalisiert „vom Band“ 😉 

Leider fehlt der Mensch, zu dem man gehen könnte um zu sagen, dass „Whip“ ins Deutsche übersetzt – eigentlich – „Peitsche“ bedeutet und:

„Was Sie sagen wollen muss wie Ei Pie ausgesprochen werden.“

„VIP“ soll bestimmt ein pfiffiges Wortspiel sein. Einerseits sollen die „Verkehrsbetriebe In Potsdam“ VIP abgekürzt werden, damit die Costumer beim Abkürzen an „very importent Persons“ denken. Sie sollen wohl glauben, sie seien superwichtige Personen.

Was heute „Whip Customer Service Center“ heißt, war früher ein ganz normaler Fahrkartenschalter – und in Wirklichkeit sind die Center dies auch. Außer dem Namen hat sich nichts geändert. Nomen ist nicht immer Omen. Und das Personal ist ebenso unfreundlich wie zu Zeiten der Stagnation. Für Auskünfte fehlt denen offenbar die Zeit oder Lust, derweil wir Kunden uns im Service Center auf Zeitreise begeben. 

„Wie unter Erich“ sagte neulich eine Customerin zu einer anderen und ich finde seither, dass „Whip“ in eines der noch zu erfindenden Wortspiele passen müsste.

Beim Lesen fällt mir auf: Die Ansage ist auch dann Quatsch, wenn die Whip Center normale Namen hätten. Derjenige, der sie hört, sollte einen Fahrschein haben. Derjenige der einen Fahrschein hat, hat ihn bereits gekauft und braucht wahrscheinlich keinen Hinweis darauf, wo er ihn hätte ebenfalls auch kaufen können.

Ich spinne. Stelle mir vor, ein Potsdamer wird von einem Sachsen angesprochen –

„‚Tschuldigung. Gennen Se mor saren, wo hier das Whip Gastommer Service Senter is?“

– und lache in mich hinein.

Autor: Alex

Heute so, morgen so ...

6 Kommentare zu „Zentren für Kundendienst mit Peitsche “

  1. Ich bräuchte ja schon 20 Jahre um zu verstehen, dass Mayonnaise Whip, also Mirakel…Zauberpeitsche????😳
    jeden Salat mirakelt. Bei uns in der Stadt die es überhaupt nicht gibt, heißen Fahrkartenautomaten noch Fahrkartenautomaten und sie sind unheimlich oft kaputt, wie es sich für eine Provinz-Großstadt gehört.
    In diesen Artikeln, die ich für ein Magazin schreibe, ist es meine oberste Aufgabe darauf zu achten, Fremdwörter zu vermeiden. Damit Erna Dreesbeimdieke aus Ummeln, 85 Jahre, meinen Artikel auch ohne Übersetzer-App lesen und verstehen kann. Ich habe allerdings so meine Schwierigkeiten mit den neuen Berufsbezeichnungen…alles heißt heute anders und verbirgt sich hinter englischen Bezeichnungen….so wird ein Hausmeister ein ‚Facility Manager‘. Klingt irgendwie unecht… Man kann sich nichts darunter vorstellen. Außer man ist Engländer oder Amerikaner und bei denen heißt Water Wasser und Kindergarden Kindergarten. Wie würde wohl ein waschechter Brite sich mit dem schönen deutschen Wort ‚Fahrkartenautomat ‚ arrangieren? Bevor er sich quält würde er Ticket-to-go sagen…;)

    1. Lol! Der Facility Manager war übrigens in der Stagnationsperiode ein Halbkreisingeneur, weil er meist nur fegen musste, im Halbkreis. Die weibliche Form war NICHT Halbkreisingeneurin sondern komischerweise Fußbodensachbearbeiter ohne „in“.

  2. Fußbodensachbearbeiter hat was! Lang und innig. Bei der Fußbodensachbearbeiterin käme noch ein -in dran… Damit auch der letzte kapiert, dass es sich hierbei um eine Frau handelt und nicht um einen Mann. Das ist…WICHTIG! Also naja…behaupten jedenfalls welche.
    Warum überhaupt wird der Mann in ein wohltönendes exotisch reizvolles Fremdwort gekleidet und die Frau klingt wieder wie ein Stapel Akten in einem sterbenslangweiligen Büro? Typisch ist das doch wieder…Ha! Ungerecht ist das! Sie darf keine Inschenörin sein…nicht mal im stagnativ bedingten Halbkreis,..sie sachbearbeitet…Fußböden …so booring…sie ist :
    Ground Controllerin!!!
    (Das -in am Ende hab ich zum besseren geschlechterlächerlichen Verständnis einfach hintendrangedeutscht)

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