Das Lutherfilm-Gleichnis

In einem Lutherfilm aus dem Jahre 2003 bekommt Friedrich der III. von Sachsen für seine noch zu leistenden Dienste vom Papst eine künstliche Rose geschenkt. Ein Geschenk, welches er artig annimmt.

Wenig später, als der Bote bereits auf dem Heimritt Richtung Rom, sagt Sir Peter Ustinov mit dem allertraurigsten Blick in die Kamera:

“Es ist doch beschämend, mit wie wenig man in Rom glaubt, mich bestechen zu können”.

Oder so ähnlich.

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Jedenfalls hat sich das mit dem Job erledigt, der nämlich darin bestehen sollte, dass ich mir mein Geld selbst verdiene, indem ich auf Provisionsbasis “Spenden” einwerbe. Ein kriminelles Steuersparmodell zum “gegenseitigen Vorteil”, bei dem der Staat, sollte er blöde sein, benachteiligt wird. Die Provision werde mir aus einer gewissen “schwarzen Buchhaltung” zur Verfügung gestellt, die es mir wiederum – weil natürlich niemand nichts weiß ~ pscht! – ermögliche, gewisse staatliche Zuwendungen, wie Wohngeld zum Beispiel, zusätzlich in Anspruch nehmen zu können.

Wie seinerzeit Friedrich der Weise bedankte ich mich artig.

Bin ja auch dankbar, denn so kann ich die Vokabel “Chuzpe” am besten lernen. Und zwar “Chuzpe” in der Urfassung – die Grenzen von Höflichkeit und Anstand sind überschritten. Und große Vorfreude gehabt zu haben, ist unbezahlbar.

Sozialverhalten reloaded

15. Tag

Einmal ein Gleichnis entdeckt, sieht man es immer wieder.

Zum Beispiel gibt es “Rapunzel”. Vor ziemlich genau 200 Jahren – 1812 – notierten die Brüder Grimm:

“… konnten sie in den Garten einer Fee sehen, der voll von Blumen und Kräutern stand, allerlei Art, keiner aber durfte es wagen, in den Garten hineinzugehen. Eines Tages stand die Frau an diesem Fenster und sah hinab, da erblickte sie wunderschöne Rapunzeln auf einem Beet und wurde so lüstern darnach, und wußte doch, daß sie keine davon bekommen konnte, daß sie ganz abfiel und elend wurde. Ihr Mann erschrack endlich und fragte nach der Ursache; „ach wenn ich keine von den Rapunzeln aus dem Garten hinter unserm Haus zu essen kriege, so muß ich sterben.“ Der Mann, welcher sie gar lieb hatte, dachte, es mag kosten was es will, so willst du ihr doch welche schaffen, stieg eines Abends über die hohe Mauer und stach in aller Eile eine Hand voll Rapunzeln aus, die er seiner Frau brachte. Die Frau machte sich sogleich Salat daraus, und aß sie in vollem Heißhunger auf. Sie hatten ihr aber so gut, so gut geschmeckt, daß sie den andern Tag noch dreimal soviel Lust bekam. Der Mann sah wohl, daß keine Ruh wäre, also stieg er noch einmal in den Garten …”

Die hohe Mauer steht heute noch, in Gestalt von Regeln. Eine davon lautet: “Nie auf Abzahlung” kaufen! Erst muss das Geld erwirtschaftet sein, welches man auszugegeben gedenkt. Doch *seufz* … ~ … eines Tages stand die Frau haargenau am selben Fenster und sah hindurch, da erblickte sie wunderschöne Schuhe und wurde lüstern darnach. Ihr Mann “erschrack” daraufhin enenso wie der des Märchens, stieg eines Abends seiner Frau zuliebe über die Regel-Mauer. UND – ES GESCHAH ERST EINMAL NICHTS.

Weil das gut ging, orderte Herr Redlich für seine Frau gleich noch eine Waschmaschine und einige Balkonpflanzen. (Übrigens kann man sich Blumenerde im Internet bestellen und spart sich somit das Schleppen derselben 😉 ) Und das alles, obwohl das Auto immer noch nicht durch den TÜV gekommen ist, einige Reparaturen anstehend sind und eine alte Schuld immer noch nicht beglichen.

Das Problem ist die Überwindbarkeit der Mauer, entdeckt der Mann. Für den, der einmal drüber ist, erscheint sie nämlich nicht mehr als Hindernis. Man klettert rüber und nüber, hin und her – so lange bis eines schönen Tages Frau Gothel, ein listiges Finanzamt, eine dicke Bank oder ein Notarius des Weges daher kommt …

“…wofern du mir das Kind geben wirst, womit deine Frau jetzo geht.”

Oder das Auto, womit du jetzo fährst.

Woyzeck

Plötzlich ist alles wahr.

Am 3. Januar 1780 ward Johann Christian Woyzeck in Leipzig als Sohn eines Perückenmachers geboren. Er war derjenige, welcher am 21. Juni 1821 die 46-jährige Witwe Johanna Christiane Woost in einem Hausflur der Leipziger Sandgasse ermordete, wurde deswegen verurteilt und am 27. August 1824 auf dem Marktplatz in Leipzig öffentlich hingerichtet.

Das zugehörige Dokument heißt: “Die Zurechnungsfähigkeit des Mörders J. C. Woyzeck, nach Grundsätzen der Staatsarzneikunde aktenmäßig erwiesen”.

Wir kennen den Woyzeck des Theaters. Glücklicher Umstand: Da nur Fragment des Dramatikers Georg Büchner vorliegt, kann man Woyzeck so oder anders inszenieren.

Am nachhaltigsten sind diejenigen Kompositionen, bei denen man anfangs den Eindruck hat: “Alles klar – der Kerl ist verrückt und schuldig!” und im Laufe der jeweiligen Inszenierung merkt: “die sind ja alle verrückt!”

Alle, außer Woyzeck.

Des Rezipienten Gleichnis. Der sich plötzlich selbst allein unter Verrückten glaubt.

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Unabhängig davon: Ein Büchnerisches Zitat mag ich sehr. Er lässt im Stück den Woyzeck sagen:

“Ich glaub, wenn unsereins in den Himmel kommt, müssen wir donnern helfen.”

Menschlicher Leidenswillen

Zuvor hatte ich “Göttlicher Sadismus” als Überschrift für dieses Posting, bemerkte aber noch rechtzeitig, dass das Lemma “göttlich” durch regelmäßigen Missbrauch profitsüchtiger Geschäftemacher – insbesondere aus der Lebensmittelindustrie – derart entstellt ist, dass … ~ jedenfalls entschied ich mich anders. Punkt. So heißt dieses Posting nun “Menschlicher Leidenswillen”.

Der Ansatz: Wenn Gott gewollt hätte, dass wir fröhlich sind, hätte ER seinen Sohn Witze erzählen lassen – aber nee: sogar das Kreuz späterer Leiden hatte Jesus selbst zu tragen. Wobei es im Übrigen egal ist, was zuerst da war: Huhn oder Ei, Mensch oder Gott – ich sitze da und staune – derweil die Menschheit winselt.

Erst war nie so richtig Schnee, dann auf einmal so viel. Winter im Frühling und es war bereits zu warm, zu kalt, zu nass und als ob das alles nicht genug wäre kommt auch noch aller fünf Jahre eine Jahrhundertflut (wobei das schöne “Jahrhundert” ebenso inflationär verkommt, wie “Preisvorteil” oder “Sparen”).

Dann der Menschen Krankheiten! Deren Verkehrsnetz! Der Fluglärm, die Handystrahlen, die Sommer- oder Winterzeit… Wir sind zum Leiden geboren und schufen uns Gott nach unseren Wünschen. Einen, der seine Kinder leiden lässt.

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Lara wird heute 50 Jahre alt – aber Grund zum Feiern ist das noch lange-lange-nicht nicht. Sie weiß haargenau: NUN BEGINNT IHRE PASSION.

Sie ist Ukrainerin.

Selbstbeschäftigung

Käse im TV, Käse im Netz, Käse auf YouTube – irgendwann ist man so alt, dass man glaubt, alles bereits gesehen oder gelesen zu haben.

“So weit sind wir also gekommen!”, denke ich und überlege ob ich das berühmte Zitat aus dem 18. Brumaire des Louise Bonaparte …

Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Thatsachen und Personen sich so zu sagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als große Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce …

… ergänzen sollte.

… und ein weiteres Mal als zichte Wiederholung einer Daily Soap.

Bis ich – plötzlich! – auf die Idee kam, mir selbst eine eigene Geschichte zu erzählen. Eine ausgedachte, frei erfundene, gruselig-aufregende mit etwas Tiefsinn und humorig zugleich.

Siehe da: Es gelingt. Und: Die Geschichte wird immer spannender.

Aber dieses alles, liebe Kinderchen, erzähle ich euch erst, wenn ich vom Einkaufen wieder zurück bin. Bis dahin amüsiert euch schön mit den Bibi-Blocksberg-Kassetten eurer Eltern oder irgendeinem sowjetischen Multik, wie zum Beispiel “Бременские музыканты”.

afk – brb

~

re

Musizieren Maus (5)Durch eine Panne in einem Versuchslabor wurden Mäuse plötzlich zu vernunftbegabten Lebewesen, mit eigener Moral und voller Kunstsinn. Sie sind nun in der Lage, Musik zu empfinden und selbst zu musizieren. Sie lernen zu kommunizieren, erst untereinander, später mit den Menschen. Kümmerten sich gegenseitig, institutionalisierten sich, KÄMPFTEN für ihre Rechte wie einst die Frauen … ~ … bis es Streit um Ressourcen gibt, erste Missverständnisse und schließlich sich Mensch und Maus hochgerüstet gegenüber stehen.

Eigentlich ist das Material für 3 Stunden, doch ich schlief ein.

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Heute früh denke ich in diesem Zusammenhang an den Big Bang: Man stelle sich einmal vor, alle Lebewesen wären vernunftbegabt und gleichberechtigt. Die Konferenz der Tiere im Jahre 2013.

Da sind sie wieder: Löwe Alois, Elefant Oskar, die Giraffe Leopold und Erich Kästner – Nur diesmal ist es ernster. Viel-viel ernster. Die Menschen sind immer noch Urheber allen Übels.

“So weit sind wir also gekommen!”, denke ich erneut und drücke Enter.