Renaturierung

Eine der größten Leistungen, zu denen ein umweltbewusstes Völkchen in der Lage ist, trägt den Namen “Renaturierung”, was die “Wiederherstellung von Lebensräumen” beinhaltet und bedeutet, dass der Mensch sich freiwillig zurücknimmt. Dass er also freiwillig auf seine Eroberungen verzichtet.

In Russland und oder Ukraine wäre Renaturierung undenkbar, es gibt noch nicht einmal ein Wikipedia-Lemma dafür. Was einmal gebaut und nicht mehr gebraucht, wird zu Garagen, zu Lagerfläche oder dient als Müllhalde.

Erlebte Renaturierung macht gemischte Gefühle. Sie nun schön und gruselig zugleich: Was mir einst wichtig, ist heute weg.

Hier stand einst ein Wohnheim für Studenten:

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Der hier gestanden habende Wohnblock trug den hübschen Namen “D”.

Dahinter, links oben im Bild, stand seinerzeit eine Sporthalle und rechts daneben befand sich ein so genanntes Ambulatorium (mit Sauna).

Nicht sehr weit hiervon war eine Mensa mit “Kulturanbau”:

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Schön isses wieder, so richtig schön grün ~ ~ ~

Von Steinen befreit sind Park und Wiesen;
Nun kann man hier Natur genießen

Die Sprachbaracke ist ebenfalls weg, der Hörsaal sowieso – was uns bleibt ist der Weg.

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Plötzlich kommt mir alles als Gleichnis vor – was bleibt, ist immer nur der Weg. Alles andere landet irgendwann auf irgendwelchen Schutthaufen.

Morgengelb im Nebel

Was für ein wunder-wunder-schönes Bild: Eine wilde Wiese vor Augen zu haben, aus der sich langsam Nebel erhebt. Vor aufgehender Sonne.

Eine Metapher – aber wofür?

„Alle Natur ist mit dem Gleichen beschäftigt.
Das zu denken ist schön.“
(Volker Braun)

Ein Eindruck, der treibt: Man müsste was tun! Man sollte das festhalten, für die Ewigkeit! Man sollte DAS fotografieren!

Schon habe ich das Handy in der Hand und bemerke gleichwohl, dass das internationale Netz voll ist mit morgendlichen Schönheiten, wie neblige Wiesen, Sonnenaufgänge, frühlingshafte Hänge und sonstig Vergänglichem. Derweil die eigentliche Wiese – die, um die es hier geht – bereits von einem Bauzaun in Besitz genommen. *seufz*

„So sind sie, die Menschen!“, sage ich zum Hund und zitiere Goethe:

„Alles Vergängliche ist denen ja doch bloß ein Gleichnis.“