Feminine Logik

40. Tag

Vormittags. Park Babelsberg. Ich mit Hund.

Am Kindermannsee sitzt eine Frau, ebenfalls mit Hund, die, nachdem sie mich erblickt hat, sofort damit beginnt, wild zu gestikulieren. Dabei irgendwas zu rufen, was erst beim behutsamen Näherkommen entschlüsseln kann.

Erst dachte ich, sie bracht Hilfe, dann aber:

“Komm-se bloß nicht näher! Mein Hund verträgt sich nicht mit anderen.”

Dieser Logik folgend sollte man den Park schließen, wenn jenes Frauchen promeniert.

* * *

Nachmittags. Grunewald. Hundeauslauf.

Mitten im allgemeine Tohuwabohu freilaufender Hunde stolziert eine Dame mit angeleinter Hündin, welche – leicht zu erkennen – läufig ist. Die Dame versucht vergeblich die Rüden zu verscheuchen, die aufgrund der Hündin Duft Interesse zeigen und empört sich über die Rüden. Was – finde ich nun wieder – ein sich selbst kommentierender Vorgang ist.

* * *

Geschlechterquizz: Ist es vorstellbar, dass in einer der beiden von mir heute erlebten Situationen der jeweilige Besitzer männlich ist?

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Hündische Verhaltensmuster

Nach der dritten Begegnung gleicher Art überlege ich derzeit, wie sich wohl eine Frau mit russischen oder ukrainischen Wurzeln in gleicher Situation verhalten würde:

Gestern. Park. Frau mit Hund an der Leine kreischt mir entgegen:

“Nehm-se Ihren Hund an die Leine!”

Da fällt mir ein: Dieses Weib hatte mich schon einmal aus dem selben Grund angebrüllt, was ich aber schweigend überging. Und auch sie scheint sich zu erinnern – ABER DARUM GEHT ES NICHT.

Statt dessen um das, was ich für typisch halte: Eine Deutsche die Probleme hat, gibt anderen die Regeln vor. Statt also entweder mit dem eigenen Hund zu “arbeiten” oder das Terrain zu meiden.

Aber-Nee: “Platz da, jetzt komme ich!” und:

“Nehm-se alle Ihre Hunde an die Leine! Weil mein Hund keine Hunde mag.”

Meist reagiere ich nicht auf solche Anmache, was die Aufregung deutscher Weiber deutlich steigert– auch typisch? Meist wiederholen dann die Deutschen ihre Kommandos, nur lauter.

Gestern kam ein Mann hinzu, Typ Hutschelzwerg. Sie zeigt auf mich beschwert sich laut:

“Diesem Mann habe ich das schon einmal gesagt. Aber der hört ja nicht!”

In dieser Situation fiel mir ein, dass ich das Pärchen kenne. Ja! Klar: Aus den Zeichnungen von Olga Gromowa.

Hier bitteschön, so sehen sie aus:

einsamer_angler

Quelle: http://vsyako.livejournal.com/47613.html

Ja! Genau so!

Er liest ein Journal für einsame Angler, sie das Kamasutra.

Zurück zur Situation. Der Angler will ihr beistehen und schlägt vor:

“Dann lass doch deinen Hund einmal frei!”

Sollte wohl eine Drohung sein, klang aber – seiner piepsigen Stimme sei dank – ziemlich putzig.

Solche Situation kann ich einfach nicht ohne Gag stehen lassen und sage zum Zwerg: “Ja! Das ist wirklich eine gute Idee!” und wende mich unmittelbar an die komische Frau:

“Tun Sie doch einfach, was Ihr Pfleger sagt. Lassen auch Sie Ihren Hund mal frei!”

Sie lief zeternd ab.

Es bleibt die Frage nach russisch-ukrainischen Verhaltensmustern in gleicher Situation. Lara kann ich derzeit nicht fragen, die weilt in Kiew. Und da mir ohnehin langweilig ist, pumpe ich mir “Die Dame mit dem Hündchen” von Anton Tschechow aus dem Netz.

Die Ausgabe “Tschechow – Sämtliche Werke” kostet nur 4,29 Euro! ~ diese Barbaren!

“Soweit sind wir also gekommen!”, denke ich schon wieder und höre jetzt auf.

Frau Сука – die Hündin

Ist es immer noch witzig, wenn den Witz nur wenige verstehen? Oder ist es gerade deshalb witzig? Und wäre es an dieser Stelle mehr witzig, hätte ich es weniger erklärt?

Сука wird „Ssuka“ gesprochen, besser noch „Ssssssuka“, ist eine russische Vokabel und bedeutet – eigentlich – „Hündin“.

Aber selbst der korrekte Google-Übersetzer kennt weitere Bedeutungen, wie zum Beispiel „boshaftes Weib“, „Luder“ oder „Fotze“. Derweil ich, würde man mich fragen, „Сука“ mit „Miststück“ übersetzen würde.

Aber mich fragt man nicht und – eigentlich – heißt „Сука“ ja auch „Hündin“.

* * *

Wir (Mann, Frau, Hund) sind beim Aussteigen.

Plötzlich bemerkt Lara auf dem Gehweg einen freilaufenden Hund (eine Hündin) und knipst den unsrigen an die Leine. Weshalb dieser wiederum Grund hat, zu bellen.

Derweil das Herrchen der frei laufenden Hündin versucht, die Situation zu deeskalieren. (Es|Er) sagt zu mir:

„Es ist eine Hündin.“

Klar. Jeder Hundehalter weiß: Hündin und Rüde tun sich nichts. Asti hätte demnach nicht unbedingt an die Leine gemusst.

Das zu erleben, ist nicht unbedingt lustig. So meldet sich Mir, mein Unterbewusstsein, zu Wort und spricht aus mir heraus:

„Sie haben überhaupt keinen Grund, meine Frau zu beleidigen!“

Was das uns unbekannte Herrchen nicht „so richtig“ versteht. Offenbar weil er der russischen Sprache, beziehungsweise russischen Sprachgewohnheiten, nicht kennt.

Und so …

„… sind wir schon wieder an der Grenze unseres Witzes, da wo euch Menschen der Sinn überschnappt.“
(Goethe, Faust, Teil 1, Trüber Tag – Feld)

Ist es immer noch witzig, wenn den Witz nur wenige verstehen? Oder ist es gerade deshalb witzig? Wäre es an dieser Stelle witziger, hätte ich es weniger erklärt?

* * *

Die Gegenprobe:

Es ist vor dem Spiel der Berliner Eisbären gegen die Düsseldorfer Eislauf-Gemeinschaft. Irgendeiner fragt in die Runde:

„Habt ihr Campino schon gesehen?“

Insider-Gags – finde ich plötzlich – sind die wirklich-lustigen Gags.