Russisch-ukrainische Logik

Der deutsche Stabilisator trägt den Namen Zweifel.

Die Deutschen haben – glücklicherweise – zwei gewaltige Kriege verloren, dergestalt dass denen bei allem gestalterischen Denken stets ein „NIE WIEDER!“ dominiert. Unterbewusst bei jeder Entscheidung, die eine Struktur zur Folge hat.

Die Russen – dagegen – durften sich seit der Eroberung von Kasan durch Iwan dem IV (Grosny, falsch übersetzt: dem Schrecklichen, richtig übersetzt: dem Furchteinflössenden) immer als Sieger der Geschichte fühlen.

– Randnote: Ausgerechnet der Tag, an dem die Russen offensichtlich wie Hasen von den Schlachtfeldern türmten, wurde zum Tag der Roten Armee und wird heute mit viel Pomp gefeiert. RUHM UND ERDE – PATHOS! –

Immer gewonnen zu haben ist kontraproduktiv, weil es Zweifel verhindert. Zweifel ist aber ein substanzielles Element von Struktur. Die gedankliche Gegenprobe zum anstehenden Handeln.

Zu Zeiten, da die meisten Deutschen noch glaubten, gleich hinter Polen beginne bereits Russland, schrieb ich zahlreiche unbeachtete Beiträge zur Ukraine. Insbesondere in den Jahren 2004 und den folgenden wunderte ich mich, dass dieses Land nicht auseinander bricht, so wie es damals logisch wäre und heute geschieht.

Reisende soll man nicht aufhalten. Es macht kein Sinn gegen Emotionen zu regieren, Hass ist stets größer als jeder Gestaltungswille und unter Brüdern ist meist der Hass am größten. Zu versöhnen sind sie jedenfalls nicht.

(Was im Übrigen nichts mit Putin zu tun hat.)

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Banale Witzigkeit

In den letzten Wochen wurde der tröge Alltag russischer Innenpolitik wieder einmal durch unbegründete Meckerei gestört. So wagte es der Gouverneur der Region Tscheljabinsk Michail Jurewitsch Herrn Putin – den Präsidenten der Russischen Föderation – darauf aufmerksam zu machen, dass offenbar gewisse Umweltnormen von der Industrie nicht eingehalten werden.

Weshalb es schließlich zu einem Gespräch kam, in welchem der Gouverneur trotzig seiner Position beharrte. Nach seiner Darlegung sei die Bevölkerung erregt – «население возмущено» – vom sehr unangenehmen – «очень неприятным» – Geruch, der von der metallurgischen Industrie verursacht werde.

Aber ER wäre nicht Putin, wenn ER nicht längst Bescheid wüsste:

“Der Technadsor ( = russischer TÜV) hat meines Wissens dort Arbeiten durchgeführt und ist zu gewissen Schlussfolgerungen gekommen.”

Was der renitente Gouverneur so nicht hinnehmen wollte:

“Wir hier glauben im Gegenteil, dass …”

Weiter kommt der Gouverneur aus Tscheljabinsk nicht. Putin unterbricht und erhält gibt lupenrein-demokratisch dem Provinzoberhaupt eine Lehreinheit in Recht und Ordnung:

“Glauben Sie was Sie wollen. Leiten muss man nach Regeln und nach allgemein anerkannten Normen.”

Ohnequatsch. Hier das Zitat im Original:

«Вы считайте как угодно. Нужно руководствоваться соответствующими правилами и общепризнанными нормами»

Nun dürfen wir gespannt sein, wie lange ein Gouverneur, der solche Regeln nicht kennt, noch im Amt bleiben kann.

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putin_politik

Quelle: http://lenta.ru/news/2013/08/29/putin/

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Erich Honecker war seinerzeit in vergleichbarer Situation – unfreiwillig – komischer. Als Mitte der Achtziger das Staatsoberhaupt der DDR von einem westlichen Journalisten befragt wurde, ob die Abgase der Trabbis nicht doch schädlich seien, wusste er folgende Antwort:

“Och, wissen Sie: Manche sagen so, andere so.”

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