Klimakterialer Dewischnik

Lara sagt beiläufig:

“… ich würde mir heute einmal das Auto nehmen, Natascha ist aus Kiew gekommen, wir sammeln uns zum Mädchenabend [sic!], zu einem Dewischnik, darüber hinaus erzähle ich dir noch dies und jenes …”

Die obligatorische Bemerkung in Bezug auf den Titel der Veranstaltung muss ich mir verkneifen. (Nurmalnebenbei: Man kann es ja wohl kaum Mädchenabend nennen, wenn sich Ü-50-Frauen versammeln, um über die Folgen nachlassender endokrine Funktionen der Eierstöcke zu bereden, Eheprobleme, Nach-Ehe-Knaatsch, oder darüber, dass – späte Lebenserkenntnis – eigentlich alle Männer doof sind.)

Statt einer Bemerkung sage ich mit der liebenswürdigsten Stimme, die sich denken lässt:

“Ich kann euch doch zu Nataschas Wohnung bringen. Ich würde euch auch gern wieder abholen, Anruf genügt, und ich würde euch auch jeweils nach Hause fahren. Was dir gegenüber den anderen Mädels einen Vorteil verschaffen würde. Im Weiteren könntest du den anderen Mädels Tipps geben, wie Männer zu manipulieren sind und überhaupt: Von da an, hätte dein Wort unter den Mädels deutlich mehr Gewicht.”

Sie ist freudig-erstaunt:

“Das würdest du für mich tun?!”

Ja. Das würde ich tatsächlich tun. Für sie und unser Auto.

Werbeanzeigen

Betreutes Klimakterium

Lara ist immer noch sehr hübsch und wird manchmal angegraben.

Inzwischen wird sie sogar von mir ermutigt, sich (unter gewissen Umständen) angraben zu lassen. Einerseits weil Komplimente gut tun – andererseits kann ich persönlich durch lebenden Vergleich nur gewinnen. Was eine Art Anti-Aging-Strategie ist, und zwar für beide Seiten einer Ehe.

* * *

Es ist gestern. Lara steht empört in der Tür.

„Die Deutschen haben überhaupt keine Ahnung, wie man einer Frau Komplimente macht!“

*rhetorische Pause*

„Weißt du, was er zu mir gesagt hat?“

Ich gucke neugierig. Wohl wissend dass sie weiß, dass ich nicht wissen kann, was „er“ gesagt hat.

Scheinbar vermisst sie eine Reaktion und wiederholt sich:

“ Weißt du was er gesagt hat?“

Sie wechselt die Stimmlage, ironisiert, steigert sich innerhalb einer Grundempörung, zieht den kommenden Satz in die Länge.

„Frauen über 40 merke man eine gewisse Reife an.“

Jetzt grinse ich. Diese Deutschen! *lol*. Und überlege dabei: Ist dieser Delinquent einfach nur ins Fettnäpfchen gelatscht oder hat er ein Neg platziert?

Egal. Ich mache mir den Spaß und setze einen drauf. – „Empörend! Wo du doch schon über 50 bist!“

„Noch so ein Idiot“, sagt sie nur, und bumst die Tür.

* * *

Da ging ich wohl zu weit, denke ich wenig später und laufe ihr nach.

„Aber Lara, du kennst doch meine Art von Humor!? Und: Du weißt ganz genau, dass ich in Wirklichkeit so etwas nie sagen würde. NIE! Keines solcher Komplimente und überhaupt – ICH BIN DOCH NUN WIRKLICH VÖLLIG ANDERS, ALS ALLE ANDEREN.“

Sie beruhigt sich langsam. „Was hättest du denn gesagt?“

„Ich wäre gar nicht erst mit dir Kaffeetrinken gegangen, …“ *rhetorische Pause* „, … aus Angst, man würde mich für einen Pädophilen halten.“

Spätes Hobby

Ach-ja, der alte Mann und sein junges Hobby: komisch fast, mindestens aber untypisch. Normalerweise verändern sich maskuline Interessen nach dem 48 Crash – dem Klimakterium virile – nicht mehr so radikal, wie ich es erlebe. Doch seit ich einmal zufällig in die Arena geriet, gehe ich immer wieder hin.

Nun auch zum Wellblechpalast. Wobei es offenbar nicht nur um das Spiel als solches geht, sondern auch darum, irgendwohin zu gehen, wo man Gleichgesinnte trifft. Wo man dabei irgendwas trinkt, irgendwas isst, irgendwas raucht und irgendwas sagt.

2013-09-01 15.31.29

Gestern vorm Wellblechpalast – Stunden vor dem Spiel. Die Menschen lustig kostümiert …

2013-09-01 16.04.262013-09-01 16.27.52

Die Aufregung ist vor dem Anpfiff immer am größten. Es muss “irgendwas Sexuelles” sein, was den alternden Körper aufwühlt. Man ist erregt wie eine Mannschaft. Der Jungbrunnen sind die Gesänge, das Trommeln, die Schlachtrufe … – … @: Göttliche Dithyramben, wie seinerzeit die leidenschaftlich erregten, stürmischen, ekstatischen Lobliedern auf Dionysos.

Aisbärn Bärlin! – Schala-lala-lala!

Also sprach Zarathustra und schon verlässt mich die Lust, einfach nur zu schreiben.

Das wahre Spiel also nur im Ticker:

… – European Trophy – Aufregend – Endstand 5:4 für die Eisbären Berlin – Gegner war Salzburg –  …

~~~

Ach-ja, der Joke am Rande: Wenn Gegner aus dem Ausland kommen, wird jede Information zweisprachig angesagt. Üblicherweise Deutsch-Englisch. Was gestern nur dann hilfreich wäre, wenn Salzburger kein Deutsch verstünden.

Männliche Diagnostik

Mann vermutet oft, was los ist.

~

Vor mir ein Schreibtisch, darauf schwülstig-kitschige Sätze, die – eigentlich – unübersetzbar sind, denn weißrussische Wodkawerbetexte sind Bastarde. Sie sind, als habe zuvor ein russischer Heimatdichter einen KPdSU-Parteitag gevögelt.

Lara kommt hinzu, interessiert sich für mein Tun.

“Ich und Wodka”, humore ich, “verhalten sich zueinander wie der Eunuch zur Nutte”. Worauf sie den Mund verzieht und den Raum mit den Worten “man muss nicht immer unbedingt lustig sein” verlässt.

“Man muss aber auch nicht immer unbedingt jeden Witz kommentieren”, rufe ich hinterher und merke zugleich, dass das doof ist.

Und überhaupt: Sollte man in einer Ehe nicht viel weniger kommentieren? Man kann sich doch nicht einerseits über Béla Réthy aufregen, um sich andererseits genau so zu verhalten! Was ist wenn sie ihre Tage hat? Wenn sie unter “Предменструальный синдром” leidet? Unter PMS? ~ – @? … Aber nee: Sie wäre – eigentlich – alt genug für eine Menopause.

Nun wird emsig wikipediert bis ich mich schließlich zur Diagnose “Postmenopause” durchwringen kann.

Dann aber – neue Überlegung – müsste sie anderweitig krank sein.

@? …

Unabhängig von allem: Bei Fraunkrankheit sollte man(n) keine Witze machen.

~

Ich finde sie auf dem Balkon.

“’tschuldigung für das von vorhin. Ich konnte ja nicht wissen, dass du krank bist.”

Sie verzieht erneut den Mund.

“Ist das jetzt ein neuer Witz? Oder einfach nur etwas, was ich nicht verstehe?”