Das Stonehenge-Verhalten

17. Tag

Nachbereitung:

“Hast du gesehen, der Mann hilft seiner Frau nicht aus dem Mantel?! – Er kümmert sich auch nicht um sie, legt ihr Kuchen nicht auf den Teller und (für eine Ukrainerin schwer vorstellbar) erzählt öffentlich über die Missgeschicke der Gattin. ~~~ Sind beide wirklich Mann und Frau ein und der selben Familie?”

“Deutsche sind so”, erkläre ich ihr. Der Wunsch, sich zu paaren, bringt Deutsche zusammen, deren Steuergesetzgebung lässt sie aneinander kleben bleiben. Wie Fliegen an der Klatsche. Den Deutschen ist der oder die Einzelne alles, die Gemeinschaft nichts.

“Der Starke ist am mächtigsten allein” dichtete Friedrich Schiller, was im Übrigen auch Adolf Hitler in “Mein Kampf” …

Sie unterbricht scharf:

“Soll das etwa modern sein?”

Eine Frage, die provoziert.

“Nein! – Modern ist das nicht!”

Gewisses Verhalten ist viel-viel älter als man vermutet. Wie Stonehenge exemplarisch beweist: 3000 Jahre vor unsere Zeitrechnung trafen sich hier, an Stonehenge, Menschen zum Vögeln, feierten dabei auch noch ein Riesenfest und gingen schließlich auseinander.

Die Stonhenge-Menschen verhielten sich modern und ur-menschlich zugleich, wogegen man die Ehe, mit aller mit ihr einher gehenden Verlogenheit, erst viel-viel später erfand. Und zwar nach der Erfindung des Wortes “Meins”.

“Meine Frau, mein Haus, mein Pferd …” –

Meins macht einsam, Meins erfand Gott.

Es ist mein Lieblingsthema. Immer wieder könnte ich mich bei der Analyse menschlicher Abgründe “rein”steigern. Das Böse ist normal, das Gute die Ausnahme.

Wäre es umgedreht, würden die Neandertaler heute noch leben, gleichberechtigt neben uns.

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Die TMS-Inszenierung

(Überschrift ausgeschrieben: Die Toller-Mann-Selbstinszenierung)

Eigentlich ist es komisch, dass man in Deutschland jeder andersartigen Erfahrung trotzend auf Unterschrift vertraut. Sogar in wichtigen Dingen, wie bei der Planung von lebenslangen Zusammenleben, bei der Schaffung einer Ehe und bei Familiengründung. Drei Kreuze genügen, denn …

„Was man schwarz auf weiß besitzt
Kann man getrost nach Hause tragen.“*

So glaubt wohl jeder deutsche Bräutigam und hievt nach Unterschrift seine Braut über die Schwelle. Im blinden Vertrauen darauf, dass alles so bleibt, wie in den ersten Stunden der Liebe. Obwohl auch er – eigentlich – wissen könnte, dass die Liebe eine veränderliche Hilfsgröße ist, nur dazu geeignet, Empfindungen zu messen, ein Parameter, eine Formvariable, also eine Variable zwischen vielen anderen und gut geeignet einige Hoffnungen zu zerschmettern.

Er hofft – vielleicht – am Tag der Hochzeit, sie werde sich von nun an nie mehr verändern – doch sie ändert sich (jedes Jahr ein Kilo). Sie dagegen hofft darauf, dass er sich eines Tages ändern werde – doch der ändert sich nie. Normal ist Langeweile. Weil – nun will ich die Einleitung aber abschließen – niemand gelehrt bekommt, worauf es wirklich ankommt.

Lesson 1 – Glückskunde

Das Glück einer Frau ist der Neid ihrer besten Freundin. Die wiederum genau dann am neidischsten, wenn sich der Angetraute einer ihrer Geschlechtsgenossinnen als toller Hirsch entpuppt. Als nützlich, lebenstauglich, pfiffig usw., was aber – MÄNNER AUFGEPASST! – nie von selber kommt, sondern inszeniert werden muss. Wie in folgendem Beispiel aus dem Hause Solironow:

Lara wollte unbedingt einen neuen Herd haben. Einen der mit „M“ beginnt und mir „IELE“ aufhört. Dazu noch einige Schränke, dazu eine neue Spülmaschine, sowie bei dieser Gelegenheit auch noch dies und jenes mehr. Sie wurde auch fündig, das Angebot ward fällig.

Also bin ich – pscht! – tippel-tappel-heimlich hin, ins Küchenstudio, und instruierte den Verkäufer in meinem Sinne. „Wenn Sie uns ein Angebot machen, seien Sie bitte so nett und machen es deutlich teurer, als es wäre. Dann komme ich noch einmal vorbei und feilsche mit Ihnen.“

Gesagt – getan: 500,00 Euro gab der Verkäufer letztendlich im Preis nach!

Inzwischen bin ich wieder einmal der Held unsere Ehe, sie hatte ihre Show und etwas zu berichten, was geeignet, jede Freundin der Welt neidisch zu machen.

Lara sagte zu mir auch prompt „уважаю“ – Deutsch: „Respekt!“ – und das ist nach 10 Jahren vertraglicher Bindung und 20 Jahren des gegenseitigen Sichkennens allerhöchste Anerkennung. Und: Es macht mich mit mir selbst zufrieden.

—-

* Das Zitat ist von Goethe, siehe Faust I, Vers 1966f

Das Blumengleichnis

Lara liefert einer Freundin seit einer Woche schon Ratschläge vom Fließband. Sie engagiert sich weil eine fremde Ehe vakant. Diese Beziehung zu retten ist nun ihre Aufgabe.

Gestern hörte ich – unfreiwillig – zu, Russinnen sind am Telefon immer gern etwas laut, und staune über manche “Erkenntnis”, die Lara zum Besten gibt.

“… und wenn er dies sagt, sagst du das ~ … ~ das anderes musst du einfach ignorieren ~ … ~ einfach ist es nie ~ … ~ Männer sind so ~ @… ”

… und so weiter und so fort.

Hier lehrt Erfahrung. Und obwohl es nicht um uns geht, vermute ich anhand der Ratschläge, dass meine Frau glaubt, MICH manipulieren zu können.

Doch was sie für Manipulation hält – behaupte ich trotzig – ist Einordnung.

Und: Eine Frau kann nur dann zu dem Glauben gelangen sie beherrsche den Mann, wenn sie sich von ihm beherrschen lässt. In einer jeder Ehe sind Mann und Frau korrespondierende Gefäße. Sind sie es nicht, wird geschieden. Oder gemordet.

“Gib her!”, sage ich daher ungehalten, nehme den Hörer selbst in die Hand und erkläre der Freundin, wie ES wirklich ist:

“Am ehesten sind Männer mit Blumen zu vergleichen. Lob ist die Sonne, die sie im Innersten wachsen lässt. Der Partnerin Aufgabe ist das Wasser, welches sie zur Selbstzufriedenheit aufnehmen. Und Zugeständnisse sind der Dung, welcher in jeder Beziehung vonnöten.”

Fliegt lieber!Der Blumenzüchter welcher glaubt, eine Pflanze könne ohne Licht, Wasser und gutem Nährboden gedeihen – der hat bereits im Ansatz verloren.

Binationale Ambivalenz

Man(n) kann in einer deutsch-ukrainischen Partnerschaft zwar deutlich besser den Ton angeben als in einer deutsch-deutschen, wird dafür aber auch stärker in die Pflicht genommen.

So saß ich gestern “ewig” lange mit und für Lara im Vorzimmer eines Amtes, nur um gemeinsam mit ihr auf die Herausgabe ihres [sic!] Führerscheines zu warten. Was mir in meiner ersten Ehe – mit einer Deutschen – nie und nimmer passiert wäre.

Und überhaupt: Ich könnt’ den Brüderle machen.

Aufenthaltstitel?

Wer hat’s gemacht? – Ich hab’s gemacht!

Mietvertrag?

Wer hat’s gemacht? – Ich hab’s gemacht!

Arzttermine?

Wer hat’s gemacht? – Ich hab’s gemacht!

Wozu übrigens anfangs sogar ihr Frauenarzt gehörte. Erst als sie eine russischsprachige Ärztin fand, sah ich mich plötzlich ausgeschlossen.

Aber egal: Im Prinzip habe ich Recht. Solcherart binationale Lebensform liefert den Klassiker:

“Der Mensch wird frei geboren, und überall ist er in Banden. Mancher hält sich für den Herrn seiner Mitmenschen und ist trotzdem mehr Sklave als sie.”*

Und: Als im Jahre 1762 Jean-Jacques Rousseau zu eben jener Erkenntnis kam, verwendete man Mensch und Mann noch gleichbedeutend.

——

* Quelle: “Vom Gesellschaftsvertrag”, Buch I, Kapitel 1, Jean-Jacques Rousseau, 1762

Die Sprachparadoxien einer Beziehungskonstante

Die russische Vokabel für “Ehe” lautet “брак”. Janusköpfig, finde ich, weil “брак” nicht nur “Ehe” bedeutet, sondern auch “Ausschuss” oder “Murks”.

Demgegenüber kommt eine deutsche Ehe aus dem Althochdeutschen ge(sp|k)rochen daher, worin die Vokabel für “Ewigkeit”, “Recht” und “Gesetz” stand.

Die russische Ehe-Vokabel kann also Murks bedeuten, derweil die deutsche Vokabel vorgibt, Fels in einer Brandung zu sein, Trutzburg, Schild, Anker … – ~ – Was wiederum anhand vergleichenden Sozialverhaltens insbesondere ab der 1990er Jahre geradezu absurd ist. An die Stelle von “Ewigkeit, Recht und Gesetz” setzten die Deutschen “Einigkeit und Recht und Freiheit”, dergestalt dass man sich nach dem Akt der Eheschließung unverhohlen fragen darf:

“Wir sind uns also einig, dass wir auch weiterhin das Recht auf Freiheit haben?!”

Wogegen man sich in Osteuropa wenigstens bemüht, eine Ehe gar nicht erst Murks, bzw. Ausschuss, werden zu lassen. Mit zahlreichen Verhaltensmustern, die ich – solange ich keine bessere Erklärung finde – “instinktiv” nennen möchte.

“Deine Frau sagt immer, DU müsstest dies und jenes entscheiden. Unterdrückst du sie etwa?”

“Im Gegenteil!”, behaupte ich voll überzeugt. Wohl wissend, dass – mit Ausnahme wichtiger Dinge, wie Elektronik, Auto oder Software – SIE alles entscheidet (nach Rücksprache zwar – aber das wiederum, ist reine Formsache.) Also: Jede Balkonpflanze, jede Gardine im Wohnzimmer, jeder Fisch, der uns auf den Tisch kommt – alles ihre Wahl.

“Frau entscheidet selbst” ist eine Option, die ich darüber hinaus bei Gelegenheit öffentlich zur Schau stelle. Es ist nämlich lustig, in das Gesicht eines Hausierers zu gucken, der gerade von einem südländisch aussehenden, stark nach Macho riechendem Mann – dem typischen Migrationshintergründler also – zu sagen bekam:

“Das kann ich überhaupt nicht selbst entscheiden – bei uns entscheidet immer nur die Frau!”

Einer trägt des anderen Last. Wer sich in einer Beziehung hierauf verlassen kann, lebt ruhiger. Dessen Ehe ist vor Viren geschützt.