Tibetanische und sonstige Weisheiten

Selbsterlebtes Lachen markiert die bleibenden Momente des Lebens” notiere ich mir und überlege dabei, ob dies irgendjemand bereits gesagt hat – oder ob es wirklich von mir ist.

– ES IST VON MIR.

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Gestern. Berlin. Heiterkeit:

Ich war also in Berlin, in der Stasi-Akten-Behörde, um einen Antrag auf Einsicht abzugeben. Wo beide anwesenden Rezeptionisten meine persönlichen Angaben anhand des Personalausweises prüften und schließlich einer sagt: “alles in Ordnung” -~- woraufhin ich ahnungslos einen Brüller auslöste:

“Am 10. Dezember würde es mir passen.”

Die beiden lachten hierüber so ehrlich-herzhaft, dass es ansteckend wurde. Ein Mitarbeiter des Hauses, der eigentlich nur vorüber gehen wollte, gesellte sich dazu, wollte wissen, was los sei, erfuhr …

“am 10. Dezember würde es ihm passen!”

… und lachte prompt mit.

Zügellose Heiterkeit im Vorraum des Aktenhauses.

Nach Abgabe eines Antrages dauere es Jahre, bis man “dran” sei. Was ich natürlich nicht wissen konnte, was zu Gelächter führte und weshalb der unfreiwillige Joke im Weiteren noch ausgekneeetscht wurde:

“Meinten Sie den 10. Dezember 2018 – oder etwa schon Dezember 2017?

Naja, “wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung” notierte ich ebenfalls und tröstete mich, indem ich mir einige tibetanische Weisheit modifizierte, wie:

“Dies Lachen, heute von mir ausgesandt, kehrt morgen zu mir zurück. Ganzbestimmt!”

Oder indem ich mir andere in Erinnerung rief, wie:

“Das Leben meistert man lächelnd – oder gar nicht.”

Sollen Sie doch gelacht haben – ich komme wieder! Trotzdestonichts.

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“Das Lachen ist die sicherste Probe auf einen Menschen”, “es verlangt Arglosigkeit (Fjodor Dostojewski) – doch “die Hälfte der Menschen lacht auf Kosten der andern.” (Philipp Destouches) …

Schon finde ich ein Einerseits und ein Andererseits:

“Wer so recht aus voller Seele lacht, der kann kein schlechtes Gewissen haben.”
(Hans-Christian Oeser, 39. Brief, Der Witz)

Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man.”
(Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, 1. Teil; Vom Lesen und Schreiben)

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Ach übrigens:

“Hüte dich vor Männern, deren Bauch beim Lachen nicht wackelt!”
(Tibetanischer Ratschlag)

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Fundstück des Tages

Lara fand zufällig den Ausdruck “nimm gefälligst diese Meinung aus deinem Gesicht!”, welchen ich auch deshalb für erwähnenswert halte, weil er in dem Zusammenhang aus dem er gerissen deutlich macht, dass Russen solcherart Humor als “jüdisch” kategorisieren, was man wiederum anhand der Einführung zweier Protagonisten – Sara und Abraham – erkennen kann. Der zugehörige russisch-jüdische Witz geht so:

“Sara, wage es ja nicht, zu widersprechen.”

“Aber Abraham, ich widerspreche doch gar nicht. Wie du siehst, schweige ich.”

“Dann nimm gefälligst noch deine Meinung aus dem Gesicht!”

Den vollen Witz drücke ich in den Skat – “nimm die Meinung aus deinem Gesicht!” kommt in die Wiedervorlage unter das Kürzel #mei.

Wir, die Willigen

Wir, die Willigen, von den Unwissenden geführt, tun das Unmögliche für die Undankbaren. Wir haben so lange so viel mit so wenig vollbracht, dass wir inzwischen in der Lage sind, alles mit nichts zu erreichen!
(Alexander Sergejewitsch Puschkin in Eugen Onegin 1833)

Das Subjekt für die Gegenstände

Sage mir was du zitierst und ich sage dir, wer du bist.

Vonmir Dasist, Weblog, 30 April 2013,

1983. November. Ich schreibe eine Diplomarbeit über Freizeit und Freizeitverhalten.

“Die Produktion liefert dem Bedürfnis nicht nur ein Material, sondern sie liefert dem Material auch ein Bedürfnis. … Das Bedürfnis ist durch Wahrnehmung desselben geschaffen. Der Kunstgegenstand – ebenso wie jedes andere Produkt – schafft ein kunstsinniges und schönheitsgenußfähiges Publikum. Die Produktion produziert daher nicht nur einen Gegenstand für das Subjekt, sondern auch ein Subjekt für den Gegenstand.”

Marx Karl, Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie, MEW 13, S. 624

Aus solchen Texten kommen offenbar die (Anstriche|Einschübe), welche ich heute noch mag. Und – ergänze ich mich selbst – nachträglich bin ich froh, dass sich Lenin Marx für seine Verblendung aussuchte. Bei Hegel hätten wir mehr zu kauen gehabt.

Das Flohgleichnis

Ein Hund ohne Floh ist wie ein Mann ohne Frau. Es zwar angenehm, aber überhaupt nicht aufregend. Demgegenüber ist eine Frau ohne Mann wie ein Floh ohne Hund. Es lebt sich zwar ruhig, man hat aber nichts, woraus man Blut saugen könnte.

Diesmal ist sie mitgekommen. Dies, obwohl sie den Hundeplatz nicht mag: Hier ist es ihr zu schmutzig, zu kalt [sic!] – hier sind ihr manche Leute zu „komisch“. Und weil ihr hier manche Leute zu „komisch“ sind, stellte sie uns abseits und beobachtet. Sieht, wie sich Wotan kratzt, und sagt:

“Ein Hund ohne Floh ist wie ein Mann ohne Frau. Es zwar angenehm, aber überhaupt nicht aufregend, …”

*schmunzel*

“… dagegen ist eine Frau ohne Mann wie ein Floh ohne Hund. Es lebt sich zwar ruhig, aber man hat aber nichts, woraus sich Blut saugen ließe.”