Skurriler Nachgeschmack

Das Telefon spielt die Titelmelodie aus dem „The Pink Panther“. Wie immer, wenn jemand anruft, dessen Nummer nicht im Adressbuch steht.

Diesmal ist es eine gewisse Katja, die ich nicht kenne.

„Привет. – Здравствуйте. Odärrr: Prost Neujahr!
Hier ist Katja von Firma Rosmoskosmos – sagen Sie bittä, was haben bekommen Geschenk zum Neues Jahr von Maria? Korb mit Büchsen mit Schampanjer drin? Wodka? Konjak? Oder weißrussische Konfekt? – Hat Idiotin nämlich nicht abgehakt, auf Liste für Freunde.“

Nur Lara bekam zum Neujahrstag eine Tüte geschenkt, und diese war gefüllt mit Billigschokolade („Mischka-Bären“ aus Minsk), was ich aber – spaßeshalber – in den Skat drücke.

Statt wie verlangt Auskunft zu geben, lüge ich:

„Wir erhielten eine wunderschöne Vase, eine Kerze dazu und zwei Prosecco. Sagen Sie bitte Maria, dass wir uns sehr-sehr gefreut haben.“

😉

* * *

Heute bin ich übrigens so gut gelaunt, dass ich sogar über meine Marke lachen kann.

In diesem Sinne:

2014-01-04 07.04.42

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Frühschoppen

Moin-moin,

und: gesundes neues Jahr!

Ich wünsche allen LeserInnen einen guten Rutsch gehabt zu haben, derweil ich hier – allein – im Arbeitszimmer hocke und – allein-allein – Reste trinke.

Sooo allein…

Restetrinken
Am Morgen danach

* * *

Es ist Silvester.

Gegen 22:00 Uhr frage ich sie, was sie sich wünscht. „Eigentlich möchte ich jetzt nach Hause“, antwortet sie und „eigentlich möchte ich das auch“ sage ich.

So fahren wir nach Hause und kommen gerade noch rechtzeitig, um via Webcam die Silvesterfeier in Kiew, der ukrainischen Hauptstadt, zu sehen. Sie deckt den Tisch, ich öffen eine Flasche „VEUVE MONNIER“, derweil Oppositionsführer Vitali Klitschko auf dem Unabhängigkeitsplatz „lasst uns unsere Nationalhymne singen!“ ruft.

Und so singt das ukrainische Volk auf dem Kreschtschatik, wie auch dem Maidan der Unabhängigkeit schaurig-schön

„Ще не вмерла України …“

Wir sind beide gerührt, derweil sie die Situation – wie mir scheint – mittels Kommentar überhöht.

„Wo gibt es das schon, dass ein Volk dergestalt inbrünstig die eigene Hymne singt?!“

Ihr Nationalstolz drängt geradezu danach, relativiert zu werden. Weshalb mein Gesicht Gleichgültigkeit spielt. Aus meinem Mund kommt: „Überall“.

Und: „Bei uns, zum Beispiel, bei uns in Deutschland. Wir singen, wenn ein Spiel beginnt“.

Die nationalstolzen Amerikaner halten sich bei derer Hymne sogar die Hand aufs Herz, denn offenbar sehnen sich Menschen nach Integration.

„Hymnen sind überall das kleinste gemeinsame Vielfache an Gemeinsamkeit“, sage ich auch noch – und merke dabei prompt, dass dies – zumindest in Bezug auf die Hymne der Ukraine – eigentlich Unsinn ist.

*kurz nachgedacht*

„Hast du übrigens einmal auf euren Text geachtet?“

Душу, тіло ми положим за нашу свободу.
І покажем, що ми, браття, козацького роду.

(Deutsch: Seele und Körper geben wir für unsere Freiheit. Und bezeugen, dass wir Kosakenbrüder sind.)

„Ihr Ukrainerinnen wollt Brüder [sic!] eines Kosakengeschlechtes sein?“

Klar ist das fies. Darüber hinaus sollte man einer Ukrainerin nicht die Ukraine erklären. Auch dann nicht, wenn man im Recht.

ABER RECHT HABE ICH WOHL, denn …

  • Erstens waren Kosaken auf dem Territorium der Ukraine stets in der Minderheit, sind daher (und aus anderen Gründen) ungeeignet eine Nation zu integrieren
  • Zweitens bildet „Kosakentum“ kein Alleinstellungsmerkmal (Kosaken gab es nämlich auch in Russland)
  • Drittens ist die Hymnen-Idee „noch sind der Ukraine Ruhm und Freiheit nicht gestorben“ der polnischen Hymne entnommen – „geklaut sozusagen“
  • Viertens …

Sie sagt einfach nur „S nastupajuschtschim!“ – Prost Neujahr! – wirft mir einen zornigen Blick zu und verschwindet im Schlafzimmer.

* * *

Jedenfalls sitze ich daher immer noch allein-allein und trinke Reste. Total allein. Polarkreis-18-mässig.

Aaaaber: Diesjahr will ich mich bessern! Uhunbedingt!

Prost!