Ethnische Smileys

Plötzlich sah ich im Netz ein neues Smiley ~:{ und begriff sofort dessen Bedeutung – ISCH BIN UKRAINA – was im Kontext zur vorangegangenen Aussage dreifach lustig ist.

Dergestalt angeregt googelte ich, ob es vielleicht ähnlich eindeutige ethnische Smileys gäbe, stellte schließlich die Frage in einem russischen Forum, dessen User nun angeregt sind – immer noch übrigens! – ein Smiley für Deutsche zu finden oder zu entwickeln. Mit absonderlichen, skurrilen und teilweise auf Verletzung zielenden Ergebnissen, wie:

hitler-smiley

Dumm gelaufen.

Dass Adolf Hitler ein Österreicher war, wissen viele Russen nicht.

Auch kennt man dortzulande nicht die wahre Seele der Deutschen, deren Urahn ein Polizist gewesen sein muss, ein Ordnungsamtler oder ein Hinweisschild.

Andererseits: Welcher Deutsche erkennt schon bei

~:{

den Ukrainer?

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Nebenbei fand ich die Geschichte von der Erfindung des Smileys, von der ich finde, dass sie nie in Vergessenheit geraten sollte und die ich daher nacherzähle:

Irgendwelche Physiker witzeln über ein fiktives Experiment: Eine Kerze brennt an einem Wandhalter in einem Fahrstuhl, ein Tropfen Quecksilber liegt auf dem Boden.

„Das Fahrstuhl-Kabel reißt – was passiert mit dem Quecksilber?“

Informatiker greifen den Joke auf. Das Experiment habe wohl tatsächlich ein Physiker gemacht, denn der linke Fahrstuhl in ihrem Gebäudetrakt sei „mit Quecksilber verseucht“, es gebe auch „leichte Brandschäden“.

Das war im Jahre 1982. Ein “Witz”, der seiner Zeit voraus war und den nicht jeder verstand. Wie in “The Big Bang Theory” heute.

“Hier handelt es sich nicht um ein tatsächliches Problem”, stellte also ein Informatiker knochentrocken fest und begründete eine “sehr profunde, sorgfältig argumentierte, extrem engagiert geführte” und sich heute unglaublich komisch zu lesende Debatte über das richtige Symbol für Humor im Netz.

Zwei Tage lang kreißte der Berg, biss ein gewisser Scott Fahlman am 19. September 1982 lakonisch festhielt:

„Ich schlage die folgende Zeichen-Sequenz als Witz-Symbol vor: „:-)“. Lest es seitwärts.”

Gleichwohl vermerkte er:

„Es wäre angesichts des aktuellen Trends vielleicht ökonomischer, ernstgemeinte Beiträge zu markieren.“

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Jedenfalls schlage ich nun vor, Ukrainer weltweit mit ~:{ zu markieren. Was einmal sehr-sehr wichtig sein könnte. Besonders wenn ~:{ unter Verträgen steht. (So kann jedermann gleich erkennen: Das ist nicht und war nie ernst gemeint.)

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Nachtrag:

Passend – wie mir scheint – Mädels aus Usbekistan erklären russische und japanische Emoticons:

emoticon 04emoticon 01

Weitere Smiley-Bilder kann man durch Anklicken sehen.

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Quellen:

http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/133/ich_bin.html

http://designyoutrust.com/2013/07/ladies-from-uzbekistan-bring-japanese-emoticons-to-life/

Verklärende Propaganda

Der Sieg der Roten Armee im 2. Weltkrieg wird in Russland heute noch heldenmäßig interpretiert. Sie – die Rote Armee – und das Sowjetvolk waren, sind und werden unschlagbar sein. Das hat schließlich der Große Sieg im Heiligen Krieg gegen die hochgerüsteten faschistischen Imperialisten aus Deutschland eindrucksvoll bewiesen.

SLAWA!

Als wir 1971 Moskau verließen, glaubte auch ich, die Sowjetunion wäre das einzige Land gewesen, was seinerzeit gegen Faschisten gekämpft hatte. Die Franzosen und Engländer führten nur einen Sitzkriegeinen Komischen Krieg, Drôle de guerre, Phoney War – derweil die Amerikaner deklarierten: “wir helfen dem, der gewinnt”. Und als nach Stalingrad der ruhmreiche Sieg der Roten Armee aller Welt klar war, haben die imperialistischen Anglo-Amerikaner noch rasch deutsche Städte bombardiert, um nach dem Sieg günstige Kapitalverwertungsbedingungen zu haben. Anglo-amerikanische Bomben waren erste Vorboten des Marshallplanes –

Jedenfalls … “Es war nicht alles sooo schlecht, was damals im TV lief”, sagte Lara eines Tages.

Worüber wir uns wunderten, gemeinsam nachdachten und zum Schluss kamen: Wir waren jung, jung war schön ~ also kann was zum Jungsein gehörte, wie Filme im TV, nicht nur schlecht gewesen sein. Kriegsfilme gehören also zum Jungsein einer Generation, die in der Sowjetunion sozialisiert wurde.

“…weshalb ich sie mir heute immer noch gern ansehe, die alten Filme, die.”

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Gestern. Besuch. Rotwein. Gespräche. Wir erzählen uns, was wir jüngst gelesen, wie es im Theater war, dass der letzte Wagner genial inszeniert, Schostakowitsch nach wie vor aktuell und Puschkin doch nicht immer so gut, wie früher von uns gedacht …

Lara hört gern zu. Sie tritt bei Feierlichkeiten selten in den Mittelpunkt. Hinterher sagt sie mir gern, was sie am liebsten gesagt hätte.

Was die Gäste ändern wollten, indem sie sie fragten:

“Und? Was magst du so?”

Ihre Antwort übernehme ich:

“Lara mag am liebsten Filme, in denen Deutsche umgebracht werden, in Kompaniestärke. Worin jeder aufrechte Russe sieben Tode stirbt. Oder nur gefoltert wird, um nicht zu verraten, wo ein Funkgerät versteckt sein könnte. Worin 1000 Deutsche aufgeben, weil sie erkannt haben, dass es sinnlos ist zu kämpfen, wenn eine russische Oma über ein Gewehr verfügt. Oder vier Panzersoldaten mit einem Hund …”

Was sie unterbricht und gegenkommentiert:

“In der Tat: Ich hätte nun nicht übel Lust, zuzusehen, wie ein Deutscher zu leiden hat. Wie einer von denen gequält wird. Aber nur einer, ein bestimmter …”

TREFFER! VERSENKT!

Die anschließende gemeinsame Heiterkeit deeskaliert.

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Heute, da ich den gestrigen Abend notiere, bleibt mir doch tatsächlich ein klitzklein-bisschen schlechtes Gewissen ob.  meiner Äußerung. Da werde ich wohl den Müll runterbringen müssen, noch bevor sie aufwacht.

Ach-ja: Und Kaffee mache ich ihr heute auch.

Die Relativität der Ewigkeit

Die Vokabel “Ewigkeit” beschreibt etwas ohne zeitlichem Anfang und Ende, etwas außerhalb und unabhängig vom Phänomen Zeit Existierendes.

Kindermund:

“Was hat eigentlich der Liebe Gott den lieben langen Tag gemacht, bevor er die Welt erschuf?”

“… und was kann kommen, wenn ER keine Lust mehr haben sollte?”

Jaaa! *seufz* Ich muss nur endlich einmal “den Arsch in Hand nehmen”, um eine ewig schlummernde Idee zu Papier bringen. Sonst bleibt sie ewig ungedacht.

😉

Ich versuche es heute mit der russischen Professorenmethode. Hierzu versammelt man ehrgeizige Doktoranden und gibt denen ein Thema nebst Hilfestellung vor. Militant-autokratisch:

Setzen! – Hefte raus, Stifte bereithalten! – Heute behandeln “wir” das Thema “Ewigkeit”. Hier Ihre Aufgabenstellung:

„Ich weiß wohl, dass derjenige auf Ewigkeit hofft, der hier zu kurz gekommen ist“, sagte einst Friedrich Schiller (in den Räubern) – Aber erklärt das DAS UNSER BEDÜRFNIS VOLLSTÄNDIG? Der Wunsch, dass etwas bleibt? Von uns selbst? Für immer und ewig?

Hilfestellung hierzu:

Das erste Argument, um Christ zu werden, war das Versprechen auf ein Dasein nach dem Tod. Es ist das gleiche innere Argument, was Pharaonen auf Pyramidenbau drängen ließ. Heute entdecken wir Aufgeklärten Bleibendes in den Augen unserer Enkel – an deren Mündern, Ohren oder Nasen (so sie nicht des Nachbarn sind). Erbgut sind die Pyramiden der Mütter und Väter. Die DNS ist eine relative Konstante, derweil Moral und Werte bestenfalls Katalysatoren sind.

Der Zeitgeist ist am schnellsten vergänglich.

Demgegenüber steht das Bedürfnis, auch solche Werte zu konservieren. Früher galt ein Aufruf(“Was du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!”; Goethe), heute könnte “uns” die Technik dabei behilflich sein.

Kurzundknapp:

Wie kriegt man Moral in eine Cloud?

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“So liebe Kinder, Abgabe ist in 90 Minuten – die besten Arbeiten werden benotet.”

Hilfsmittel für Erinnerungen

Heute ist ein besonderer Tag im Jahr und darüber hinaus der wohl heißeste.

Christa Wolf folgte 1960 einem Aufruf der Moskauer Zeitung Iswestija, den 27. September 1960 zu beschreiben. Die Idee ging zurück auf einen vergleichbaren Aufruf von Maxim Gorki aus dem Jahre 1936, der unter dem Titel “Ein Tag der Welt” in der damaligen Sowjetunion große Popularität erlangte. Christa Wolf beließ es nicht nur mit dem 27. September 1960. Sie beschrieb fortan jeden 27. September bis zum Jahre 2000. (Wikipedia)

Was mich lange Zeit staunen machte: Wie kann man nur Jahr für Jahr daran denken?

Ich selbst wollte die Idee aufgreifen und scheiterte. Noch jeweils bis zum 20. September eines jeden Jahres dachte ich daran und jedes Mal Anfang Oktober wusste ich, dass ich es wieder einmal vergessen hatte. Christa Wolf – erfuhr ich später – hatte ein Bezugssystem: den Geburtstag einer ihrer Kinder.

“Geschummelt” schmunzelte ich, weil ich weiß: sähe ich mich aufgefordert, jeden 12. Januar oder 5. Juni zu beschreiben – nie und nimmer würde ich es vergessen. Auch – sollte es anstehen – die Beschreibung eines jedes Silvesterfestes, jedes Ostern oder jedes Weihnachten.

Ach-ja und: An den 27. September 2012 kann ich mich nicht erinnern, wohl aber an meine persönlichen Ereignisse des 11. Septembers des Jahres 2001. Wo das Telefon stand, wo der PC, mit wem ich sprach und dass ich Abends noch nach Berlin fuhr, um ein Projekt vorzustellen. Was aber ausfiel, wegen der Ereignisse.

2013-07-28 14.01.10Nimmt man sich vor, einen besonderen Tag beschreiben, vergisst man das nicht unbedingt. Wie den heutigen Tag – den Jahrhundertsommer-Höhepunkt-Tag?

Das Wetter ist heiß wenn die Sonne lacht.
Das hat wohl die Lara für mich gemacht?

Angefangen hat der heutige Tag, wie jeder andere auch. Wir – Hund und Herrchen -standen 4:30 Uhr auf, gingen Gassi, aßen und fraßen, derweil Granny und ich die Lage besprachen, anstehende Termine durchgingen…

DANN GESCHAH ETWAS ANDERS ALS SONST: Da es heute so heiß werden wird, dass jedermann Ärger mit dem Tierschutz bekommt, wer seinen Hund vor die Tür scheucht, fuhren wir bereits früh ganz zeitig in den Park Sanssouci und waren gegen 6:00 Uhr dessen einzige User.

Ich machte Quatsch-Bilder wie dieses hier:

2013-07-28 06.44.38

Und entdeckte, dass meine Schulfreundin im Unrecht war, als sie behauptete, es gäbe einen “Prinzenspielplatz” im Park Sanssouci –

– Das war nur der Volksmund, liebe UXXX*! –

– was ich schadenfroh, mir die Hände dabei reibend, fein säuberlich dokumentierte:

2013-07-28 07.15.162013-07-28 07.15.212013-07-28 07.15.28

Zu Hause erfand ich schließlich die Klimaanlage, indem ich ein Handtuch aus dem Tiefkühlfach holte, worin Eisbehälter eingewickelt und es auf den Papier-Müll-Korb legte.

2013-07-28 14.08.16

Nun warte ich, was der heiße Tag einem großen Erfinder noch so bringt.

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* Name ist verpixelt, Niemand, von denen die ich kenne, heißt Uxxx.

Persönliches Hexenmahl

Es sind Gedankenkinder. Blätter vorm Zerreißen. Ein Lustgarten namens Denken.

Ohne zu werten, ohne genau zu formulieren, ohne bestehende Fragmente bis zum Ende zu denken, mit oder ohne Tiefsinn, dazu Angelesenes – was diese Woche hängen blieb, hier in Eile notiert.

(1) Wenn eine Partei, der kaum Chancen auf Regierungsverantwortung eingeräumt werden, mit dem Slogan “das Wir gewinnt” antritt, so klingt das ziemlich unterwürfig.

(2) Die Behauptung, dass es zu Hause immer am besten schmeckt, ist eine Erfindung der Mütter.

(3) Früher bekamen wir gelehrt, dass der aufrechte Gang den Menschen formte. Heute wissen wir: dies ist nicht unbedingt die Ursache, sondern Beiwerk. Empfindung machte den Menschen. Die Fähigkeit zu Mitleid. Das Gefühl der Zugehörigkeit ist erste Produktivkraft und der Drang geliebt zu werden.

“Wurzel unserer Moral: Kooperation und Trösten, Dankbarkeit und Gemeinschaftssinn.” (Richard David Precht)

(4)

“Wirklichwissende wissen was sie wissen und was nicht.” (Dobelli)

(5)

“Das “weil” muss sein. Dieses unscheinbare Wörtchen ist der Schmierstoff des Zwischenmenschlichen. Verwenden Sie es inflationär.” (Dobelli)

Das kann ich besser: Ich lasse das Weil sogar weg und tue einfach nur, als sei es noch da. Zum Beispiel beim Zuspätkommen:

“Entschuldigen Sie bitte meine Verspätung – meine Frau ist aus der Ukraine.”

In einem Punkt hat Dobelli natürlich Recht: Eine redundante Information wird akzeptiert, auch wenn sie im direkten Umkehrschluss sinnlos ist.

Aber egal, denn …

“…wäre meine Frau NICHT aus der Ukraine, wäre ich heute pünktlich.”

(6) Fand den Spruch “Hätte die Oma einen Opa gehabt, hätten sie heute Enkel” auf einer russischen Seite

*schmunzel*

(7)

“Komm her Hundchen, komm her – du bist der einzige, der mich wirklich liebt.”

“DA IRRST DU ABER: Der Hund liebt den Käse, den du ihm gibst.”

Die große russische Humorattacke

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Die zuständige deutsche Vokabel heißt “Shitstorm”.

Wobei deutscher Shitstorm mit russischem nie zu vergleichen ist – der Russen Schwarm ist einfach größer, nachhaltiger und der, von dem ich heute erzähle, beeinflusste die russische Sprache als solche.

“Превед, liebe Freunde, Prewed!”

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Was hierzulande WordPress ist in Russland LiveJournal – dort geschrieben “Живой Журнал” oder einfach nur “ЖЖ”.

Es liegt in der Natur der Dinge, dass ein Russe russisch bloggt und dass er hierfür kyrillische Buchstaben verwendet. Worüber sich eines schönen Tages einen Amerikaner schottischer Abstammung – “scottishtiger” – wunderte.

Scottishtiger konnte nicht verstehen, wieso in einem amerikanischem Journal jemand in einer ihm unbekannten Sprache schreibe …

“…und überhaupt – was ist das für eine Sprache?”

Leicht humorig erklärte ihm der User “maxximus” dies sei Albanisch und fragte an:

“… und wieso vermuten Sie, der Text sei für Sie geschrieben wurden?”

Der schottische Tiger reagierte hierauf mit dem Anzünden eines Streichholzes auf einem Benzintank oder besser noch: im Munitionsdepot.

“Because? It’s LIVEJOURNAL. An American website. Not an albanian; (#*!@()! site.
Plus, being an American means that the rest of the world should have to cater to me.
But that’s just mypointofview.”

Damit überschritt er den Rubicon und der nun einsetzende Shitstorm riss alle Verankerungen aus dem Boden. Dämme brachen, eine niedagewesene Humor-Flut überschwemmte das weltweite Netz.

Running Gag: “Unterricht in Albanisch, Lektion …”

1307_albanisch

Insiderspaß ohne Ende – zugleich für das Gebiet außerhalb des russischen Sprachraumes unübersetzlich, weil russischer Humor auch immer ein bissel schweinisch ist. Aber seither – und darum geht es wirklich – weiß jeder russischer User was “Albanisch” bedeutet.

Es ist der “Padonki-Jargon”, den die meisten Nutzer für eine neue Sprache halten. Für eine eigenständige Sprache mit festen Regeln, wie:

“… Wenn der Buchstabe в wie stimmloser labiodentaler Frikativ gelesen wird, schreibt man ф oder фф (ausgangs): красавчиккросафчег, позитивпо(а)зитифф (entsprechend ist in etwa auch das Wort давай mitunter in der Schreibweise дафай anzutreffen); …”

Wobei manche Erklärung, wie “stimmloses labiodentaler Frikativ” eher nach schlechtem Sex klingt (nach Lustlosigkeit) als nach Sprachwissenschaft – Aber egal, es ist jedenfalls etwas Radikales. Etwas russisch-radikales. Und vielleicht sogar wirklich eine neue Sprache?

Deutsch-babylonische Sprachverwirrung

Deutsch – deutscher – am deutschesten ~ wenn wir eine Steigerung zulassen wollen, ist Handy die deutscheste aller deutschen Benennungen. Ein Handy-Wort gibt es nirgends – außer in Tschland.

So betrachtet, müsste es eigentlich “Händie” geschrieben werden, besser noch “Hendi”…

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Bei Kaisers.

Lara schickte mich hierher, ihren Lieblingskefir zu kaufen – den einzigen Kefir, welcher nach ihrem Empfinden hier in Deutschland nach echtem Kefir schmeckt.

Doch im Kaisers-Regal stehen nur diverse Buttermilchsorten und ein Kefir-Fake, namens “Kalinka”.

Ich finde eine Regalfrau und spreche sie an:

“Haben Sie vielleicht Kefir im Lager?”

“Was?”

“Ich fragte: Haben Sie vielleicht Kefir im Lager?”

*verduztguck* – bis sich das Gesicht der Verkäuferin aufhellt.

“Ach-sooo! Sie meinen Keeefir!?”

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Diese Deutschen – nicht mal richtig betonen können sie! Trägt jemand andernorts den Namen “Zuckerberg”, bemüht sich jeder deutsche TV-Ansager “Sackerbörg” zu sagen. Demgegenüber heißt eine Troika auf TV-Deutsch “Tro-Ika”.

Nun weiß ich: In Deutschland heißt Kefir eben “Keeefir”.

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Möchtegernenglisch spricht man gern, verwendet Handys. Es geht zur öffentlichen Aufbahrung – public viewing – wer Fußball gucken will.

Dabei ist diese Sprache doch gar nicht sooo schlecht. Sie hatte die deutsche Sprache zu Zeiten da man sich für sie noch nicht schämte, weltweit Spuren hinterlassen.

“Wiheister” (Ursprung “Wie heißt er?”) nennt man mancherorts in Polen Dinge, die sich nicht genau bestimmen lassen wie Griffe, Laschen, Hängendes oder Herausstehendes. Ein “Schlagbaum” ist in Russland eine Schranke, eine “Krawatka” ein ukrainischer Schlips, der in Russland wiederum “Galstuck” genannt wird.

Nurmalnebenbei: “Bruderschafft” ist für die Frauen von Osteuropa ziemlich ekelig, weil Bruderschaft bedeutet, sich von besoffenen alten Männern küssen lassen zu müssen.

Kurz und gut: “Handy” ist deutsch – “Kaffeepausi” nicht. Und würden die Deutschen sich selbst mehr achten, hätten sie eine andere Sprache.

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Dürfte ich die Dinge benennen, hießen sie nach dem Sinn. Zum Festnetztelefon würde man von da an “Schwatz” sagen, zum Handy “Angeber”.

“Tut mir Leid, ich habe wohl meinen Angeber verlegt. Aber über meinen Schwatz kannst du mich jederzeit erreichen. Sollte ich zufällig einmal nicht da sein, sprich einfach in den Speicher.”

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STOPP! Sollte “Schwatz” nicht besser weiblich sein? … Schwätzin? … Schwätzerin? …

@! —> Ich erfinde “Tratsche” für Telefon.

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Apropos Handy: Die folgende Geschichte ist wahr, ich habe sie andernorts bereits erzählt.

Eine mir sehr gut bekannte Person nannte ihren Sohn “Hendrik”, gab ihm also einen schicken Namen, den sie stets verniedlicht, indem sie “R” und “K” weglässt. Sie nennt den Sohn “Hendi”.

Inzwischen sind Handys erfunden.

Würde diese Mutter ihren Sohn “Eierkocher” rufen, wäre das ähnlich lustig.