Unterhaltsames Naziraten

Als plötzlich ein Wähler in Thor-Steinar-Sweatshirt an der Urne stand, erfand ich das Spiel “Naziraten”. Und das geht so: Man merke sich heimlich Menschen mit gewisser Kostümierung (und|oder) Frisur, um dieses Ergebnis nach 18:00 Uhr mit den für die NPD abgegebenen Stimmen zu vergleichen.

Bis 18:00 Uhr hatte ich 6 Striche auf einen konspirativen Zettel gemacht – GONG! – und siehe da:

2013-09-22 19.11.50

Jedenfalls: ~ Wenn ich Nazi sein müsste, würde ich doch nicht auch noch so rumlaufen. Nazi zu sein ist bereits Strafe genug.

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Damals, 1990, sah das Ergebnis in “meinem” Potsdamer Wahllokal so aus:

90_wahl

 

Nazis gab es damals “bei uns” auch. Ebensowenige wie heute.

Soweit ich mich erinnern kann, haben seinerzeit viele DDR-Nazis den “Demokratischen Aufbruch” gewählt. Und: Derer Klamotten waren andere. Vor Thor Steinar hatte der braune Geist Springerstiefel und Bomberjacken gesetzt.

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@?

Ob wohl die Anhänger Adolf Hitlers seinerzeit in grünen Klamotten rumgelaufen wären, wäre der Führer statt in Braunau am Inn in Grünau bei Berlin zur Welt gekommen?

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Ehrenpflicht

Als einmal Wahlhelfer fehlten und die Verwaltung händeringend Hilfskräfte suchte, meldete ich damals für DIESMAL.

Inzwischen ist diesmal immer, kommt eine Wahl bin ich dabei.

“Warum tust du das eigentlich?”

“Irgendwer muss es ja tun.”

Logisch.

(Das gilt aber nur, wenn eine Wahl auf Sonntag fällt.)

Russische Logik

“Wenn du wirklich so klug bist – wieso bist du dann so arm?”

Diese typisch russisch-rhetorische Frage ist zwar richtig, aber auch etwas zugespitzt übersetzt. Man könnte den ersten Teil der Frage milder fassen, wie zum Beispiel:

“Wenn du wirklich alles besser weißt – wieso …”

Doch der russisch-ukrainische Nachsatz bleibt:

“Immerhin hatten alle die gleiche Chance.”

Bayern hat sich also einen Landtag gewählt —> der Sieg des bereits totgeglaubten Patriarchats ist gewaltig. Seehofer ist der neue Strauß, derweil sich Mutti bereits jetzt auf freche Sprüche im Kabinett gefasst machen darf.

Lara fragt logischerweise:

“Wenn die-da unten in Bayern wirklich so rückständig sind – wieso geht es denen dann so gut?”

Offenbar ist Macho Produktivkraft, wenn man ihn – wie in Bayern – nur so richtig schalten und walten lässt. De Frau ge`hört an `n Herd ~ ois andere is ned noamoi. Mia san Bayern, mia machn, was mia woin.

Andererseits: Goethes Faust war auch ein Mann. Gretchen ließ er links liegen. Er erkannte den Sinn des Lebens.

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.

Der, der täglich sie erobern muss, hat nämlich keine Zeit, Müllbeutel runterzubringen. Der muss auch nicht bei jedem Einkauf “mitgucken” oder die Spülmaschine leerräumen.

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Im Übrigen halte ich Steinbrücks Phallus-Geste für das ehrlichste Bild des nun zu Ende gehenden Wahlkampfes.

Der Gegenzauber

hermesHermes ist Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten. Zugleich gilt er als Gott der Diebe, der Kunsthändler, der Redekunst und der Gymnastik. Als Bote verkündet er die Beschlüsse des Zeus und führt Seelen der Verstorbenen in den Hades.

Im uralten Griechenland bediente man sich Kopfstatuen von Hermes, um das Anwesen vor Eindringlingen zu schützen.

Erst die Römer, genau genommen: römische Diebe, erfanden einen Gegenzauber. Dieser ward vom Dichter Catull notiert und blieb dadurch der Nachwelt erhalten. Ein Eindringling oder Dieb solle demnach einfach nur aus der geballten Faust heraus dem Hermes – respektive der Hermeskopfstatue – eine geballte Faust mit ausgestrecktem Mittelfinger entgegen halten.

peersteinbrückGenau so, wie es Peer Steinbrück derzeit tut.

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Schon tut er mir leid, der arme Peer. Jede noch so kleine Geste wird von der vereinten Gegnerschaft und der Journaille durch den Kakao gezogen.

Dabei ist der so genannte Stinkefinger (unabhängig von seiner Funktion als Gegenzauber) nichts anderes als ein Phallussymbol.

“Seht her, ihr Loser, ich kann doch noch!”

Unbewusste Gesten einerseits – Ozeantiefe Interpretation andererseits. Alte Fragen gebären neue: Ist Steinbrücks Phallusfinger ein Gegenzauber zu Muttis Mösenraute? Ist solche Geste eher kriegerisch oder konziliant?

Große Koalition?

Der Rohrkrepierer

Der deutsche Wahlkampf ist total laaangweilig. Auch in Potsdam, wo man an jeder Kreuzung unter anderen Peer Steinbrück mit “das WIR entscheidet” sieht. Erst muss man gähnen, dann hat man Mitleid, anschließend ist man empört:

Derjenige, der die SPD beriet, sollte sich schämen!

Das SPD-WIR ist doch längst schon vergeben! Dieses WIR gehört zur Aktion-Mensch-Lotterie (“Aktion Sorgenkind”) wie der Zalandomann zum Versandschuhhandel.

das_wir

So kann es auch nicht wundern, wenn das Unterbewusstsein die SPD-Botschaft reflexiv fortsetzt:

Sagen Sie Dank mit einem Jahreslos!

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Nurmalnebenbei: Wer bei miesen Umfragewerten das WIR anmahnt, bettelt einfach nur, um mitmachen zu dürfen.

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Lese gerade den eigenen Text (oben). Stolpere über das Klangbild eigener Sätze:

“Erst muss man gähnen, dann hat man Mitleid, anschließend ist man empört…”

Gibt es doch schon? Oder? Habe ich etwa unbewusst geklaut?

<grübel>

Gandhi klang ähnlich:

gandi

</grübel>

Hat nichts miteinander zu tun, denn auf die SPD bezogen gilt ja wohl eher die gandhische Umkehrung:

Erst gewinnst du, dann bekämpfen sie dich – heute lachen sie dich aus, bis du eines Tages nicht mehr wahrgenommen wirst.

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Die SPD ist wie Andrea Nahles: Sie, die einst interessant war, ist heute nur noch schwer zu ertragen.

Linke Farce

Auf der Suche nach der Quelle für eine mir bekannte Anekdote fand ich eine andere, ähnlich geeignet:

Vom preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. wird die Anekdote erzählt, er habe bei einer Truppenparade seine Soldaten gefragt: „Fürchtet oder liebt ihr mich?“ Auf die devote Antwort: „Wir fürchten Eure Majestät untertänigst!“, habe er auf die „langen Kerls“ wütend mit seiner Reitpeitsche eingedroschen und geschrien: „Lieben sollt ihr mich!“

Quelle: Glaubensgehorsam

Die andere Anekdote, die, die ich leider nicht belegen kann, geht so:

Eines Tages ließ ebenjener König etwas zu, was im zutiefst widerwärtig war: Seine Majestät erlaubte Bittstellern eine Audienz.

Diese fanden sich zum angesagten Termin im Stadtschloss ein.

Wohl weil Majestät verkatert, dabei möglicherweise unter Restalkohol stehend, beäugte ER die aufgereihte Gesellschaft missmutig. Und noch ehe einer der Bittsteller die Erlaubnis zum Reden erhielt, gab der Soldatenkönig Befehle …

“Richt Euch! – Augen gerade-aus! – Rechts um! – Ohne Tritt-Marsch!”

… und löste somit zahlreiche Probleme gleichzeitig.

“Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Thatsachen und Personen sich so zu sagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als große Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce.”

Quelle: Karl Marx

Gestern in Potsdam:

2013-09-03 16.56.08

Ohne Tritt – MARSCH!

Die Toleranz der Linken

Ich bin krank. Liege im Bett und gucke iPad. Es läuft die Morning Show vom ZDF.

Heute will der Morning-Show-Moderator von Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen) wissen, ob sie sich auch von den Linken tolerieren lassen würde.

Ihre Antwort ist verquast und total verschwommen.

“ICH gehe davon aus, dass sich diese Frage nach der Wahl nicht stellen wird … ~ @ bla bla bla …”

Mein Urteil ist vernichtend: Beides ist doof. Frage wie Antwort.

De facto toleriert – zumindest in Deutschland – jede deutsche Opposition jede deutsche Regierung. So toleriert die Linke auch die FDP und die CSU.

Wäre es anders, hätten wir ukrainische Verhältnisse.