Schwarmverhalten

12. Tag

“Und wenn die Hähne krähn am Morgen
Gieß ich mir kalte Milch ins Glas …”

Die Band in meinem Kopf nennt sich Karussell und “zählt neben Karat, City, Puhdys und Electra zu den bedeutendsten und populärsten Gruppen der DDR” (Wikimiki).

Heute ist alles anders: Ich singe mir zwar das Lied, doch die Hähne sind voller Wasser. Geräuschlos fast.

Und: morgens mach ich Kurkuma in die Tasse. …

curuma

“Aba warum ick det tue, ‘ss unklar noch. ‘ssol aba irre gesund sein.”

Es ist der Schwarm, der die Regeln vorgibt, nie der Mensch allein.

Verknautschte Auferstehung

Ich schlürfe ausgeruht und gutgelaunt in die Küche und stelle fest: Der Kaffee ist alle.

Dumm gelaufen: Kardamom ist zwar vorhanden, der Herd funktioniert hervorragend, Zimt und Nelken könnte ich aus dem Regal nehmen, nur der zugehörige Kaffee ist bereits verbraucht! – Der “richtige” Kaffee, um dies zu präzisieren.

ICH BRAUCHE MEINEN KAFFEE, staubfein gemahlen, nach Beduinen-Art bereitet. UND WEIL ICH MICH NUR UNGERN MIT ZWEITKLASSIGKEIT ANFREUNDE muss ich heute warten, bis 9:30 Uhr der Kaffee-Laden im Einkaufs-Center* öffnet.

Der berühmte Somerset-Maugham-Spruch …

“It’s a funny thing about life; if you refuse to accept anything but the best, you very often get it.”

…bekommt ausgerechnet heute neuen Inhalt.

“Wann?” ist nämlich auch eine der vielen Fragen ~~~~~ derweil ich mich im Augenblick fühle, wie ein Sachse im Siebenjährigen Krieg.

Ohne Gaffee gönn mer nich gämpfn!

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Nur: “Es ist achtmal besser einmal Null-Acht zu verlieren als achtmal Null-Eins” poste ich auf Facebook, um wenigstens einige Eisbären zu trösten. Gleichwohl drängt sich eine gewisse Erwartung auf:

Na mal seh’n, was heute noch alles so schief läuft …

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* Schade übrigens, dass inzwischen das schöne Wort “Promenade” aus der deutschen Sprache verschwinden tut. Promenade heißt überall “Center” (das aba nurmalnebenbei)

Kontinuität

Jeder Hund schüttelt sich, wenn genug gelegen. Жизнь продолжается. Und: Es geht immer weiter. Так или иначе, also so-oda-so. Daher sage ich “какой кошмар!”beim Kaffeekochen, um diesen Ausruf humorig begründen zu können.

“OMG! – Unsere Küche sieht aus, als sei sie gerade erst von der ruhmreichen Roten Armee befreit wurden.”

Worüber wir beide schmunzeln: Ich über den eigenen Gag und sie, weil sie weiß: Der Mann ist wieder der Alte. The show must go on.

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Einiges ist inzwischen liegen geblieben. Daher lasse die Finger knacken, alle zehne und öffne Sonnensacks Twitter-Account. Zunächst will ich etwas zu den Eisbären anmerken ~ 0:2 in Pilsen, im Livestream für umgerechnet 6 Euro, junge Spieler waren am rödeln ~ und verzichte dann doch darauf.

Schreibe lieber was Hertha:

#herthabsc – gestern war es schwer durch charlottenburg zu laufen, ohne ständig von sektkorken getroffen zu werden.

Ein Bohei in Berlin und Potsdam! Hertha-Fahnen an den Balkonen, als ob wir es nicht auch so hätten wissen können: Der Aufstieg ist dem Meer abgerungen und nun bleibt der Mannschaft nur noch zu gewinnen…

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Posten entspannt. Jetzt kann ich tun, was längst getan hätte müssen. Klicke auf das E-Mail-Programm-Icon, finde eine Nachricht:

“Ich bitte dich auf deutsch übersetzen. Danke”

Hach-ja – “auf deutsch übersetzen”. Das mach-mer doch gerne!