Witz ohne Pointe

28. Tag

Sie ist heute heiter.

Im Netz fand sie einen Witz, den sie mir jetzt erzählt:

Igelkinder rennen kichernd über eine Wiese. Da kommt ein Hase des Weges daher.

“Warum lacht ihr denn so? Warum so lustig? Habt wohl am Schnaps gerochen?”

“Wir lachen weil das Gras so kitzelt. Vor allem am Pipimann.”

Lustig ist vor allem, WIE sie diesen Witz erzählt. Mitlachend. Sich darüber vorfreuend, dass ich möglicherweise ebenfalls lachen oder wenigstens schmunzeln werde.

* * *

Kitzeln heißt auf Russisch “щекотать”, gesprochen “tschtschekotatj” – mit zweimal “tsch” am Anfang. Kitzeln ist eine derjenigen russischen Vokabeln, bei der man sofort hört, worum es geht.

Andererseits ist jedem natürlich klar, dass lachen muss, wer sich kitzeln lässt. Das sollte eigentlich nicht komisch sein.

Isses aber.

Religionsfehler

25.Tag, Kurz nach Mitternacht

Wer seinen Popen nicht mag, muss ins nächste Dorf und wer bei gleicher Prämisse in Potsdam wohnt, fährt nach Berlin. Und ich – der Atheist – muss mit.

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Leider will sich der Pope nicht fotografieren lassen. Was ich respektiere. Daher bleibt mir nur die Beschreibung des Grotesken der Situation, ohne zugehörige Illustration:

Wir erleben kirchenslawischen Gesang, Liturgie und Kostümierung, Vieles davon wie vor 1.000 Jahren. Dennoch ist alles hier so “unwirklich”, wohl weil der Pope ein Smartphone in der Hand hält und es erst als Zeitmesser [sic!], später auch zum Simsen nutzt.

Punkt Mitternacht – drei, zwei, eins, – wird in Charlottenburg wie in der Nacht von Silvester auf Neujahr Krach gemacht. Zwar ohne Raketen, dafür aber mit blechern klingenden Kirchenglocken.

:-S

Laras Freundin ist ob meines Kopfschüttelns empört.

Ich entdecke seitlich einen Blick, der sagt: “Du blöder Atheist!  – Wer nicht glaubt, kann-ja auch zu Hause bleiben” und erfahre die höfliche Variante dieses Blickes in Gestalt einer provokativ-rhetorischen Frage:

“Darf ein Pope etwa kein Smartphone nutzen?”

Das darf er wohl — aaaber: Nach Auskunft ausnahmslos ALLER Evangelien ist Jesu Auferweckung exklusive Tat Gottes UND WURDE VON NIEMANDEM BEOBACHTET. Erst später werden “die Folgen” als “wahrgenommen” beschrieben. Und zwar von irgendwelchen Frauen, die erst entdecken, dass sein Grab leer und anschließend – so steht es geschrieben – von Engeln die Frohe Botschaft erfahren. Womit diese Frauen anschließend zu den Jüngern kamen.

Von einer Uhrzeit kann nicht die Rede sein, zumal zu Jesus Zeiten die Uhr noch nicht erfunden, zumindest nicht der Sekundenzeiger. Auch Mitternacht gab es seinerzeit nicht, nur unbestimmte Dunkelheit.

Einmal in Schwung, lasse ich meinen moderaten Religionsvortrag mit einer sanften Mahnung enden:

“… und im Übrigen sind denen hohe Absätze verboten, die zur Kirche des Rechten Glaubens gehören wollen, ebenso Hosen, wenn diese Frauenbeine bedecken.”

Dann fällt mein Blick auf den Korb:

korb

Rotwein, Salz, Mineralwasser und Äpfel —> DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN!

“Willst du den Lieben Gott verarschen?”

Tradition ist “освящение крашеных яиц и куличей” (Deutsch: die Weihung gefärbter Eier und des Kulitsch-Kuchens), aber ein Apfel ist doch kein Ei und Salz ersetzt keinen Kuchen.

Egal. egal. egal. egal – ich will einfach nur nicht selbst belehrt werden. Und wäre ich kein Atheist, wäre ich ein Pope. Sogar ein guter, wie mir scheint.

* * *

Ohne groß geplant zu haben, entwischt mir ein Joke:

“Lara, pass auf dein Körbchen auf. Sonst hält das ein Kazap* noch für die Krim und nimmt es dir weg.”

<heiterkeit>
😀
</heiterkeit>

——-

* Kazap – aus dem Ukrainischen “kak Zap” = “wie eine Ziege”.

So wie die Deutschen für Österreicher “Piefkes” sind, werden Russen von Ukrainern “Ziegenbärte” genannt. Im Gegenzug nennen Russen einen Ukrainer abwertend “Chachol” und eine Ukrainerin “Chachluschka”, was “Kosakenzopf” bedeutet.

Der obligatorische Fastenwitz

An der Villa eines superreichen Russen schellt die Glocke. An der Tür ein armer Mann, welcher seine Bitte um Almosen mit der Bemerkung einleitet, er habe bereits vier Tage nichts gegessen.

An dieser Stelle wird der Arme prompt unterbrochen:

“Vier Tage nichts gegessen?! – Cool. Molodez! Prachtkerl! – Also ich könnte so etwas nicht.”

Der Rohrkrepierer

Am dem Weg nach Hause fällt mein Blick auf die Uhr im Display hinter dem Lenkrad.

„Erst 23:28 Uhr? – Als wir das letzte Mal vom Eishockey kamen, war es hier, an dieser Stelle, bereits am nächsten Tag, und zwar genau genommen 02:30 Uhr.“

„Das letzte Mal kamen wir ja auch aus Hamburg.“

ACHTUNG, (M)EIN WITZ:

„Aber so ein Spiel ist doch normalerweise immer gleich lang?!“

Niemand lacht. Ein dummes Gefühl für jeden Spaßvogel. Also schiebe ich nach:

„Mehr oder weniger.“

Niemand lacht immer noch. Langsam komme ich mir tatsächlich blöde vor. Vielleicht hilft der nächste Joke?

„Zu Hause ist ist immer kürzer zum Bett als von unterwegs aus.“

Ein Passagier verdreht seine Augen, der Fahrer gähnt.

Wäre ich gestern ein Narr – man würde mich heute köpfen.

Emil Steinberger neu aufgelegt

Kreuzworträtsel und Kommunikation passen – normalerweise – nicht zusammen. Man löst es für sich. Ungewollt einbezogen wird es demjenigen automatisch ungemütlich.

Heute. Frühstück. Rätsel.

“Sach-ma, wie heißt eigentlich die rechte Seite eines Kontos?”

“Haben. Rechts ist immer die Haben-Seite, ihr gegenüber, links, steht die Soll-Seite ….”

“NEE. DAS KANN NICHT STIMMEN, weil (!) ein Kontrolleur immer ein Ordner ist. Und ein Ordner hat ein “D” in der Mitte. Die rechte Seite des Kontos MUSS also mit einem “D” beginnen.”

Туннель времени. Captain Z-RO trifft Dr. Who. Die Zeitmaschine bringt uns schon in den frühesten Morgenstunden ins 20. Jahrhundert. Emil Steinberger sitzt im Telegrafenamt und löst Kreuzworträtsel.

 

Steinberger-Medley

 

Alles was heute geschieht, ist bereits einmal geschehen. Alles – selbst der jüngste Gag – schon dagewesen und:

“Das könnte tatsächlich einen Geee haben”

Der wirklich-wahre Witz

Der wirklich-wahre Witz kommt nicht freiwillig und lässt sich nie und nimmer inszenieren. Wahre Witze sind soda – jeder wirklich-wahre Witz ist einfach SO DA.

Nach dem gestrigen großen Sieg unterhalten sich in meiner Gegenwart zwei Männer in Eisbären-Fan-Kostümen:

“So – nun gehen wir beide noch ä schönes Bierchen trinken!”

“Nee, ich darf nicht. Meine Olle hat gesagt: wenn-de diesmal wieder besoffen nach Hause kommst, lass ich dich nie mehr zu de Eisbären hin.”

“Ohr ~ jenau das hat meine Olle auch schon mal versucht. Da habe ich nach nem Spiel extra vülle gesoffen und seither hält-se de Klappe.”

“Richtig! Man darf sich nüscht jefallen lassen. …

– <pause> … </pause> –

… Aber was mache ich, wenn-se mich dann wirklich nicht mehr lässt?”

Fundstück des Tages

Lara fand zufällig den Ausdruck “nimm gefälligst diese Meinung aus deinem Gesicht!”, welchen ich auch deshalb für erwähnenswert halte, weil er in dem Zusammenhang aus dem er gerissen deutlich macht, dass Russen solcherart Humor als “jüdisch” kategorisieren, was man wiederum anhand der Einführung zweier Protagonisten – Sara und Abraham – erkennen kann. Der zugehörige russisch-jüdische Witz geht so:

“Sara, wage es ja nicht, zu widersprechen.”

“Aber Abraham, ich widerspreche doch gar nicht. Wie du siehst, schweige ich.”

“Dann nimm gefälligst noch deine Meinung aus dem Gesicht!”

Den vollen Witz drücke ich in den Skat – “nimm die Meinung aus deinem Gesicht!” kommt in die Wiedervorlage unter das Kürzel #mei.

Das Periodensystem der Ereignisse

Heute steht “Zeitreisen” in der Agenda. Daher schreiben das Jahr 2005 – genau: den 5. August 2005 – und stellen bereits eingangs fest, dass viele Ereignisse periodisch funktionieren, indem sie wiederkehren und sich wiederholen. Im Großen wie im Kleinen.

Auch im August 2005 stand eine Bundestagswahl an. Und damals wie heute diskutierten wir in familia – just zu diesem Zeitpunkt – über Finanzen. Dieser Situation geschuldet erzählte ich dem WWW einen Witz:

Es kommt ein Händler des Weges daher und ruft seiner Frau von Weitem entgegen: „Liebling, heute habe ich den Gewinn verdoppelt!“. „Oh!“, freut sich die Gattin, „du hast wohl viel verkauft?“. „Nein, verkauft habe ich nichts – ich habe aber die Preise erhöht!“

Der olle Witz könnte heute wieder passen. Nur: Heute isser noch weniger lustig als damals, als ich ihn bereits nicht so richtig komisch fand.

Ach übrigens: Vor 8 Jahren war ich online deutlich hektischer als heute, denn ich hatte keine Ahnung, was Facebook kann. So postete ich im Blog [!] zwei Fotos aus dem Arbeitszimmer, derweil ich witzelte, dass sie der Meinung sei, es sähe mit Blumen besser aus.

050805_zeitreise

Typischer Facebook-Joke.

Witz komm raus, du bist umzingelt!

Dazu Schrumms “in eigener Sache” ~ damals war ich noch einer der vielen Erklärbären ~

*schäm*

~ wie hier zum Beispiel:

Manchmal versuche ich einfach nur unsere Kultur des Miteinanderumgehens zu karikieren und wahrscheinlich gelingt mir das nicht immer. Wir Menschen sind – glaube ich – manchmal sonderbar: Da treffen zum Beispiel sich zwei von ihnen, ihren Instinkten oder Trieben folgend, haben mehroderweniger Spaß miteinander und gehen anschließend auseinander.

Soweitsogut.

Aber danach: ER geht in die Kneipe, trifft sich mit seinen Kumpels und der Penis der vergangenen Nacht wird immer härter, größer, fester und länger, gerät schließlich zum Eisenglied. Nach zwei weiteren Bieren folgen wundersame Erzählungen, wie „…um ihr dies zu beweisen, ließ ich einen Zug entgleisen.“

Wir kennen das alle zur Genüge. Für mich neu war nur, dass die Retrospektive auf eine letzte Nacht bei den Frauen mitunter diametral entgegengesetzt verläuft, dergestalt dass der selbe Penis des oben erwähnten Beispiels, in welchem er zum Eisenglied mutierte – auf einmal sonderbar klein und unscheinbar ist. Dieser kleine Nichtsnutz! Er wird als optimistische Aktionist dargestellt, der da fast unbemerkt sein Werk verrichtet – sehr zur Enttäuschung der jeweiligen Bettgenossin.

Witzig ist etwas anderes. Das Fremdschäm-Zeitreise-Syndrom. Doch inzwischen lösche ich nicht mehr, was mir heute peinlich – NEIN, ICH STEHE DAZU UND SCHÄM MICH DAFÜR MASOCHISTISCH: So etwas schrieb ich also vor vielen-vielen Jahren, an einem Tag, der eine Schnapszahl war.

Potsdam, am 05.08.05

Hundeerziehung

2013-05-15 19.27.26Ich nenne sie “antiautoritär”, denn mein Hund muss keine Stöckchen bringen, nie Männchen machen, keine Pfötchen geben oder ähnliche Gesten der Unterwerfung zeigen. So ward er selbstbewusst und Selbstbewusstsein – beobachte ich – macht humorig.

Er läuft meist OHNE LEINE durch Park Sanssouci oder den Babelsberger Park und tut, wenn ihm eine Joggerin oder Radfahrerin entgegen kommt, demonstrativ-desinteressiert. Dabei wartet der Hund nur bis sein Opfer auf gleicher Höhe ist, um plötzlich – WIE EIN BLITZ AUS HEITEREM HIMMEL – loszubellen. Weshalb die meisten Sportler erschreckt zur Seite springen. Was wiederum des Hundes Schwanz zum Wedeln bringt.

Gestern. Eine Parkläuferin vermutet in mir den Besitzer und kritisiert das Verhalten meines Hundes.

“… und Sie sollten etwas unternehmen, Ihr Hund erschreckt ja die Leute!”

Was ich zu relativieren versuche:

“Aber das macht der doch nur aus Spaß. DAS ist doch nicht ernst gemeint.”

Was die Frau allerdings auch ohne Hinweis hätte wissen können: Des Hundes Freude ist offensichtlich.

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