Der Gegenzauber

hermesHermes ist Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten. Zugleich gilt er als Gott der Diebe, der Kunsthändler, der Redekunst und der Gymnastik. Als Bote verkündet er die Beschlüsse des Zeus und führt Seelen der Verstorbenen in den Hades.

Im uralten Griechenland bediente man sich Kopfstatuen von Hermes, um das Anwesen vor Eindringlingen zu schützen.

Erst die Römer, genau genommen: römische Diebe, erfanden einen Gegenzauber. Dieser ward vom Dichter Catull notiert und blieb dadurch der Nachwelt erhalten. Ein Eindringling oder Dieb solle demnach einfach nur aus der geballten Faust heraus dem Hermes – respektive der Hermeskopfstatue – eine geballte Faust mit ausgestrecktem Mittelfinger entgegen halten.

peersteinbrückGenau so, wie es Peer Steinbrück derzeit tut.

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Schon tut er mir leid, der arme Peer. Jede noch so kleine Geste wird von der vereinten Gegnerschaft und der Journaille durch den Kakao gezogen.

Dabei ist der so genannte Stinkefinger (unabhängig von seiner Funktion als Gegenzauber) nichts anderes als ein Phallussymbol.

“Seht her, ihr Loser, ich kann doch noch!”

Unbewusste Gesten einerseits – Ozeantiefe Interpretation andererseits. Alte Fragen gebären neue: Ist Steinbrücks Phallusfinger ein Gegenzauber zu Muttis Mösenraute? Ist solche Geste eher kriegerisch oder konziliant?

Große Koalition?

Der Rohrkrepierer

Der deutsche Wahlkampf ist total laaangweilig. Auch in Potsdam, wo man an jeder Kreuzung unter anderen Peer Steinbrück mit “das WIR entscheidet” sieht. Erst muss man gähnen, dann hat man Mitleid, anschließend ist man empört:

Derjenige, der die SPD beriet, sollte sich schämen!

Das SPD-WIR ist doch längst schon vergeben! Dieses WIR gehört zur Aktion-Mensch-Lotterie (“Aktion Sorgenkind”) wie der Zalandomann zum Versandschuhhandel.

das_wir

So kann es auch nicht wundern, wenn das Unterbewusstsein die SPD-Botschaft reflexiv fortsetzt:

Sagen Sie Dank mit einem Jahreslos!

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Nurmalnebenbei: Wer bei miesen Umfragewerten das WIR anmahnt, bettelt einfach nur, um mitmachen zu dürfen.

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Lese gerade den eigenen Text (oben). Stolpere über das Klangbild eigener Sätze:

“Erst muss man gähnen, dann hat man Mitleid, anschließend ist man empört…”

Gibt es doch schon? Oder? Habe ich etwa unbewusst geklaut?

<grübel>

Gandhi klang ähnlich:

gandi

</grübel>

Hat nichts miteinander zu tun, denn auf die SPD bezogen gilt ja wohl eher die gandhische Umkehrung:

Erst gewinnst du, dann bekämpfen sie dich – heute lachen sie dich aus, bis du eines Tages nicht mehr wahrgenommen wirst.

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Die SPD ist wie Andrea Nahles: Sie, die einst interessant war, ist heute nur noch schwer zu ertragen.

Persönliches Hexenmahl

Es sind Gedankenkinder. Blätter vorm Zerreißen. Ein Lustgarten namens Denken.

Ohne zu werten, ohne genau zu formulieren, ohne bestehende Fragmente bis zum Ende zu denken, mit oder ohne Tiefsinn, dazu Angelesenes – was diese Woche hängen blieb, hier in Eile notiert.

(1) Wenn eine Partei, der kaum Chancen auf Regierungsverantwortung eingeräumt werden, mit dem Slogan “das Wir gewinnt” antritt, so klingt das ziemlich unterwürfig.

(2) Die Behauptung, dass es zu Hause immer am besten schmeckt, ist eine Erfindung der Mütter.

(3) Früher bekamen wir gelehrt, dass der aufrechte Gang den Menschen formte. Heute wissen wir: dies ist nicht unbedingt die Ursache, sondern Beiwerk. Empfindung machte den Menschen. Die Fähigkeit zu Mitleid. Das Gefühl der Zugehörigkeit ist erste Produktivkraft und der Drang geliebt zu werden.

“Wurzel unserer Moral: Kooperation und Trösten, Dankbarkeit und Gemeinschaftssinn.” (Richard David Precht)

(4)

“Wirklichwissende wissen was sie wissen und was nicht.” (Dobelli)

(5)

“Das “weil” muss sein. Dieses unscheinbare Wörtchen ist der Schmierstoff des Zwischenmenschlichen. Verwenden Sie es inflationär.” (Dobelli)

Das kann ich besser: Ich lasse das Weil sogar weg und tue einfach nur, als sei es noch da. Zum Beispiel beim Zuspätkommen:

“Entschuldigen Sie bitte meine Verspätung – meine Frau ist aus der Ukraine.”

In einem Punkt hat Dobelli natürlich Recht: Eine redundante Information wird akzeptiert, auch wenn sie im direkten Umkehrschluss sinnlos ist.

Aber egal, denn …

“…wäre meine Frau NICHT aus der Ukraine, wäre ich heute pünktlich.”

(6) Fand den Spruch “Hätte die Oma einen Opa gehabt, hätten sie heute Enkel” auf einer russischen Seite

*schmunzel*

(7)

“Komm her Hundchen, komm her – du bist der einzige, der mich wirklich liebt.”

“DA IRRST DU ABER: Der Hund liebt den Käse, den du ihm gibst.”