Das Blumengleichnis

Lara liefert einer Freundin seit einer Woche schon Ratschläge vom Fließband. Sie engagiert sich weil eine fremde Ehe vakant. Diese Beziehung zu retten ist nun ihre Aufgabe.

Gestern hörte ich – unfreiwillig – zu, Russinnen sind am Telefon immer gern etwas laut, und staune über manche “Erkenntnis”, die Lara zum Besten gibt.

“… und wenn er dies sagt, sagst du das ~ … ~ das anderes musst du einfach ignorieren ~ … ~ einfach ist es nie ~ … ~ Männer sind so ~ @… ”

… und so weiter und so fort.

Hier lehrt Erfahrung. Und obwohl es nicht um uns geht, vermute ich anhand der Ratschläge, dass meine Frau glaubt, MICH manipulieren zu können.

Doch was sie für Manipulation hält – behaupte ich trotzig – ist Einordnung.

Und: Eine Frau kann nur dann zu dem Glauben gelangen sie beherrsche den Mann, wenn sie sich von ihm beherrschen lässt. In einer jeder Ehe sind Mann und Frau korrespondierende Gefäße. Sind sie es nicht, wird geschieden. Oder gemordet.

“Gib her!”, sage ich daher ungehalten, nehme den Hörer selbst in die Hand und erkläre der Freundin, wie ES wirklich ist:

“Am ehesten sind Männer mit Blumen zu vergleichen. Lob ist die Sonne, die sie im Innersten wachsen lässt. Der Partnerin Aufgabe ist das Wasser, welches sie zur Selbstzufriedenheit aufnehmen. Und Zugeständnisse sind der Dung, welcher in jeder Beziehung vonnöten.”

Fliegt lieber!Der Blumenzüchter welcher glaubt, eine Pflanze könne ohne Licht, Wasser und gutem Nährboden gedeihen – der hat bereits im Ansatz verloren.

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Banale Witzigkeit

In den letzten Wochen wurde der tröge Alltag russischer Innenpolitik wieder einmal durch unbegründete Meckerei gestört. So wagte es der Gouverneur der Region Tscheljabinsk Michail Jurewitsch Herrn Putin – den Präsidenten der Russischen Föderation – darauf aufmerksam zu machen, dass offenbar gewisse Umweltnormen von der Industrie nicht eingehalten werden.

Weshalb es schließlich zu einem Gespräch kam, in welchem der Gouverneur trotzig seiner Position beharrte. Nach seiner Darlegung sei die Bevölkerung erregt – «население возмущено» – vom sehr unangenehmen – «очень неприятным» – Geruch, der von der metallurgischen Industrie verursacht werde.

Aber ER wäre nicht Putin, wenn ER nicht längst Bescheid wüsste:

“Der Technadsor ( = russischer TÜV) hat meines Wissens dort Arbeiten durchgeführt und ist zu gewissen Schlussfolgerungen gekommen.”

Was der renitente Gouverneur so nicht hinnehmen wollte:

“Wir hier glauben im Gegenteil, dass …”

Weiter kommt der Gouverneur aus Tscheljabinsk nicht. Putin unterbricht und erhält gibt lupenrein-demokratisch dem Provinzoberhaupt eine Lehreinheit in Recht und Ordnung:

“Glauben Sie was Sie wollen. Leiten muss man nach Regeln und nach allgemein anerkannten Normen.”

Ohnequatsch. Hier das Zitat im Original:

«Вы считайте как угодно. Нужно руководствоваться соответствующими правилами и общепризнанными нормами»

Nun dürfen wir gespannt sein, wie lange ein Gouverneur, der solche Regeln nicht kennt, noch im Amt bleiben kann.

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putin_politik

Quelle: http://lenta.ru/news/2013/08/29/putin/

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Erich Honecker war seinerzeit in vergleichbarer Situation – unfreiwillig – komischer. Als Mitte der Achtziger das Staatsoberhaupt der DDR von einem westlichen Journalisten befragt wurde, ob die Abgase der Trabbis nicht doch schädlich seien, wusste er folgende Antwort:

“Och, wissen Sie: Manche sagen so, andere so.”

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Tödlicher Irrtum

dzerjinsky_schwertAls Feliks Dserschinski am 20. Dezember 1917 beauftragt wurde das “Allrussische Außerordentliche Komitee zur Bekämpfung von Konterrevolution und Sabotage” – die Tscheka – zu organisieren, kannte er nur wenige von Lenins Gewohnheiten. Zudem hatte er sehr viel zu tun, denn unmittelbar nach der Heldenhaften Ruhmreichen Großen Sozialistischen Oktoberrevolution streikte der Apparat.

Was tun? – Was tun, wenn der Beamte renitent?

Die Diktatur des Proletariats schuf sich eine Lösung in Gestalt des ersten Gefangenenlagers für politische Häftlinge – Konzentrationslager* – in der Provinz Pensa: gegründet im August 1918 auf unmittelbare Anweisung Lenins.

Die Zahl der Inhaftierten betrug im Mai 1921 etwa 16.000 Personen und stieg bis September 1921 auf über 70.000 Personen an. Peanuts – im Vergleich zu dem, was später unter Stalin während der Großen Säuberung verhaftet wird. Es war der Anfang.

 

rev_terror

Auf dem Transparent steht: “Ins Gefängnis mit den Saboteuren. Der revolutionäre Terror ist gegen sie gerichtet”

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Eine Revolution verdient nur dann den Namen “Revolution”, wenn sie sich auch zu verteidigen weiß. Solche Sprüche gab es in der Schule, in der ich lernte zuhauf.

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Irgendwann zum Jahreswechsel von 1920 zu 1921 ergab es sich, dass Lenin sich in einer der vielen Beratungen eines der vielen Gremien langweilte. So schrieb er an Felix Dscherschinski – dem “Schwert der Revolution” – eine Frage auf einen Zettel

“Sag mal Felix Edmundowitsch, wie viele Volksfeinde sitzen eigentlich derzeit in unserem Konzentrationslager?”

“Etwa 10.000” war die schriftliche Antwort des Großen Organisators.

Eine Marotte Lenins bestand darin, bereits gelesenen Texten nicht wie üblich mit einem Häkchen (галочка) oder einem Unterschriften-Signet zu zeichnen, sondern mit einem Kreuz. Und als jene Sitzung längst vorbei war, gelangte der von Lenin abgekreuzte Zettel in ein Büro, in welchem er vom eiserne Felix zur Kenntnis genommen ward.

Tags darauf meldete er Lenin Vollzug:

“Befehl ausgeführt!”

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Ein mörderische Missverständnis.

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* Notabene: Der Name “Konzentrationslager” für die Gefangenschaft politischer Gegner wurde von den Bolschewiki erfunden und von den Deutschen später übernommen. Und dies nicht zufällig. Unmittelbar vor der Machtergreifung weilte eine Delegation aus Deutschland in der UdSSR zum Studium der Lagerwirtschaft. Der Name wurde gleich mitübernommen und später abgekürzt in “KZ”.

Autotophie

Autotrophie – “sich selbst ernährend”  – von αὐτός (autos = “selbst”) + τροφή (trophe = “Ernährung”) – die Fähigkeit von Lebewesen, ihre Baustoffe ausschließlich aus anorganischen Stoffen aufzubauen. Diese Art Stoffaufbau erfordert Energie und Wissen macht Ah!

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Endlich-endlich ist die TBBT-Sommerpause vorbei! Nerds wie ich – solche mit Staffelpass – konnten sich gestern gleich zwei [sic!] neue Folgen aus dem Netz pumpen.

Anzumerken ist, dass das Intro zu ungesehenen Folgen besonders cool klingt:

Our whole universe was in a hot dense state,
Then nearly fourteen billion years ago expansion started. Wait…
The Earth began to cool,
The autotrophs began to drool,
Neanderthals …

STOPP! MOMENT! – “The autotrophs began to drool”? –

– @???

Übersetzt hieße das ja:

“…,
die Autotrophen begannen zu sabbern,
…”

Zu sabbern???

Egal. Issja nur ne Serie.

Jedenfalls weiß ich nun, was Autotrophen sind: Autotrophen waren die ersten Philosophen. Minimalisten in Reinkultur. Wären Autotrophen Minimalisten geblieben, hätten wir heute weniger Probleme.

“Math, science, history, unraveling the mysteries,
That all started with the big bang!
BANG!”

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Der jüngste Gag:

tbbt-willkommen-in-der-donnerkuppel

 

Sheldon und Kripke werden vom Institut gezwungen zusammenzuarbeiten und müssen daher ihre bisherigen Ergebnisse mit dem anderen teilen. Sheldon geht davon aus, dass Kripkes Arbeit seiner natürlich unwürdig ist, muss sich dann aber eingestehen, dass seine ein Nichts gegenüber der von Kripke ist. Um sich die Blöße nicht zu geben stimmt er Kripke zu, als dieser annimmt, es würde alles nur von Sheldons exzessivem Sexualleben mit Amy herrühren, das ihn völlig von der Arbeit ablenke.

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_The-Big-Bang-Theory-Episoden)

Der Kenner weiß natürlich, dass Sheldon asexuell ist. Ausgerechnet der Gärtner ist plötzlich Bock.

Kripke hinterfragt, um auf Anzügliches zu stoßen und Sheldon – der von Sex keine Ahnung hat – antwortet ehrlich.

“Habt ihr auch Spielzeug im Schlafzimmer?”

“Ja. Ich habe eine kleine Rakete neben dem Bett stehen.”

“Eine Rakete im Bett? – Du alte Sau, du!”

Inverse Schlussfolgerungen

Victor_Zoi_1986Am 15. August 1990 starb Wiktor Robertowitsch Zoi nach einem Unfall.

Er war – laut Polizeiprotokoll – völlig übermüdet gewesen, fuhr zu schnell und war darüber hinaus nicht angeschnallt. Zoi verlor am frühen Morgen in der Nähe von Tukums auf der Straße nach Talsi die Kontrolle über sein Auto und rammte einen Bus.

Im Unfallwagen fand man ein Band mit Zois Gesang für ein neues Album der Rockgruppe, welches anschließend aufgenommen wurde, unter dem Namen “Чёрный альбом”.

Sein Grab in Sankt Petersburg, auf dem Bogoslowskoje-Friedhof, ist bis heute ständig mit Blumen geschmückt, in Moskau und Minsk errichtete man eine Wiktor-Zoi-Gedenkmauer …

Zois Texte (waren|sind) genial: Etwas Perstroika-Gefühl, viel Inhalt, tiefe Nachdenklichkeit, Wort- und Sprachästhetik pur.

Zois Tod kam für viel zu früh.

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Spätestens jetzt sollte der Fan wissen dass es besser ist, sich anzuschnallen und sich gut auszuruhen, bevor man sich auf eine lange Reise macht, aber nee:

“Über 65 Jugendliche in der Sowjetunion nahmen sich nach dem Tod Zois das Leben, weil sie glaubten, es hätte ohne ihr Idol keine Bedeutung mehr.” (Wikipedia)

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Das Phänomen “Wertherfieber”. Eine Begrifflichkeit, die dem Auftreten einer Suizidwelle nach der Veröffentlichung von Goethes Roman Die Leiden des jungen Werthers im Jahr 1774 geschuldet ist und wozu Goethe überrascht notierte:

„So verwirrten sich meine Freunde daran, indem sie glaubten, man müsse die Poesie in Wirklichkeit verwandeln […] und sich allenfalls selbst erschießen: und was hier im Anfang unter Wenigen vorging, ereignete sich nachher im großen Publikum.“ (Goethe)

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Ein Gurt ist oft die bessere Alternative.

Oder Schlaf.

Eine Sehnsucht namens Minimalismus

Wenn alles vorbei, bleibt den Trauernden ein großer Haufen Zeugs, das es zu entsorgen gilt und eine Frage, die ängstigt:

“Was wird eigentlich, wenn ich nicht mehr bin?”

Habe ich überhaupt das Recht, alles aufzuheben? Nur weil diese oder jene unnötige Erinnerung daran hängt? – …

Man sollte endlich weniger kaufen und deutlich mehr wegschmeißen, damit das Gleichgewicht wieder hergestellte wird!

So krakele ich LOVOS!* in meine Notizbuch-App, öffne den Schrank, das oberste Schubfach, finde: Freedom to be!

😉

vip-bered-kartotscka

@? – Ach ja! und “YES!” – @!!!

Diese Karte beweist – eigentlich – dass ich einst zu den Schönen und Reichen von Sankt Petersburg gehörte. Eine solche Karte kostete damals, im Jahre 2001, 500 US-Dollar – aber man durfte sie sich NICHT so einfach kaufen. Nur auf Empfehlung. UND ICH – *tusch* – BEKAM SIE SOGAR GESCHENKT.

*fanfarenklang*

Witzig: Ein Reicher Russe muss normalerweise bürgen, damit ein anderer 500 Dollar verbrennen darf. Aber wenigstens gelangt man mit solcher Kartotschka in alle Bereiche einer Schönen-und-Reichen-Disko, wo man von hübschen Mädels auf der Suche nach einem “Sponsor” angegraben wird.

<erinnerung>

Zügellose Heiterkeit in Sankt Petersburg als ich “danke, aber ich bin verheiratet” sagte. Was in Sankt Petersburger Nachtklubs, wenn ein Mann es sagt, gleichbedeutend mit “ich kriege keinen mehr hoch” oder “danke, ich bin schwul” ist. So dass mancher verliebte Russe ein solches Mädels lieber auszahlt, ohne deren Dienstleistung jemals in Anspruch nehmen zu wollen. Damit niemand falsch denkt. Ein Mann ohne Nutte ist wie ein Hafen ohne Schiff.

Allerdings überhöhte ich meine Position, indem ich in die Heiterkeit hinein mit “… und ich liebe meine Frau” nachlegte, was vielleicht sogar cool klang. Zumindest hörten die auf zu grinsen …

</erinnerung>

Sollte ich ausgerechnet mit dieser Karte anfangen, auszumisten?

Aufgehoben ist nicht aufgeschoben – Landein-landaus-tagein-tagab- ~ oder der so ähnlich.

Mein Wunsch nach Minimalismus bleibt in der Wiedervorlage.

~~~

ABER endlich-endlich kapiere ich die ollen Griechen im Allgemeinen und Diogenes im Besonderen. “Geh mir aus der Sonne” zu sagen, ist ebenso cool wie sich nach einem Eisbären-Spiel in die VIP-Longe zu setzen und sich einfach nur einen Tee bringen zu lassen. Oder in einem Sankt Petersburger Nachtklub als Mann auf Nutten zu verzichten.

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*LOVOS – Akronym – “Lifestyle of Voluntary Simplicity” – Lebensstil, der sich als Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht. Bedeutet durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken, um hierdurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen.

Kontinuität

Jeder Hund schüttelt sich, wenn genug gelegen. Жизнь продолжается. Und: Es geht immer weiter. Так или иначе, also so-oda-so. Daher sage ich “какой кошмар!”beim Kaffeekochen, um diesen Ausruf humorig begründen zu können.

“OMG! – Unsere Küche sieht aus, als sei sie gerade erst von der ruhmreichen Roten Armee befreit wurden.”

Worüber wir beide schmunzeln: Ich über den eigenen Gag und sie, weil sie weiß: Der Mann ist wieder der Alte. The show must go on.

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Einiges ist inzwischen liegen geblieben. Daher lasse die Finger knacken, alle zehne und öffne Sonnensacks Twitter-Account. Zunächst will ich etwas zu den Eisbären anmerken ~ 0:2 in Pilsen, im Livestream für umgerechnet 6 Euro, junge Spieler waren am rödeln ~ und verzichte dann doch darauf.

Schreibe lieber was Hertha:

#herthabsc – gestern war es schwer durch charlottenburg zu laufen, ohne ständig von sektkorken getroffen zu werden.

Ein Bohei in Berlin und Potsdam! Hertha-Fahnen an den Balkonen, als ob wir es nicht auch so hätten wissen können: Der Aufstieg ist dem Meer abgerungen und nun bleibt der Mannschaft nur noch zu gewinnen…

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Posten entspannt. Jetzt kann ich tun, was längst getan hätte müssen. Klicke auf das E-Mail-Programm-Icon, finde eine Nachricht:

“Ich bitte dich auf deutsch übersetzen. Danke”

Hach-ja – “auf deutsch übersetzen”. Das mach-mer doch gerne!