Renaturierung, Teil 2

Noch vor 19:00 Uhr legte ich mich gestern schlafen und schlief von da an nicht 8 – NEIN! – sondern 9 – NEUN! –  Stunden tief und fest. Sowie 30 Triesel-Minuten, als Bonustrack sozusagen.

Seither bin ich – ihr merkt es sicher an der Wortwahl – putzmunter, derweil Mir Sprüche klopft, wie:

“Ja-ja, irgendwann holt sich jeder Körper was er braucht!”

Natürlich antworte ich prompt und vollpfostenmäßig:

“Klaro – ein alter Mann ist schließlich kein junger”.

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Gestern waren Granny und ich in Sachsen-Anhalt. Anlässlich des Geburtstages der (Schwester|Tante). Mitten im Chemie-Dreieck bei Leuna-Bitterfeld. Dort, wo früher Anhalter ihre Wohnungen ausschließlich mit Raumspray lüfteten und wo einst frische Wäsche in geschlossenen Räumen getrocknet wurde, damit diese weniger stank.

Heute sieht es dort so aus:

2013-11-16 14.46.50

Oder so ähnlich, jedenfalls: blühende Landschaften kohlseidank und frische Luft ~ sowie, wie zu vermuten ist: warme Gewässer. Im Berliner Umland sind die meisten Boote bereits draußen.

Ich nahm aus dieser Gegend einen tiefen Zug Frischluft mit auf den Weg und betrachte nun die Landschaft als Gleichnis: Vielleicht Bestimmt gerät eines Tages auch meine Lunge wieder in einen gewissen natürlichen Ausgangszustand.

“Alle Natur ist mit dem Gleichen beschäftigt,
Das zu denken ist schön.”
(Volker Braun)

Wie sich jeder Körper holt, was er braucht – so auch jedes Körperteil. Meine Leberwerte sind bereits wieder im grünen Bereich. Nun ist es Sache der Lunge, gesund zu werden. 9 Monate des Nichtrauchen liegen schon hinter mir. I feel bereits comfortable.

YES!

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Gerade will ich auf die Entertaste drücken, da kommt mir das Lemma “Renaturierung” seltsam vertraut vor. Das gab es wohl schon?

Aja:

https://solironow.wordpress.com/2013/10/10/renaturierung/

Also tippe ich “Teil 2” hinter die erneute “Renaturierung” und überlege wieder einmal, ob ich mit den Überschriften der Postings nicht doch etwas ändern sollte.

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Heute wird ein schöner Tag, vermute ich. Nachher fahre ich nach Berlin, denn heute ist

AIIISZEIT in Berlin!

Worüber man sicher schmunzeln kann: Der alter Mann und sein neues Hobby ~ Der alte Mann und das Bär.

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Renaturierung

Eine der größten Leistungen, zu denen ein umweltbewusstes Völkchen in der Lage ist, trägt den Namen “Renaturierung”, was die “Wiederherstellung von Lebensräumen” beinhaltet und bedeutet, dass der Mensch sich freiwillig zurücknimmt. Dass er also freiwillig auf seine Eroberungen verzichtet.

In Russland und oder Ukraine wäre Renaturierung undenkbar, es gibt noch nicht einmal ein Wikipedia-Lemma dafür. Was einmal gebaut und nicht mehr gebraucht, wird zu Garagen, zu Lagerfläche oder dient als Müllhalde.

Erlebte Renaturierung macht gemischte Gefühle. Sie nun schön und gruselig zugleich: Was mir einst wichtig, ist heute weg.

Hier stand einst ein Wohnheim für Studenten:

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Der hier gestanden habende Wohnblock trug den hübschen Namen “D”.

Dahinter, links oben im Bild, stand seinerzeit eine Sporthalle und rechts daneben befand sich ein so genanntes Ambulatorium (mit Sauna).

Nicht sehr weit hiervon war eine Mensa mit “Kulturanbau”:

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Schön isses wieder, so richtig schön grün ~ ~ ~

Von Steinen befreit sind Park und Wiesen;
Nun kann man hier Natur genießen

Die Sprachbaracke ist ebenfalls weg, der Hörsaal sowieso – was uns bleibt ist der Weg.

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Plötzlich kommt mir alles als Gleichnis vor – was bleibt, ist immer nur der Weg. Alles andere landet irgendwann auf irgendwelchen Schutthaufen.

Das Periodensystem der Ereignisse

Heute steht “Zeitreisen” in der Agenda. Daher schreiben das Jahr 2005 – genau: den 5. August 2005 – und stellen bereits eingangs fest, dass viele Ereignisse periodisch funktionieren, indem sie wiederkehren und sich wiederholen. Im Großen wie im Kleinen.

Auch im August 2005 stand eine Bundestagswahl an. Und damals wie heute diskutierten wir in familia – just zu diesem Zeitpunkt – über Finanzen. Dieser Situation geschuldet erzählte ich dem WWW einen Witz:

Es kommt ein Händler des Weges daher und ruft seiner Frau von Weitem entgegen: „Liebling, heute habe ich den Gewinn verdoppelt!“. „Oh!“, freut sich die Gattin, „du hast wohl viel verkauft?“. „Nein, verkauft habe ich nichts – ich habe aber die Preise erhöht!“

Der olle Witz könnte heute wieder passen. Nur: Heute isser noch weniger lustig als damals, als ich ihn bereits nicht so richtig komisch fand.

Ach übrigens: Vor 8 Jahren war ich online deutlich hektischer als heute, denn ich hatte keine Ahnung, was Facebook kann. So postete ich im Blog [!] zwei Fotos aus dem Arbeitszimmer, derweil ich witzelte, dass sie der Meinung sei, es sähe mit Blumen besser aus.

050805_zeitreise

Typischer Facebook-Joke.

Witz komm raus, du bist umzingelt!

Dazu Schrumms “in eigener Sache” ~ damals war ich noch einer der vielen Erklärbären ~

*schäm*

~ wie hier zum Beispiel:

Manchmal versuche ich einfach nur unsere Kultur des Miteinanderumgehens zu karikieren und wahrscheinlich gelingt mir das nicht immer. Wir Menschen sind – glaube ich – manchmal sonderbar: Da treffen zum Beispiel sich zwei von ihnen, ihren Instinkten oder Trieben folgend, haben mehroderweniger Spaß miteinander und gehen anschließend auseinander.

Soweitsogut.

Aber danach: ER geht in die Kneipe, trifft sich mit seinen Kumpels und der Penis der vergangenen Nacht wird immer härter, größer, fester und länger, gerät schließlich zum Eisenglied. Nach zwei weiteren Bieren folgen wundersame Erzählungen, wie „…um ihr dies zu beweisen, ließ ich einen Zug entgleisen.“

Wir kennen das alle zur Genüge. Für mich neu war nur, dass die Retrospektive auf eine letzte Nacht bei den Frauen mitunter diametral entgegengesetzt verläuft, dergestalt dass der selbe Penis des oben erwähnten Beispiels, in welchem er zum Eisenglied mutierte – auf einmal sonderbar klein und unscheinbar ist. Dieser kleine Nichtsnutz! Er wird als optimistische Aktionist dargestellt, der da fast unbemerkt sein Werk verrichtet – sehr zur Enttäuschung der jeweiligen Bettgenossin.

Witzig ist etwas anderes. Das Fremdschäm-Zeitreise-Syndrom. Doch inzwischen lösche ich nicht mehr, was mir heute peinlich – NEIN, ICH STEHE DAZU UND SCHÄM MICH DAFÜR MASOCHISTISCH: So etwas schrieb ich also vor vielen-vielen Jahren, an einem Tag, der eine Schnapszahl war.

Potsdam, am 05.08.05

Der Kultur-Diarrhö Antagonismus

Heute ist Samstag, der 17. März 1883.

Karl Marx wird auf dem Friedhof zu Highgate zur letzten Ruhe gelegt. Im selben Grab übrigens, in dem seine Frau fünfzehn Monaten zuvor beerdigt ward. Doch das ist belanglos.

Friedrich Engels spricht:

“Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, dass die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können …”

Recht hat er. Und: ~ … “Stuhlgang” gehört natürlich ebenfalls dazu.

~~~

Heute ist der 12. Juni 2013.

Gegenwart.

Plötzlich ist es gestern und ich sehe mich von einer banalen Frage bedrängt: Stuhlgang? – Defäkation – Was ist das nur für eine unpassende Vokabel, um das Ergebnis osmotischer Diarrhö – im Volksmund “Dünnschiss” genannt – zu benennen. “Stuhlrun” wäre angemessener, oder “Stuhlsprint”, besser: Stuhlsprintwunsch.

schlossgespraeche

So saß ich im Saal des berühmten Pankower Schlosses als Volker Braun – der Große Philosoph und Schriftsteller – befragt wurde, erinnerte mich an Tschechows “drei Schwestern”, an die “die Übergangsgesellschaft”, an Vorwendezeiten, an schöne Zitate ….

(sinng.) “Wenn wir uns nicht selbst befreien, bleibt es für uns ohne Folgen”

Oder:

(sinng.) “Wir werden uns nie verstehen, wenn wir es nicht lernen, unsere Träume zu erzählen.”

…. hören den Großen Meister reden und berechne in Gedanken ja doch noch die Entfernung zum nächsten Klo. “Schaffstes noch oder nich?” – DAS IST HIER DIE FRAGE.

Des Kranken Glück ist das Produkt aus Weg und Zeit ohne Hindernis.

Aber: Dafür, wie mies es mir gestern ging, hielt ich gut durch. War anwesend ohne zu stören und kam trocken nach Hause ~ ~ Ansonsten war natürlich alles schön, nichts Neues zwar, aber sehr viel Erinnerung an eine Zeit, da man sich um seine Zukunft noch keine Sorgen machte. – Aber das ist bereits ein weiteres Thema.

<regie>

Geräusch zum Ende des Textes: Klospülung.

</regie>

Die 1948er Moral

Herzlich Willkommen im Zeitreisezug! Wir reisen heute wieder einmal in eine Vergangenheit.

Heute steht auf dem Fahrplan: Juni 1948. Mancherorts in Mitteldeutschland – in der sowjetisch besetzten Zone – hängt der obligatorische Sowjetkalender in deutscher Sprache, wohl weil andere Abreißkalender 1947 nicht zu haben waren.

Der 3. Juni 1948 – erfährt man heute – fällt auf einen Donnerstag. Und: Heute, genau vor zwei Jahren, starb M.I. Kalinin, der machtlose Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR.

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Die Kalenderblatt-Rückseite soll mit einem Aufsatz Kalinins unterhalten.

“Die UdSSR – eine Industrie-Großmacht”

Propaganda pur. Doch *staun* Kalinin zitiert in seinem Aufsatz Lenin und nicht Stalin (notabene: 1948!) – War Kalinin vielleicht auch ein kleiner Widerstandskämpfer?

Nein! Aus heutiger Sicht war er ein Verbrecher. Wofür sich einige Belege finden lassen, von denen ein Dokument Beweis genug ist. Zum Beispiel unterzeichnete Kalinin die Erlaubnis für das Massaker von Katyn, wie im Übrigen auch für viele andere Hinrichtungen.

Andererseits war auch er und seine Familie Opfer. Kalinin konnte zwar kraft seines Amtes diesen und jenen begnadigen – was ihm selbst für seine eigene Familie nicht gelang: Seine Frau wurde im Oktober 1938 verhaftet und blieb bis 1944 interniert.

Doch die Zustimmung zu Hinrichtungen, Kalinins Unterschrift unter “seinem” Urteil, war wohl dem Amt geschuldet. Oder dem Überlebenswillen. Man ließ morden, um nicht selbst ermordet zu werden …

Letztendlich ist alles gesetzmäßig. Wer gewinnt ist immer im Recht und darf anschließend die Moral bestimmen. Die Sieger sind immer die Guten, derweil die Guten immer Sieger sind.