Natural (Re-)Redirection

(17:12 Uhr) Nun komme ich – endlich – nach Hause, werde von Hund und Frau freudig begrüsst und …

* * *

… wir gehen bereits seit fast drei Stunden spazieren.

(19:46 Uhr) Inzwischen wird es langsam dunkel, in wenigen Minuten beginnt Fußball im Zweiten TV-Programm, ein Länderspiel, Deutschland-Polen, – derweil ich, respektive: WIR, am Grunewaldsee sitzen, spielen, toben und quatschen, quatschen, quatschen, quatsch…

„Ersatzhandlung“, fällt mir plötzlich ein.

Früher hätte ich mir in gleicher Situation wahrscheinlich eine Flasche Bier aufgemacht (und|oder) vorsorglich den Wodka aus dem Gefrierfach geholt, Lara würde meinen Freunden ihre fantastischen Salate präsentieren, die Sakuski, 100 Gramm – Trinkspruch – Zigarette an – Fernseher laut …

Alles Irdische ist mir derzeit fremd.

Wozu auch? Die Natur liefert mir frische Luft, der Hund Dankbarkeit und unser kleines Glück ersetzt das allgemeine Kunstglück. Ein superschnelles Internet am See wäre natürlich das Sahnehäubchen, aber alles Glück auf einmal zu haben, geht ohnehin nie.

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Redirection Activity

Ausgerechnet heute folgt das Leben einem Sheepworld-Motto.

Ohne Sieg ist alles doof.

Krabbelkäfer doof, Baum doof, Sonne doof, Schmetterling doof …

9 Spieler sind verletzt – aber muss man deswegen gleich verlieren!? Als Meister? Als König unter den Bären? Als Testsieger unter den Testsiegern? Als Bayern München unter den Mercedessen? – Auch noch gegen Schwabe, d man in dr Haubdschdadd scho alloi deshalb nedd mag, weil sie si gar nedd ersch bemühe, hochdeidsch z schwätza.

 

(Übrigens: Die schwäbische Übersedzung von „doof“ ist „doof„, was wieder einmal beweist: Doof bleibt doof!)

2014-01-05 17.51.16Natürlich war danach das Essen doof! Also: Vorspeisen – doof; Wels – doof; Tafelspitz – doof; Preiselbeersahne – doof; Gazpacho – doof; Tom Yang Gung – doof; Gnocci – doof; Kabeljau – doof …

Da ohnehin alles Wurscht – ohne Sieg ist alles doof! – ließ ich mich blöderweise zu einer Fressattacke hinreissen und schaufelte das Speisenangebot der Lounge ungesteuert in mich hinein. Dabei den Neujahrsvorsatz für 2014 bis Dezember weitere 10 Kilo abzunehmen spontan über den Haufen werfend.

Was nützt es die schon schlank zu sein, wenn deine Mannschaft verliert?!„, sagte ich mir und finde das gleichzeitig doof. Doof-doof sozusagen.

Schlafen – doof; Aufwachen – doof; Kaffee – doof …

Am liebsten würde ich heute einen Radfahrer anbrüllen. Besser noch: zwei.

Die Katzensymbiose

Katzen doofBei “Symbiose” – im Sinne von: “Vergesellschaftung von Individuen unterschiedlicher Arten zum gegenseitigen Vorteil – zögere ich, denn Katzen sind vor allem Parasiten. Im Unterschied zu Hunden halten sie sich Personal, lassen sich bedienen ~ und sind hierfür noch nicht einmal bereit, ein Stöckchen zu holen.

Andererseits: Offenbar befriedigen sie ein menschliches Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit; befriedigen dergestalt Menschen, die aus der eigenen Art für ihren Bedarf an Streicheleinheiten niemanden finden können.

Lässt man einmal das Sexuelle links liegen, ist das Schmusen mit einer Katze eine klassische Ersatzhandlung im Freud’schen Sinne. Die Prognose liegt auf der Hand: Es wird zukünftig mehr Katzen geben, der Mensch vereinsamt.

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katzenoma

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Granny hat sich Bewegungsmelder auf die Terrasse gestellt. Diese sind kombiniert mit LED-Blitzen dem Glockenspiel nach der Melodie “Moskauer Abende”, so dass sie entweder sieht oder hört, wenn die Katze kommt.

Gestern. Kaffee. Small Talk.

Plötzlich scheppert das Glockenspiel und weiße Blitze erhellen die Wand. Granny hatscht zur Terrassentür und lässt die Katze rein. Die geht aufs Katzenklo, pieselt und verlässt die Wohnung wieder.

Erst schwieg ich irritiert – dann fand ich’s komisch.

Gebrüllte Deeskalation

Laras Mutter ging nie einem Streit aus dem Wege, so er auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit, auf dem Heimweg, ausgetragen wurde. Mehr noch: Oft provozierte sie die Auseinandersetzung, vor allem, wenn sie in der Marschrutka fuhr.

“Sie-da, in der dritten Reihe! Sehen Sie nicht, dass eine Frau steht? Wollen Sie der nicht Ihren Platz anbieten?!”

Gab es Widerworte, zankte sie so richtig los. Was Lara, wenn sie dabei war, peinlich war.

“Aber Mama, was machst du denn? Wieso streitest du dich mit wildfremden Leuten?”

“Das” – so die verblüffende Erklärung – “mache ich nur für uns!”

Schwiegermutter-Theorie: Nur wer außerhalb der Familie jede Gelegenheit nutze, seine negative Energie zu entladen, kann es besser schaffen gegenüber Freunden und Angehörigen ein guter Mensch zu sein. So zankte sie sich mit Fremden, um die Nächsten zu schonen.

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Gestern. Die Karl-Liebknecht-Straße unter der S-Bahn-Brücke immer noch gesperrt. Umleitung über Daimlerstraße, die sich nun auf Höhe Rudolf-Breitscheid-Straße staut. Hier muss man sich rasch einordnen, sonst …

Jedenfalls kommt auf der Hauptstraße ein Graukopp gefahren, hupt – derweil ich mich einordne – optisch und akustisch, empört sich offensichtlich. Kurz danach, an der Haltestelle, steht er hinter mir. Und kann nicht weg.

Ich rasch raus aus meinem Auto, Tür gebumst und dann ferche ich den Mann an:

“Sie können doch sehen, was hier los ist … ! …. @!!! … ZORN! … @Blitzundonner! … @! …”

Der Graukopp wurde immer kleiner. Bis ich meinen Vortrag mit einer rhetorischen Vermutung beendete.

“… und fast will es mir scheinen, als haben Sie die Schwere Ihres Fehlverhaltens immer noch nicht kapiert!?”

Danach war mir gut – So richtig gut! – Besser! – So wohlig warm!

Ich kam nach Hause und küsste meine Frau.