Triebgesteuerte Kaufsucht

“Irgendwie brauch-ich des”, dachte ich beim Durchblättern des Werbeheftchens, ging extra deswegen zu Tchibo, kaufte mir 5 bunte “Kabelmanager” für 4,95 Euro und stelle fest, DASS ICH DEN KICKIFAX NICHT BRAUCHE, nie brauchte und niemals brauchen werde.

Mehr noch: Eine drahtig gebogene Büroklammer erfüllt den gleichen Job viel-viel besser.

Anyway: Für ein kleines Moment – als ich die hübsche Verpackung in der Hand hielt – spürte ich das Glück der Selbstbelohnung. Wie früher etwa, als Kind, wenn der Vater von einer Dienstreise “was” mitbrachte. Wie ein Hund der Lekkerlie bekommt (wofür diese Idioten sogar bereit sind, Unterwürfigkeit zu heucheln).

Jedenfalls ~~~ war ich wieder einmal, wie jede(r) andere auch.

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Das jüngste Testament

Die 11. Plage

Und Mose sprach: So spricht der Herr: Von nun an will ich durch die Lande gehen, und alle Menschen sollen sich gegenseitig Ratschläge geben, vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron sitzt, bis zum ersten Sohn der Magd, die hinter ihrer Mühle hockt.

😉

Lara ist auf der Suche nach einer neuen Küche unvorsichtig genug gewesen, dies ihrem Freundinnenkreis und Teilen der Sippschaft mitzuteilen. Seither werde sogar ich – der nun überhaupt nichts damit zu tun hat – mit blöden Tipps gequält. Bei Boss sein Küchen billiger als bei Porta. Bei Ikea muss man selbst schrauben und meist ist alles nach Weihnachten viel-viel billiger als davor.

Mich betrifft das Thema nicht unbedingt, ich könnte einfach nur mit den Augen rollen oder zum Selbstschutz Sprüche klopfen, wie:

Vor Weihnachten ist immer – ebenso wie danach.

Oder:

Für einen Mann ist die Küche nur der Ort, wo der Kühlschrank steht – für alles andere gibt es den Lieferservice.

Doch unabhängig davon gilt es nun, Lara zu schützen, da traf es sich hervorragend, dass zufällig die wichtigsten Ratgeber beim Kaffee zusammen saßen.

Diese klärte ich auf:

“Lasst sie in Ruhe kaufen. – Schönes Einkaufen ist wie schöner Sex. Es kommt bei dem einen wie bei dem anderen mehr auf den Prozess an als auf das Ergebnis.”

Bestimmt habe ich Recht. Suche und was man braucht gefunden zu haben – es also selbst erlebt zu haben – ist wahrscheinlich größeres Glück als die Kamasutra im Regal.

Verknautschte Auferstehung

Ich schlürfe ausgeruht und gutgelaunt in die Küche und stelle fest: Der Kaffee ist alle.

Dumm gelaufen: Kardamom ist zwar vorhanden, der Herd funktioniert hervorragend, Zimt und Nelken könnte ich aus dem Regal nehmen, nur der zugehörige Kaffee ist bereits verbraucht! – Der “richtige” Kaffee, um dies zu präzisieren.

ICH BRAUCHE MEINEN KAFFEE, staubfein gemahlen, nach Beduinen-Art bereitet. UND WEIL ICH MICH NUR UNGERN MIT ZWEITKLASSIGKEIT ANFREUNDE muss ich heute warten, bis 9:30 Uhr der Kaffee-Laden im Einkaufs-Center* öffnet.

Der berühmte Somerset-Maugham-Spruch …

“It’s a funny thing about life; if you refuse to accept anything but the best, you very often get it.”

…bekommt ausgerechnet heute neuen Inhalt.

“Wann?” ist nämlich auch eine der vielen Fragen ~~~~~ derweil ich mich im Augenblick fühle, wie ein Sachse im Siebenjährigen Krieg.

Ohne Gaffee gönn mer nich gämpfn!

~~~

Nur: “Es ist achtmal besser einmal Null-Acht zu verlieren als achtmal Null-Eins” poste ich auf Facebook, um wenigstens einige Eisbären zu trösten. Gleichwohl drängt sich eine gewisse Erwartung auf:

Na mal seh’n, was heute noch alles so schief läuft …

~~~

* Schade übrigens, dass inzwischen das schöne Wort “Promenade” aus der deutschen Sprache verschwinden tut. Promenade heißt überall “Center” (das aba nurmalnebenbei)

Ein Kilo Bauchgefühl

Polarkreis 18. Allein-allein. Sitze da, schmiede Sätze bis ich – PLÖTZLICH! – merke, dass Feiertag ist. Zumindest hier bei uns, bei uns in Brandenburg.

Habe ich also am Feiertag geschuftet!

Da niemand da ist, der mich lobt, muss ich mich also selbst belohnen. Am besten voller Schadenfreude, am besten in Berlin. Es zieht mich also dorthin, wo die Leute an den verschiedensten Feiertagen arbeiten müssen.

Über eine Selbstbelohnung brauche ich nicht lange nachzudenken: Ich brauche mal wieder ein neues Phone. Der Akku des alten macht es nicht mehr lange.

“Tohuwabohu” ist neuerdings meine Lieblingsvokabel. Sie passt prima auf den Mac-Store am Berliner Kudamm, wenn in Brandenburg Feiertag ist. Alle Parkplätze sind bestellt, Himmel und Menschen im Laden – geduldige Verkäufer. Wahrscheinlich meditieren die heimlich ~

“Ich kenne Sie”, sagt ein Verkäufer, “Sind Sie nicht ein erfolgreicher Bauunternehmer?”

Hmmm. Wäre ich Bauunternehmer, wäre ich wahrscheinlich erfolgreich. Gleichwohl kommt mir der Verkäufer bekannt vor. Wir scannen uns gegenseitig, ihm fällt es zuerst ein:

“Ach-nee. Wir kennen uns vom Hundeplatz! – Ich bin der mit Wotan.”

Tolle Karriere: Vom Bauunternehmer …

– vom erfolgreichen!

… vom sehr erfolgreichen Bauunternehmer zum Hundeplatz-User!

<Fortsetzung folgt – ich muss dringenst looos. Heute. Hektik. Hilfe!>

~~~

Hier liegt mein Selbstlob, meine Selbst-Belobigung, mein Preis für Fleiß:

2013-11-01 06.27.04

Die Probeevakuierung

Da schreibt man so seine Beiträge und bemerkt erst beim Schreiben, wer oder was im eigenen Leben prägend war.

Bei mir war es – wie bereits geschrieben – Tatjana Andrejewna, meine Mathelehrerin. Sie hatte zu jeder Matheaufgabe den passenden Spruch, wie den vom Freund des Feindes, der nie so richtig Freund sein könne oder:

Je komplizierter die Übung – desto leichter der Kampf!

~~~

Eigentlich war einfach nur der Kaffeetopf leer.

“Ich gehe rasch Kaffee kaufen”, sagte ich daher. Dass ich bei dieser Gelegenheit gleich auch “rasch” noch Äpfel mitbringen könne, befand Lara.

“Ach, ~ und Hefeteig, ~ und Mineralwasser, und ~ Geld vom Automaten, ~ und, und, und …”

Der sowjetische Spruch von jeder “sich selbst strafenden Initiative” fiel mir spontan dazu ein und ich zottelte los. Fand Äpfel, suchte “ihren” Hefeteig, den ich nicht fand ~ als eine aufgeregte Stimme über das real-Bordmikrofon rief:

“Die 33 an die 720 bitte – die 33 an die 720 bitte – die 33 an die 720 bitte -die 33 an die 720 bitte – …”

Später wurden wir Kunden gebeten:

“Wir bitten Sie umgehend das Gebäude zu verlassen”

“Was issen los?”, fragten einige Kunden – “das nur ist eine Übung” antwortete denen eine Frau, die aussaht, als sei sie die Chefin vons Janze. Derweil ich mir Gedanken, ob der Vokabel “umgehend” mache:

Wie kann man ein Gebäude “umgehend” verlassen?

~~~

Heute wird man in der Zeitung lesen, dass niemand wusste, dass es sich um eine Übung handelte:

probe-evakuierung

~~~

Eine der Durchsagen machte mich wütend:

“Liebe Kunden, es gibt keinen Grund zur Aufregung …”

gernot_hassknechtJa, wie soll man sich da nicht aufregen?! ICH BRAUCHE KAFFEE, IHR DUMPFBACKEN, IHR! ICH BRAUCHE KAFFEE ODER MEIN AUTO, DAMIT ICH WOANDERS KAFFEE KAUFEN KANN … – …

Ist das etwa kein Grund?

Und: Alles nur, weil die 33 nicht an der 720 war.

Altdeutsche Wurst

Vor etwa 2 Jahren mokierte ich mich über die Nachsilbe “-frisch”. Fragte mich und die Leser:

“Was zum Teufel ist an Alpen frisch? Oder an Fässern?”

Abgehakt.

~~~

Ich. Gestern. Einkaufen. – Gucken. Sehen. Stoppen.

Nehme Wurst in die Hand und fotografiere die Verpackung:

2013-09-11 15.09.57

Überlege: Altdeutsche Salami? Markenwurst?

Semantisch betrachtet verhält sich “Altdeutsch” zu “Salami” wie ein “Hamburger” zur “Cuisine française”.

So dürfen wir uns also verarscht fühlen, weil Salami – der Name verrät es – von den Italienern erfunden wurde (italienisch salame = Salzwurst oder Salzfleisch, oder von mir aus auch aus dem Lateinischen salare = salzen). Weil daher unter allen italienischen Salamisorten keine altdeutsche ist oder sein kann.

Selbst die 1883 in Szeged an der Theiß vom berühmtesten Salamimacher Mark Pick entwickelte Ungarische Salami hat ihre Idee den Italienern und nicht den Altdeutschen zu verdanken.

~~~

In fast allen kommunistisch-aufklärerischen Nachkriegs-Propaganda-Heften aus der Sowjetunion taucht mitten im Krieg – meist mitten im Stalingrader Frost – jeweils ein Russe auf, der (anders als der dumpfe, kulturlose, total verblödete Faschist ihm gegenüber) Heinrich Heine kennt aus dessen Werk zitieren kann.

DIESEN RUSSEN MACH ICH EUCH HEUTE:

“Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch –
Wir weben, wir weben!“

Man könnte den dreifachen Fluch im Übrigen auch pökeln.

~~~

Die Rügenwalder Mühle wird seit dem letzten altdeutschen Zusammenbruch fremd verwaltet, der Rügenwald wurde Neupolnisch, derweil die neue altdeutsche Mühle seit 2012 wieder “echtes” Salz mahlt ~ das aber am Ostufer des Zwischenahner Meers.

Hübsch anzusehen ~ das altdeutsche Feeling.

~~~

Ach übrigens: Die ursprünglichen italienischen Salamis enthielten immer [sic!] Esel- oder Maultierfleisch, was heutzutage in Neudeutschland ein Skandal wäre. Und – notabene – Salamis haben immer einen grauweißen Naturschimmelbelag (Edelschimmel).

gernot_hassknechtIST DAS ETWA SCHIMMEL AUF DER SALAMI? SIEHT SO ETWA EINE MARKENWURST AUS? WEN, IHR DUMPFBACKEN, WOLLT IHR DENN SO VERARSCHEN? WAS, IHR ÄRSCHE, IST DENN DAR…

*~ musik aus dem off ~*

Samstagsparadoxien

Es war bereits gegen nach 1:00 Uhr als ich das Schlüsselloch suchte – leicht beschwipst und stark verspätet. “Das WIR gewinnt”, denke ich SPDmäßig und in der Tat: WIR hatten gewonnen. 4:1 sogar! Was WIR hinterher natürlich kräftig feierten –

– ‘s war Ahiszeit in Berlin!

Trotz allem gibt es Regeln – jeder Hund wird von seiner inneren Uhr geweckt. Oder von einem anderen Hund 😉

4:30 Uhr gingen WIR an die frische Luft zum Gassi. Dem folgt – wie an jedem Tag, den Gott werden lässt – das Frühstück mit Granny aus der Familie der FrühaufsteherInnen. Und im Weiteren, an allen Samstagen, gehen WIR zeitig einkaufen, weil es zeitig nicht sooo voll ist.

Heute ist es anders, weil Grannys Bein schmerzt und Lara sich müde fühlt; sie will sich endlich einmal ausschlafen.

Whatever can go wrong will go wrong: Ist der Mann hundemüde, schläft die Frau sich aus.

Ich gehe also einkaufen. Allein. Gerate in eine Schlange, in welcher einem potenziellen Kunden vor mir dessen Karte nicht durchgeht. Doch anstatt aus der Schlange zu treten, wie es seine Richtigkeit hätte, beschuldigt der Blödmann den Scanner …

– the other line always moves faster! –

… dessen Funktion er mit dem Ausruf “das gibt’s doch gar nicht!” belegt.

*seufz*

Die Kassiererin bittet ihre Kollegin der Form halber um Hilfe.

“Claudi, kannste die-ma bei dir durchziehn?”

Auch Caudis Scanner liefert den Klang des Buzzers – ERROR! – wozu der renitente Mann mehrmals “das gibt’s doch gar nicht!” ruft. Was wiederum fast sogar witzig, denn das zugehörige Ereignis läuft vor unser aller Augen ab.

Paradox: Was ist, kann doch nicht „nicht“ sein!

Plötzlich bemerke ich dass ich mich in Absurdistan befinde: Diejenigen, die das wenigste Geld auf dem Konto haben, verdecken ihre PIN am sorgfältigsten; wer eine Rolltreppe verlassen könnte, bleibt plötzlich stehen; der Stubenhocker tippt auf die Wetter-App und eine Frau muss schlafen, wenn ihr Mann müde.

Womit der Kreis wieder geschlossen und die Geschichte neu beginnen könnte, denn ein Mops kam in die Küche und stahl dem Koch ein Ei.