Verhaltensprojektion

Oh-jeh!, denke ich, wenn nun auch noch der Hund zu bellen beginnt, wird es sehr laut. Und wenn dann auch noch, wie zu erwarten, der Schwanker versucht, mit dem Hund zu interagieren! ~~~ Herrjeminee, Dann ist wohl die gesamte Nachbarschaft geweckt!

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4:30 Uhr. Dunkelheit. Hund und ich. Gassi.

Da kommt ein Trunkenbold des Weges daher.

„…
und er begann im Wald
Von einem Stamm zum anderen zu schwanken
Und brüllt dabei die kühnlichsten Gedanken
Laut in die dunkle Nacht hinaus. …“

“Oh-Jeh”, denke ich. Wenn nun der Hund zu bellen beginnt, wird es laut. Und wenn daraufhin der betrunkene Schwanker versuchen sollte, mit dem Hund zu interagieren ~ … LÄRM wird’s. Und dann ist wohl die gesamte Nachbarschaft geweckt.

Nachbarn interessieren sich wenig für das Verursacherprinzip – Nachbarn stellen fest: (M)Ein Hund hat gebellt.

Also beuge ich vor, versuche ich den Hund zu beeinflussen.

“Ruuuhig. – Ruuuhig. – Wir sind gaaanz entspannt. – Der tut dir nichts. – Wir bleiben ruuuhig. – Wir bleiben entspannt. – @Rhabarber-Rhabarber- Rhabarber …”

Siehe da: Der Hund bleibt ruhig. Dennoch – exakt wie beim Hasen im Rausch – schwillt dem Trinker der Kamm. Er brüllt in seinem Tran:

„ISS WAS? – HAST-DE WAS GESAGT? – ZU MIR ETWA?“

Ich bleibe freundlich, ich bleibe “ruuuhig”, flüstere fast:

“Nein. Ich sprach nur mit dem Hund.”

Was tatsächlich deeskalierend wirkt.

“Ach sooo! @… Und ich dachte erst: du bist besoffen.”

Des Bloggers Minimalismus

Der Hund versucht nun seinen Schwanz zu packen, der Hamster läuft und läuft und an jedem Abend, den Gott werden lässt, verwandelt sich der ehemalige Fern-Seher in einen Duracell-Hasen. Und siehe da: Gestern früh hatte ich zum aller-aller-ersten-Mal seit dem Jahre 2005 keine Lust aufs Bloggen.

Alles begann damit, dass ich eines schönen Tages beschloss, auf das TV-Programm zu verzichten. Um mehr zu lesen, um mehr Zeit für mich zu haben, um endlich einmal wenigstens einen der vielen Gedanken vernünftig zu formulieren oder um endlich mal was zu machen, was durch die ansonsten von der Television gestohlenen Zeit unmöglich wäre zu tun.

Das funktionierte etwa eine Woche lang gut. Dergestalt dass ich mir vorab einige Bücher downloadete – deutlich mehr übrigens, als ich auf die Schnelle lesen lässt. Dazu auch zwei, drei Strategie-Spiele, die ich sicher nicht voll spielen werde und entspannte wunderbar. Präventiv sozusagen.

Fast hielt ich mein Verhalten für eine positive Tendenz, bis plötzlich ~ ritsch-ratsch-rumdibumm ~ der Moment kam, da es mich plötzlich „raus“ zog. Raus in die „Wirklichkeit“ und rein ins Hamsterrad.

Geriet am Freitag unter Kommunalpolitiker, am Samstag zum Boxen und war gestern beim Eishockey …

„Schützenfest, Kasinobälle,
Pferderennen, Preisgericht
Liedertafel, Spritzenprobe,
Ohne ihn da geht es nicht“

Der innere Hund versucht nun seinen Schwanz zu packen, der Hamster läuft und läuft so verwandelt sich der ehemalige Fern-Seher in einen Duracell-Hasen.

Siehe da: Gestern früh hatte ich zum aller-aller-ersten-Mal seit dem Jahre 2005 keine Lust aufs Bloggen. Obwohl es nun besonders viel zu schreiben gibt. Doch nur „ein alter Mann ist schließlich kein junger“ notiere ich mir in die Notizen-App, damit ich wenigstens das nicht vergesse, und plane dabei auch schon den heutigen Abend.

Das Flohgleichnis

Ein Hund ohne Floh ist wie ein Mann ohne Frau. Es zwar angenehm, aber überhaupt nicht aufregend. Demgegenüber ist eine Frau ohne Mann wie ein Floh ohne Hund. Es lebt sich zwar ruhig, man hat aber nichts, woraus man Blut saugen könnte.

Diesmal ist sie mitgekommen. Dies, obwohl sie den Hundeplatz nicht mag: Hier ist es ihr zu schmutzig, zu kalt [sic!] – hier sind ihr manche Leute zu „komisch“. Und weil ihr hier manche Leute zu „komisch“ sind, stellte sie uns abseits und beobachtet. Sieht, wie sich Wotan kratzt, und sagt:

“Ein Hund ohne Floh ist wie ein Mann ohne Frau. Es zwar angenehm, aber überhaupt nicht aufregend, …”

*schmunzel*

“… dagegen ist eine Frau ohne Mann wie ein Floh ohne Hund. Es lebt sich zwar ruhig, aber man hat aber nichts, woraus sich Blut saugen ließe.”

Die Macht der Marke

Es ist bald Männertag! Weshalb die Frau dem Mann was Schönes schenkt. Von außen hübsch verpackt – drinnen Jeans.

Seit dem Mauerfall ist erst wenig Zeit vergangen. Klein-Erna, vier, fünf Jahre alt, wünscht sich eine Barbie. Eines Tages kommt die Omma zu Besuch. Voller Vorfreude auf das zu erwartende Glück der Enkelin übergibt die Dame mit gönnerhaftem Gestus ein hübsch verpacktes Paket.

„Hier – bitteschön – hast-de deine Puppe!“

JUHU! Klein-Erna reißt aufgeregt die Verpackung auf und ~ @! ~ alle Anwohner der Vorstadt vernehmen des Kindes Aufschrei der Enttäuschung:

„Das ist ja gar keine Barby!“

Dass Claudi oder Petra keine Barbie sind, weiß Oma jetzt – doch nun isses zu spät.

~

Lara gestern. Große Geste, hübsche Verpackung.

„Hier – bitteschön – с наступающим!“

Was mit „anlässlich des bevorstehenden Feiertages“ übersetzt werden kann und sie meint wohl den „Tag des Verteidigers des Vaterlandes„.

Was fast komisch – immerhin bin ich als Deutscher – eigentlich – Feind. Darüber hinaus stand einer meiner Großväter vor Stalingrad, um sich die Zehen abzufrieren. Der andere war zwar zu keiner Zeit KV -kriegsverwendungsfähig – aber Feind bleibt Feind. Fürimmerundewig.

Unabhängig davon: Es ist Männertag! Weshalb eine russische Frau einem Mann etwas Schönes schenkt.

Von außen hübsch verpackt – drinnen Jeans. Ich gucke auf`s Label – „Geisha“ – @? – Was ist denn das für eine Marke?! – @- – – NEE! Männerjeans mit Frauenlabel? So antisexistisch bin ich nun auch wieder nicht, auch wenn sie wie angegossen passen. „An meine Beine gehört Levis“, denke ich und sage:

„Aber ich kann doch nicht mit einer Geisha laufen!“

Offenbar befriedigt eine Marke die in uns vorhandene tiefe Sehnsucht nach Treue. Windows – zum Beispiel – hatte bei mir zehn Jahre lang seine faire Chance. Bis ich mich eines Tages scheiden ließ. Der neue Partner heißt nun Mac. Und bis der Grieche in Babelsberg mich nicht enttäuscht, gehe ich immer wieder hin.

Wir sind Stammtischmenschen. Von Klein-Erna bis zum letzten Nerd.

Euphorie

Ich kam spät zurück, vollgepumpt mit einem Mix aus diversen Neurotransmittern, also voll mit körpereigenen Drogen (volkstümlich „Glückshormone“ genannt) und weckte Lenchen, nur um ihr „Sechs-Zwo!“ zu sagen.
WIR haben wieder einmal gewonnen – YES!

Nach dem Spiel: Ich kam spät zurück, vollgepumpt mit einem Mix aus diversen Neurotransmittern, also voll mit körpereigenen Drogen – Glückshormone – und weckte Lara nur, um ihr „Sechs-Zwo!“ zu sagen.

WIR haben wieder einmal gewonnen – YES!

eisbaeren_berlin_meister

Anschließend knipste ich das Licht aus und bereitete den Tag mit seinen Erlebnissen noch vor dem Einschlafen nach.

… Wie sich so eine Arena füllt ~ so hübsch langsam! … Wie sich das Volk versammelt, wie die Erwartung steigt, die Show davor … ~ HERRLICH!

Es folgen Fragmente. Gedankensplitter. Halbzusammenhänge. Wirrwarr. Diesundjenes. Nebulöses, wie zum Beispiel:

– „Alles Werden ist der Übergang von der Potenz zum Akt“ (Wilhelm Busch).

– Potenz ist spürbar, besser: sichtbar, (läst sich visualisieren) – wie bei den Eisbären, vor jedem Spiel, in der Arena. Hier kann man sie tatsächlich sehen – die Potenz der Masse.

– Potenz = die noch nicht realisierte Möglichkeit mit der Betonung auf „noch“?

Mit Sätzen wie „vor dem Spiel beginnt bereits das Spiel“ herbergerte ich schließlich noch etwas vor etwas mich hin, schlief ein …

… und ward krank.

~

„Typ-B-Gastritis“ google ich heute – ich kann auf jeden Arzt verzichten – und nehme mir einfach nur ein Time-Out.

“Termine absagen” schreibe ich noch rasch in die Agenda – so als würde ich das vergessen können, und „Spieltheorie“ in die Wiedervorlage. Zu Lara sage ich “Tee! – Heute einfach nur Tee!” …

– und decke mich zu.

Hrywnja, Kupons und Karbowanzen

Zuvor sorgte meine Unwissenheit für Heiterkeit im Kollegenkreis. Ich hatte unmittelbar nach Anreise im Kiewer Büro Geld bekommen, aber noch keine Ahnung, was es bedeutet. Ging in ein Freiluft-Pinte, orderte ein Bier, fragte, was ich zu zahlen habe und der Kellner sagte „Achthundert“. Offenbar war er es leid, an jeden noch so kleinen Betrag auch noch die „Tausend“ anzuhängen. Derweil ich – der Ahnungslose – einen Eintausend-Karbowanzen-Schein aus dem Portemonnaie polkte, den ich ihm mit einem freundlich gemeinten „Stimmt so!“ übergab.

Wieder einmal waren wir bei Granny Kaffee trinken. Diesmal präsentierte sie uns bei der Gelegenheit diverse Erinnerungsstücke, auf die sie beim Aufräumen gestoßen war. So staunten wir dann gemeinsam über Lebensmittel- und Kleidermarken aus den letzten Kriegsjahren und danach. Wir lasen Karten, welche Onkel Kurt aus britischer Gefangenschaft an meine Mutter schrieb und schmunzelten schließlich über Opas deutsch-russische „Удостоверение“ – eine Art Bescheinigung, dass sein Fahrrad auch wirklich seins ist und nicht “eingezogen” werden darf.

Eine solche Bescheinigung kostete seinerzeit eine oder zwei Flaschen Schnaps. Opa hielt sie für nötig, auf dass sein Fahrrad nicht unter „Reparation“ falle. 

Lara zeigt sich gerührt: so viele Erinnerungen.

„Трогательно“, sagte sie hinterher zu mir, was mit „rührend“ übersetzt werden kann, allerdings innerhalb der russischen Sprache, insbesondere SO wie sie es aussprach, viel-viel rührender klingt, als jedes deutsche Rührend.

Und dann sagte sie: “Ach wie gut, dass du die Karbowanzen aufgehoben hast!”

Das habe ich wohl – aber leider ist meine Sammlung unvollständig. Mir fehlen jeweils ein 200.000-Karbowanzenschein, einer für 500.000 und einer für eine Million. Womit der Sammlung, wäre sie eine Briefmarke, 3 Zacken fehlen würden – was sie nahezu wertlos macht.

karbowanze

Wenn ich mich recht erinnere, bekam man im März 1995 für einen US-Dollar 180.000 Karbowanzen, wenig später sogar mehr.

Schwupps! bin ich wieder in der alten Zeit. Sehe den bettelnden Bomsch am Kiewer Straßenrand.

Höre ihn sagen:

„Nun sind wir tatsächlich Millionäre. Aber dass man als Millionär so beschissen lebt, hätte ich früher auch nicht gedacht!“

Zuvor sorgte meine relative Unwissenheit für Heiterkeit im Kollegenkreis. Ich hatte unmittelbar nach Anreise im Kiewer Büro etwas Landesgeld bekommen, aber noch keine Ahnung, was es bedeutet. Ging in eine Art Freiluft-Pinte, orderte ein Bier, fragte, was ich zu zahlen habe und der Kellner sagte „Achthundert“.

Offenbar war er es leid, an jeden noch so kleinen Betrag auch noch die „Tausend“ anzuhängen. Derweil ich – der Ahnungslose – einen Eintausend-Karbowanzen-Schein aus dem Portemonnaie polkte, den ich ihm mit einem freundlich gemeinten „Stimmt so!“ übergab. Eine Unterdeckung von 799.000 Geldeinheiten gönnerhaft präsentiert.

Ja, ja. „Verschiedenes passierte so“.

Bis eines schönen Tages in der Ukraine der Griwna – Hrywnja – eingeführt wurde, und zwar dergestalt, dass man den Karbowanzen einfach nur 6 Nullen strich. So wurden im September 1996 100.000 Karbowanzen zu einem Griwna, welcher heute – am 18.2.2013 – genau 0,09205 Euro wert ist. Eine Million Karbowanzen entsprächen 90 Eurocent …

„… unn dafür kriegste niche-ma ’ne Bockwurscht“.

Lara holt mich plötzlich zurück in die Wirklichkeit.

„Und? Wo hast du sie?“

Hmmm. Schwierige Frage. Irgendwo in einer Kiste?

kisten

Ich versuche Zeit zu schinden:

„Karbowanzen kannst du dir doch auch in der Wikipedia angucken!?“

Ihr Blick verrät mir, dass das ein blöder Vorschlag ist, ihr Ton gerät militärisch:

„Finde sie! – Ich will sie anfassen!“

Frau Сука – die Hündin

Ist es immer noch witzig, wenn den Witz nur wenige verstehen? Oder ist es gerade deshalb witzig? Und wäre es an dieser Stelle mehr witzig, hätte ich es weniger erklärt?

Сука wird „Ssuka“ gesprochen, besser noch „Ssssssuka“, ist eine russische Vokabel und bedeutet – eigentlich – „Hündin“.

Aber selbst der korrekte Google-Übersetzer kennt weitere Bedeutungen, wie zum Beispiel „boshaftes Weib“, „Luder“ oder „Fotze“. Derweil ich, würde man mich fragen, „Сука“ mit „Miststück“ übersetzen würde.

Aber mich fragt man nicht und – eigentlich – heißt „Сука“ ja auch „Hündin“.

* * *

Wir (Mann, Frau, Hund) sind beim Aussteigen.

Plötzlich bemerkt Lara auf dem Gehweg einen freilaufenden Hund (eine Hündin) und knipst den unsrigen an die Leine. Weshalb dieser wiederum Grund hat, zu bellen.

Derweil das Herrchen der frei laufenden Hündin versucht, die Situation zu deeskalieren. (Es|Er) sagt zu mir:

„Es ist eine Hündin.“

Klar. Jeder Hundehalter weiß: Hündin und Rüde tun sich nichts. Asti hätte demnach nicht unbedingt an die Leine gemusst.

Das zu erleben, ist nicht unbedingt lustig. So meldet sich Mir, mein Unterbewusstsein, zu Wort und spricht aus mir heraus:

„Sie haben überhaupt keinen Grund, meine Frau zu beleidigen!“

Was das uns unbekannte Herrchen nicht „so richtig“ versteht. Offenbar weil er der russischen Sprache, beziehungsweise russischen Sprachgewohnheiten, nicht kennt.

Und so …

„… sind wir schon wieder an der Grenze unseres Witzes, da wo euch Menschen der Sinn überschnappt.“
(Goethe, Faust, Teil 1, Trüber Tag – Feld)

Ist es immer noch witzig, wenn den Witz nur wenige verstehen? Oder ist es gerade deshalb witzig? Wäre es an dieser Stelle witziger, hätte ich es weniger erklärt?

* * *

Die Gegenprobe:

Es ist vor dem Spiel der Berliner Eisbären gegen die Düsseldorfer Eislauf-Gemeinschaft. Irgendeiner fragt in die Runde:

„Habt ihr Campino schon gesehen?“

Insider-Gags – finde ich plötzlich – sind die wirklich-lustigen Gags.