Deutsche Herablassung

Wenn Deutsche glauben, irgendwo einen Ausländer identifiziert zu haben, werden sie oft hilfsbereit. Wobei die Deutschen offenbar glauben, eine Kunstsprache würde jedem Fremdländer besser verständlich sein.

„du müsse Ap-pfel ab-wiege, be-vor du komme ssu Kasse!“

Notabene „Du“, niemals „Sie“! Immerhin kann ein Sie dem Neger unverständlich sein, der fühlt sich doch außerhalb jedweder Baumwollplantage unwohl. Wobei: Mit böswilliger oder dummer Ausländerfeindlichkeit kommt der Migrant einigermaßen zurecht. Mit gut gemeinten Hilfsangeboten ist schwerer umzugehen.

Beispiel: Innenstadt. Ausländer. Stadtplan. Ein Deutscher eilt hinzu, um zu helfen.

„Wo du wollen hin?“

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Die Herabsetzung seitens der Eingeborenen ist unwichtig fast.

Schlimmer empfinden wir: seit einigen Jahren verschlechtert sich nach belegbarer Beobachtung das Verhalten deutscher Behörden gegenüber Migranten.

Inzwischen fordert – nur um ein aktuelles Beispiel zu nennen – die Ausländerbehörde Potsdam für die Verlängerung eines Aufenthaltstitels zusätzlich zum allgemeinen Kram, wie biometrisches Passbild, Verdienstbescheinigung, 80,00 Euro, Krankenversicherung usw., auch noch eine Bescheinigung vom jeweiligen Vermieter, worin dieser beurkundet, wie viele Personen in der jeweiligen Wohnung leben. Du denken wir viele, oderwas?

Gestern begründete die Postbank die Ablehnung des Kreditkartenantrages meiner Frau (die im Übrigen seit 1993 in Deutschland lebt, seit 2003 in Potsdam, mit seither unverändertem Wohnsitz, mit bestehendem Girokonto bei eben dieser Bank, ohne Schufa oder sonstigem Eintrag) mit den Worten:

„… nach den uns vorliegenden Informationen werden Sie sich nur begrenzte Zeit in Deutschland aufhalten. Ein Girokonto ist jedoch eine auf Dauer angelegte Geschäftsverbindung. …“

Isch aben doch aba Giro. Isch wollen nur Visa oder so.

Jedenfalls „können“ [sic!] sie die gewünschte Postbank VISA Card zurzeit nicht zur Verfügung stellen, denn unterm Strich zählt der Ausländer nicht.

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Das späte Outing

Herr Hitzlsperger ist also schwul.

Die Journaille übertrifft sich derzeit gegenseitig mit „Respekt!“-Bekundungen, so als wäre dieses Outing vom Mars gefallen. Haben wir wirklich keine anderen Themen für unsere Titelseiten? Eishockey zum Beispiel? Viele Männer sind schwul – und das ist gut so. Es erhöht die Chancen der restlichen Mannschaft.

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Wirklich cool ist ein Hitzlsperger-Bekenntnis vor Antritt einer Karriere oder mitten drin – alles andere ist kalter doch Kaffee. Sicher sagte der schöne Thomas nur etwas, was ohnehin viele (die meisten?) in dessen Umfeld lange wissen.

Wie einst von Wowi aus Berlin als der endlich-endlich „ich bin schwul – und das ist gut so“ sagte. Was sich im Übrigen anfühlt als sage Lara „heute gibt es Soljanka“. Was nämlich so ist wie es ist und wie man es isst.

Offenbar sind wir nicht aufgeklärt genug, um ein stinknormales Coming-out ohne „Respekt!“ passieren zu lassen, und dieses alberne „Respekt!“-Gedöns beschreibt den eigentlichen Stand der gesellschaftlichen Toleranz.

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Hitzelsperger will die Diskussion über Homosexualität voranbringen – wozu, wenn Homosexualität normal sein soll?

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„Mir persönlich ist es egal ob jemand hetero-, homo- oder bisexuell veranlagt ist“, postete gestern ein Facebook-Friend.

„Mir persönlich nicht“, kommentierte ich diesen Satz. Bei der Wahl meiner Frau war Sexualität ein Essential, ein ausschlaggebendes Kriterium: Ich wollte unbedingt jemanden heiraten, der weiblichen Geschlechts UND heterosexuell veranlagt ist.

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Kurz vor dem Mauerbau, Anfang der Sechziger, wird ein Mann gestellt, der unbedingt in den Westen will. „Was wollen Sie denn drüben?“, wurde der Grenzverletzer von den Sozialisten gefragt, woraufhin sich diese mit Hinweis auf die Tendenz im Umgang mit Homosexualität zu rechtfertigen suchte:

„Unter Adolf kam man dafür ins KZ, in den Fünfzigern ins Gefängnis, inzwischen wird es überhaupt nicht mehr bezahlt – nun haue ich lieber ab, bevor es noch Pflicht wird.“

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Hätte Hitzelsperger etwas gesagt, wie „ich will, dass es der kleine Philipp nicht so schwer hat“ wäre wirklich eine Diskussion über Homosexualität in Gang gekommen. DAS wäre Domino-Day. Der Stern könnte zu alter Form auflaufen, mit einem Bild von der halben Fußballnationalmannschaft und dem Titel –

„Wir sind alle schwul – na und?“

Das Immerwiederkehrende

Heilige Einfalt oder dreimal verfluchte  Ahnungslosigkeit, Zeitschriftenabo oder goldene Gans – eine erfolgreiche Methode ändert sich nie. Erst erscheint der olle Aschekuchen als lecker Eierkuchen, das saure Bier als guter Wein und dann hockt eine goldene Gans im Gesträuch eines gefällten Baumes. – Da muss man doch zugreifen! Unbedingt! – Einer hat schließlich eine eine klebrige Feder in der Hand, der andere den zugehörigen Vertrag im Sack.

Kein Wunder, dass die Königstochter lacht!

Der Dummling macht aus der Gans ein Geschäftsmodell, erbt schließlich das ganze Königreich und vergnügt sich (aus steuerlichen Gründen) auf den Bahamas.

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Ein Schneider erkannte einst: Es genügt nicht, die Ware zu loben – NEIN! Auf Selbstvermarktung kommt es an, auf die Marke, den Brand, beziehungsweise auf das „Branding“, also auf die Art und Weise. Begeistert von einer spontanen Idee, stickt sich das tapfere Schneiderlein „Testsieger“ auf den Gürtel und geht in die Welt hinaus, auf dass es jeder erfahre. Wovon ein König hört und eine wiederkehrende Geschichte ihren Lauf nimmt.

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Alte Märchen und modernes Marketing sind friedlich vereint wie Lug und Trug – DOCH ALS KUNDE KANN ES IMMER WISSEN. Vorher schon. Weil mit den vielen Märchen in die Wiege gelegt.

„Mach niemandem die Tür auf!“ weiß daher eines jeden Unterbewusstsein, denn „sonst passiert Schröckliches!“

Wer es trotzdem macht, wer trotzdem die Tür öffnet, hat oft einen Vertreter im Zimmer zu hocken, den er nur schwer wieder los wird.

„Es saugt und bläst der Heinzelmann,
Wo Mutti sonst nur saugen kann.“

Lara sagt bei jeder Gelegenheit „gratis ist nur der Käse in der Mausefalle“ (ukrainisches Sprichwort) – UND DAMIT HAT SIE RECHT, verfluchtnochmal, dreimal Recht.

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„Selbst schuld!“ sagte ich gestern. Soll der geprellte Russe doch seine Briefe allein schreiben – es  ist ohnehin in den Wind gepupst. Der Leim an der Feder einer goldenen Gans ist aus der Tinte von Anwälten.

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Dieses Posting ist „abgezapft und original verkorkst von Parlhuber und Söhne“.

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P.S.: Neuerdings gibt es Gratis-Geschenke:

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Gratis-Geschenke sind allerdings mit „kostenlosen Gratisgeschenken“ noch zu toppen. (@btw: sollte ich mir diese saublöde Idee nicht schützen lassen?)

Die Macht der Bilder

Irgendwelche Polizeibeamte schleppen kistenweise Akten aus irgendwelchen Büros, derweil ich mich frage: WAS WOLLEN DIE EIGENTLICH FINDEN?

Das Finden funktioniert ja eigentlich nur nach gehabter Finanzamt-Manier, dergestalt dass das Amt einfach etwas behauptet (= „schätzt“), um sich anschließend anhand der Aktenlage das Gegenteil beweisen zu lassen, wobei sich jeder Beschuldigte in die Pflicht genommen sieht. Oder präventiv: mit Hilfe eines softwaregesteuerten automatisierten Überwachungssystems über Freistellungsaufträge, Steuernummern und modernster SEPA-Technologie. Wie peinlich: Man sollte eigentlich im vergangenen Wahlkampf die Amerikaner für etwas kritisieren, was im eigenen Lande gang und gäbe ist.

Wie zum Hohn, aller Modernität zum Trotz werden Kisten durch die Bilder getragen.

IGNORANCE IS STRENGTH – die Akten-Kisten können bestenfalls kurzfristig zwischengelagert werden und werden nichts bringen, außer TV-Bilder, welche behaupten: Die Commerzbank ist böse.

„Es befanden sich fragwürdige Produkte in manchem Depot.“

Eines Tages kam einem Finanzbeamten eine Steuererklärung merkwürdig vor. Daraus wurde ein Anfangsverdacht, der …

Jedenfalls würde ich viel lieber wissen, was wirklich geschah und vermute hierzu, das Aufeinandertreffen zweier Alpha-Rüden. Alles anderer hätte man diskreter gehandelt.

SPAM-Hygiene

Man glaubt, man könne SPAM einfach so beseitigen, indem man ihn weglöscht – und irrt bereits. SPAM kommt immer wieder. Vor allem derjenige, den man vorgeblich abonniert haben soll, wohl weil man irgendwo, innerhalb eines unübersichtlichen Formulars, ein Häkchen übersah. UND: SPAM breitet sich aus, wie Metastasen. Die E-Mail-Adressen der Geduldigen werden weiter gereicht wie Münzen.

Seit einiger Zeit mache ich mir die Mühe, auf der unerwünschten Werbepost jeweils das kleine Wörtchen “unsubscribe” zu finden, um es wenigstens für die Zukunft abzumelden.

Siehe da: Bei mir melden sich nur noch automatisierte Viagra-Verkaufs-Maschinen, welche vom System automatisch in einen SPAM-Ordner geschoben werden.

Endlich ist es soweit: Gestern früh lag erstmals auf allen meinen E-Mail-Accounts nur “richtige” Post.

~~~

So blieb mir nur der Briefkasten. Von welchem aus ich seit einiger Zeit von Möbel-Kraft und später auch von “telecolumbus” schikaniert werde.

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Es nützt mir nichts, solche Briefe mit hohem Schwung ungeöffnet in den Papierkorb zu werfen, wenn man weiß, was drinnen steht.

Wechsler freuen sich über Gratismonate!

Liest sich wie Swinger-Klub-Reklame ~ furrrrchtbar sind solche Testsieger!

Jedenfalls. Ich. Gestern. Telefon ~ und ich erfahre: Man kann sich auch vor Briefkasten-Spam schützen. Einfach nur die 0800 936 937 3 wählen und eine nette Stimme, versprich in Zukunft den Briefkasten mit namentlichen Anschreiben frei zu halten.

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Nun muss ich nur noch die vielen albernen “Zeitungen” loswerden.

Kleiner Generationenkonflikt

Früh und Frühstück. Eine bei-uns-war-es-so-doch-bei-euch-ist-es-anders~Diskussion beginnt. Genau so wie ich es ansonsten Russisch-Deutsch gewohnt bin, oder Ukrainisch-Russisch ~ diesmal also zwischen zwei Jahrgängen.

Auslöser war eine harmlose Frage nach Shakespeare, bzw. nach Romeo und Julia, bzw. nach Nachtigall und Lerche:

“Wer von beiden singt eigentlich abends, wer morgens?

Es folgt eine scheinbar endlos-ausführliche Antwort über Singvögel im Allgemeinen und der Vögel Gesang im Besonderen, die ich aber unter Zuhilfenahme einer anerkennenden Bemerkung abschließen will:

“Ja. Deine Generation kennt offenbar mehr Natur.”

Plötzlich ist Öl im verrosteten Räderwerk des Selbstgefälligkeitsgetriebes.

“Ja. Klar! Natur und Pilze. Nicht nur Vögel! WIR waren damals noch wandern! WIR hörten Volksmusik, WIR gingen zum Volkstanz. …”

Sie steigert sich. Argumentiert eifrig, so als könne ihre “Wir von damals” heute einen Blumentopf gewinnen.

Sie kann endlich sagen, WAS SIE IMMER SCHON SAGEN WOLLTE. Sätze die sich anhören wie: Früher war’s nämlich viel-viel schöner. So! Ätsche-Bätsch!

“… und damals brauchte man nicht so eine riesengroße Anlage, wie heute, nur um “ä bissel” Musik zu hören!”

*schmunzel*

(iPhone versus Plattenspieler – wer oder was ist wohl größer?)

Plötzlich kommt mir alles gleich vor, nur: Diejenigen, die eine Nachtigall von einer Lerche unterscheiden, kennen keine Dire Straits.

Es gibt Kämpfe, die sind ungewinnbar. Deshalb bemühe ich mich um Konzilianz:

“Ihr hattet damals vielleicht die bessere Utopie?!”

Dieser Satz lässt die Flammen erneut lodern. Granny findet nun Vokabeln wie “anpacken” und “uneigennützig” im Repertoire und traktiert diese gehörig. Derweil ich inzwischen eigenen Gedanken nachhänge. Die Unterschiede zwischen den Generationen findet man wahrscheinlich nur in den Begrifflichkeiten. Zu dem, was Opa “ficken” nannte, sagten wir seinerzeit “bumsen” und die Nachunskommenden “vögeln”.

Sonst kann ich im Augenblick keinen Unterschied entdecken.

Die Immersoweitermachende

Jetzt sogar mit Zufriedenheitsgarantie!

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Da rennt sie also immer noch, Jahr für Jahr, tagein, tagaus, landab, landauf – stets begleitet von der rhetorischen Frage aus dem Off:

“Brauchen wir eigentlich eine Bank, die immer so weiter macht?”

Ausgerechnet ein Kunde wie die Commerzbank, also ein Kunde, der es sich vermutlich leisten könnte, wählt “mit Zufriedenheitsgarantie” und merkwürdigen Bildern von allen möglichen Werbefuzzis diejenige Kampagne mit dem denkbar schlechtesten Claim. Die nach Billigmarkt klingt, nach “Geldzurückgarantie”, nach “hier können Sie sparen” oder ähnlichem Mist. Dazu die Kapuzenfrau mit Ohrhörer beim Joggen – drei Affen in einer Person.

3Affen

“mizaru, kikazaru, iwazaru”

Drei Affen namens Mizaru, Kikazaru und Iwazaru sollen den Göttern über die Menschen berichten. Doch in Folge eines Abwehrzaubers sehen, hören und sprechen sie nichts Böses. Sie sind die animalisierte Zufriedenheitsgarantie.

Kopfhörer rein, Kapuze hoch und ab geht die Post!

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Ich. Heute. Onlinebanking.

Vor mir eine Liste mit Bankkontonummern, neudeutsch IBAN (International Bank Account Number), ich sitze am Rechner, will überweisen, wohl wissend dass bereits seit Januar 2009 Banken verpflichtet sind, SEPA-Überweisungen anzubieten, öffne Portal, sehe das Fenster und entdecke:

2013-11-05 06.49.12

NICHTS. Alles wie gehabt. Nichts hat sich geändert seit Januar 2009!

Was mich heute zwingt, innerhalb der IBANs zurückzuzählen – die letzten 10 Ziffern für die Kontonummer, davor 8 Ziffern für die Bankleitzahl – eigentlich kein Problem, aber …

Brauchen wir wirklich eine Bank, die immer so weiter macht?

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Inzwischen gab es Zeiten, da man in der Commerzbank darüber nachdachte, zu einem alten Claim zurückkehren.

“Ein “Weiter so” kann es in der Bankenbranche nicht mehr geben”, erklärte der Vorstandschef bei der Vorstellung seiner Roadmap für die kommenden vier Jahre. Eine der wichtigsten Neuerungen aus Marketingsicht: das Institut kehrt zu seinem Claim “Commerzbank. Die Bank an Ihrer Seite” zurück.”

Quelle: horizont.net (Michael Reidel) vom 8.11.2012

Was man inzwischen aber offenbar verworfen hat, denn seither ist ein Jahr vergangen. Derweil die Kapuzenfrau joggt und joggt ~ tagein, tagaus, landab, landaus … 😉

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Ach übrigens, ich finde: “Die Bank an Ihrer Seite” passt viel besser zu den allgemein bekannten Schnüffelpraktiken der Neuzeit. Noch bevor man nach der einheitlichen Steuernummer die Enter-Taste drückt, weiß das zuständige Finanzamt Bescheid.

Ein IM namens Bank – der Bank an unsrer Seite – von der man weiß, was man hat.