Deutsch-babylonische Sprachverwirrung

Deutsch – deutscher – am deutschesten ~ wenn wir eine Steigerung zulassen wollen, ist Handy die deutscheste aller deutschen Benennungen. Ein Handy-Wort gibt es nirgends – außer in Tschland.

So betrachtet, müsste es eigentlich “Händie” geschrieben werden, besser noch “Hendi”…

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Bei Kaisers.

Lara schickte mich hierher, ihren Lieblingskefir zu kaufen – den einzigen Kefir, welcher nach ihrem Empfinden hier in Deutschland nach echtem Kefir schmeckt.

Doch im Kaisers-Regal stehen nur diverse Buttermilchsorten und ein Kefir-Fake, namens “Kalinka”.

Ich finde eine Regalfrau und spreche sie an:

“Haben Sie vielleicht Kefir im Lager?”

“Was?”

“Ich fragte: Haben Sie vielleicht Kefir im Lager?”

*verduztguck* – bis sich das Gesicht der Verkäuferin aufhellt.

“Ach-sooo! Sie meinen Keeefir!?”

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Diese Deutschen – nicht mal richtig betonen können sie! Trägt jemand andernorts den Namen “Zuckerberg”, bemüht sich jeder deutsche TV-Ansager “Sackerbörg” zu sagen. Demgegenüber heißt eine Troika auf TV-Deutsch “Tro-Ika”.

Nun weiß ich: In Deutschland heißt Kefir eben “Keeefir”.

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Möchtegernenglisch spricht man gern, verwendet Handys. Es geht zur öffentlichen Aufbahrung – public viewing – wer Fußball gucken will.

Dabei ist diese Sprache doch gar nicht sooo schlecht. Sie hatte die deutsche Sprache zu Zeiten da man sich für sie noch nicht schämte, weltweit Spuren hinterlassen.

“Wiheister” (Ursprung “Wie heißt er?”) nennt man mancherorts in Polen Dinge, die sich nicht genau bestimmen lassen wie Griffe, Laschen, Hängendes oder Herausstehendes. Ein “Schlagbaum” ist in Russland eine Schranke, eine “Krawatka” ein ukrainischer Schlips, der in Russland wiederum “Galstuck” genannt wird.

Nurmalnebenbei: “Bruderschafft” ist für die Frauen von Osteuropa ziemlich ekelig, weil Bruderschaft bedeutet, sich von besoffenen alten Männern küssen lassen zu müssen.

Kurz und gut: “Handy” ist deutsch – “Kaffeepausi” nicht. Und würden die Deutschen sich selbst mehr achten, hätten sie eine andere Sprache.

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Dürfte ich die Dinge benennen, hießen sie nach dem Sinn. Zum Festnetztelefon würde man von da an “Schwatz” sagen, zum Handy “Angeber”.

“Tut mir Leid, ich habe wohl meinen Angeber verlegt. Aber über meinen Schwatz kannst du mich jederzeit erreichen. Sollte ich zufällig einmal nicht da sein, sprich einfach in den Speicher.”

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STOPP! Sollte “Schwatz” nicht besser weiblich sein? … Schwätzin? … Schwätzerin? …

@! —> Ich erfinde “Tratsche” für Telefon.

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Apropos Handy: Die folgende Geschichte ist wahr, ich habe sie andernorts bereits erzählt.

Eine mir sehr gut bekannte Person nannte ihren Sohn “Hendrik”, gab ihm also einen schicken Namen, den sie stets verniedlicht, indem sie “R” und “K” weglässt. Sie nennt den Sohn “Hendi”.

Inzwischen sind Handys erfunden.

Würde diese Mutter ihren Sohn “Eierkocher” rufen, wäre das ähnlich lustig.

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Autor: Alex

Heute so, morgen so ...

7 Kommentare zu „Deutsch-babylonische Sprachverwirrung“

  1. Wenn ich mal ein bisschen klugscheißern darf: „Händie“ ist nicht so richtig deutsch sondern mehr schwäbische MundArt und bedeutet eher: „die haben“ im Sinne von: „ist mit ohne“.
    Und das kam so: Die ersten Funktelefone waren noch richtige Apparate; Brocken von der größe einer Motorradbatterie, mit Wahlscheibe und einem mit einer Strippe daran angeschlossenen Telefonhörer.
    Als schwäbische Beamte (die Rede geht, sie wären von der Alm gewesen) zum ersten Mal mit den modernen, in den Telefonhörer eingebauten Funktelefonen konfrontiert waren, kam es zu einiger Verwirrung. Zunächst hielten sie diese Geräte für Attrappen, albernes Kinderspielzeug für Angeber. Als dann aber unerbittlich sicher feststand, dass mit diesen Apparaten ‚in echt‘ telefoniert werden kann, stellten sich die Beamten etwas fassungslos die Frage: „Hän di koi Schnuä?“ (Haben die keine Schnur?) „Naaaaa, di hän koi Schnuä.“ (Nein, die haben keine Schnur.)

    Ein Markenname war geboren: „Hän di…“ – „Dees (oder: deesch) isch oi ‚Händi.'“(das ist eins mit ohne). Dabei blieb es. Bis heute.

          1. Ich gebe zu, ein nicht ganz unwesentliches Detail, das mir im Schwung der Laune entgangen war. Ich beklage das 😀
            Nehmen wir Einstein. Der hat seine Formeln auch erst recht spät ernst genommen.

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