Gastarbeiterfans

Wenn die Eisbären auswärts spielen, reisen viele Fans mit, um “ihre” Mannschaft anzufeuern. Zwei Busse mindestens. Und neulich, in Wolfsburg, geriet das Spiel vor zich-tausend Mitgereister aus Berlin sogar zum Auswärts-Heimspiel.

Seit Straubing weiß ich, dass ein Teil der Berliner Fans gar nicht aus Berlin kommt. Ich – der zuvor 5 Stunden angereist war – begann nämlich einen Schwatz gegenüber Eisbären-Fans mit den Worten:

“Und? Wie lange seit ihr so angereist?”

“’ne Stunde etwa.”

@???

“Wir kommen aus Regensburg.”

@???

“Na ja, eigentlich bin ich aus Schwerin, andere hier sind aus Neubrandenburg – wir leben nun in dieser Gegend und kommen immer, wenn die Eisbären da sind. Als MacPommer sind wir für Dynamo, denn Dynamo ist die einzige Mannschaft, die von uns [sic!] in der DEL spielt.”

@!!!

* * *

Vorgestern in Mannheim. Lange vor dem Spiel: Ein Typ mit Eisbären-Schal steht rum und langweilt sich. Wir kommen ins Gespräch und ich erfahre, dass er – eigentlich – aus Chemnitz ist. “Aus dörrr DDR-Stodt mit den drei O”, witzelte ich prompt auf sächsisch, was er mit Grinsen quittierte.

Als einige Umstehende guckten als hätten sie diesen Witz noch nie gehört, lösten wir gemeinsam auf:

“Chemnitz war früher Gorl-Morx-Stodt – De eenz’che Stodt in dor janzen DDR mit drei O im Namen!”

* * *

Hansa Rostock wurde im Oktober 1995 mit einer Platzsperre belegt. Sie mussten ihr nächstes Heimspiel auswärts abhalten – im Berliner Olympiastadion – und hatten somit vor 58.492 Zuschauern ein doppeltes Heimspiel (was im Übrigen für Hansa einen neuen Zuschauerrekord bedeutete). Gekommen waren zahlreiche Fans von anderen ehemaligen DDR-Oberligaklubs, ehemals feindlich gesinnten sogar, was im Berliner Olympiastadion bunt zu sehen war, insbesondere durch gemischte Vereinsfarben und Spruchbändern, wie “Halle grüßt Hansa Rostock!”. Dazu babylonisches Sprachengewirr in allen Mundarten Mitteldeutschlands.

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Gemeinsam erlebte Geschichte ist immer sehr nachhaltig, Blut ist dicker als Wasser und <vollpfostengag>Dynamo ist die Hauptstadt von Berlin</vollpfostengag>.

Mannheimer Treue

Komme gerade aus Mannheim – ~~~ – SIEG! (3:2 für die Bären).  …

Worum es aber im Weiteren nicht gehen soll. Sondern statt dessen darum, dass neben mir eine kleine hübsche Mannheimerin saß, die so ziemlich genau in mein altes Beuteschema passte: Klein, asiatische Gesichtszüge, schöne Haut – demgegenüber aber Brüste wie Dr. Bernadette Maryann Rostenkowski-Wolowitz aus “The Big Bang Theory” (Melissa Rauch) und darüber hinaus ausgestattet mit der femininen Variante des freundlich-glucksenden Timm-Thaler-Lachen …

Wir waren uns scheinbar gegenseitig sympathisch. Doch: nichts geschah.

Nix, nix und nochmals: nix!

Erfahrung lehrt.

Wohl auch, weil ich mich innerlich ständig anmurmelte:

“Du bist verheiratet. Dein Leben ist schön. Du bist glücklich. Du bist ein guter Mensch. Du machst keinen Unfug. Deine Frau ist schön. Du bist zufrieden. ….”

Andererseits – füge ich eitel hinzu – wäre ich gestern noch so dick wie im Oktober, wäre ihr Interesse wohl geringer.

Gewichtsverlust macht eitel.

Redirection Activity

Ausgerechnet heute folgt das Leben einem Sheepworld-Motto.

Ohne Sieg ist alles doof.

Krabbelkäfer doof, Baum doof, Sonne doof, Schmetterling doof …

9 Spieler sind verletzt – aber muss man deswegen gleich verlieren!? Als Meister? Als König unter den Bären? Als Testsieger unter den Testsiegern? Als Bayern München unter den Mercedessen? – Auch noch gegen Schwabe, d man in dr Haubdschdadd scho alloi deshalb nedd mag, weil sie si gar nedd ersch bemühe, hochdeidsch z schwätza.

 

(Übrigens: Die schwäbische Übersedzung von „doof“ ist „doof„, was wieder einmal beweist: Doof bleibt doof!)

2014-01-05 17.51.16Natürlich war danach das Essen doof! Also: Vorspeisen – doof; Wels – doof; Tafelspitz – doof; Preiselbeersahne – doof; Gazpacho – doof; Tom Yang Gung – doof; Gnocci – doof; Kabeljau – doof …

Da ohnehin alles Wurscht – ohne Sieg ist alles doof! – ließ ich mich blöderweise zu einer Fressattacke hinreissen und schaufelte das Speisenangebot der Lounge ungesteuert in mich hinein. Dabei den Neujahrsvorsatz für 2014 bis Dezember weitere 10 Kilo abzunehmen spontan über den Haufen werfend.

Was nützt es die schon schlank zu sein, wenn deine Mannschaft verliert?!„, sagte ich mir und finde das gleichzeitig doof. Doof-doof sozusagen.

Schlafen – doof; Aufwachen – doof; Kaffee – doof …

Am liebsten würde ich heute einen Radfahrer anbrüllen. Besser noch: zwei.

Die Komik einer Antithese

Zunächst schrieb ich „die Antithese als temporäres Lebensmodell“ in die Überschrift – was wohl zu ernst für das nun folgende Posting. So änderte ich es.

Die Vernunft erkennt die Einseitigkeit der Bestimmung und verneint sie. Jeder Dialektiker weiß, wovon ich schreibe.

„Das dialektische Moment ist das eigene Sichaufheben … endlicher Bestimmungen und ihr Übergehen in ihre entgegengesetzten.“
(Hegel)

Die Tatsache, dass „unsere“ Eltern ihre TV-Geräte ununterbrochen „on“ hatten, führte vor meiner ersten Ehe zu dem alternativen Konzept, OHNE Fernseher leben zu wollen. Wir wollten wieder Bücher, wir wollten zurück, zu inhaltsreicher Kommunikation! Zur Antithese von – wie von uns vermutet – sozialen Glücklosigkeit.

Doch was dem einen sin Nachtigall, ist dem andern sin Uhl. Die eigenen Kinder könnten sich möglicherweise sozial zurückgesetzt fühlen, sollten sie im Kindergarten nicht mitreden können, wenn sich andere Kinder über Sesamstraße, Pittiplatsch und Pippi Langstrumpf unterhalten.

Der Kompromiss (die Synthese): wir schafften uns zwar wieder einen Fernseher an und ließen unsere Töchter gucken, ABER NUR ZEITLICH EINGESCHRÄNKT UND UNTER PERSÖNLICHER AUFSICHT. Um sich anschließend mit den kleinen Rezipienten über Gesehenes unterhalten zu können, um ggf. korrigierend eingreifen zu können.

* * *

Frühen Achtziger. Sesamstraße. Ernie geht baden …

Die Kinder bleiben ernst – derweil sich der Vater vor Lachen nicht mehr einkriegen kann. Klar, braucht man einen Fußball in der Badewanne! Den kann man schließlich jemandem geben, der dringend einen benötigt. Klar, dass man eine Taschenlampe in der Wanne braucht! Wie auch einen Regenschirm – klar doch!

*lach*

Wahrscheinlich ist die Sesamstraße deshalb so erfolgreich, weil die Idee nicht vulgär-didaktisch auf Kinder ausgerichtet ist, sondern weil darüber hinaus mit dieser Sendung Unterhaltung geplant war, und zwar für alle guckenden Generationen.

* * *

Gestern. Arena. Eishockey.

Eine hübsche Moderatorin bemerkt zufällig, dass ihr Akku leer. Woraufhin ich beginne, in der Tasche zu kramen. Dann zeige auf eine Steckdose, halte ihr einige Kabel hoch.

Sie benötigt ein Ladekabel für ihr 4S, bekommt es und bedankt sich artig.

Eine weitere Stimme fragt:

„Hast du zufällig auch ein Kabel für ein Fünfer-Fon?“

Auch solches Kabel habe ich, so mache ich damit den nächsten froh.

Derjenige, der dies beobachtete, fragt mich:

„Wieso nimmst du eigentlich so viele Ladekabel mit zum Eishockey?“

Komische Frage: Falls mich jemand fragt, ob er eines haben könne, kann der eins haben. Wozu denn sonst? Und: Es soll niemand behaupten, die Sesamstraße sei unnütz.

Frühe Heiterkeit

Seit ich einen Hund habe, weiß ich: Es kommt nicht unbedingt darauf an, dass dir jemand zuhört – um jemanden glücklich zu machen, genügt es bereits so zu tun, als würde man zuhören. Was – jedenfalls – unser Hund hervorragend kann.

Also heute früh: Hund, ich und Kater.

Der Hund sitzt zwischen Gassi und Frühstück auf dem Beifahrersitz, guckt mich an, derweil die Augen fragen: „Na, wie war’s gestern?“.

„Eigentlich … ach, eigentlich … na, eigentlich … EIGENTLICH WAR ES SAUKOMISCH“.

Nun merke ich, dass ich ins Schwarze treffe und muss dazu lachen. So richtig herzhaft und entspannend. Ein Timm-Thaler-Lachen sozusagen.

„Ja, Asterix, eigentlich war es saukomisch.“

WIR, der Rekordmeister, das König unter den Mannschaften, der Testsieger unter den Testsiegern, die Götter des ewigen Eises – usw. usf. Also: Wir spielten zu Hause gegen den Tabellenletzten, schossen zichmal auf das Düsseldorfer Tor, was bis auf eine Ausnahme vom kleinen Düsseldorfer Goali abgefangen wurde, so dass das Spiel 1:2 endete — Wir also, waren vor diesem Spiel mit nichts anderem beschäftigt, als über die Erkennungsmelodie des Beuteschlittens zu diskutieren. Und: dass es irgendwie doof ist, dass Düsseldorf kein Tier im Namen trägt.

Für den, der sich nicht auskennt: Normalerweise gewinnen wir zu Hause immer. Beim Abspann läuft über den Cube eine lustig animierte Eisbärenfamilie, welche ein erlegtes Tier abtransportiert – einen Pinguin, Hai, Tiger, Bullen, Panther. Oder einen Kühlschrank (für die Hamburger Freezer).

Doch dazu – stellten wir unmittelbar vor dem gestrigen Spiel fest – fehlt bisher der Klang einer Fanfare oder eine Melodie. So diskutierten wir von da an, was besser passt: Jagdhorn, Fanfare oder (mein Vorschlag) die Promenade aus „Bilder einer Ausstellung“ – das berühmte Dü-dü-düdüdü-dü-düdü-do.

Mitten in unsere Diskussion hinein kam ein Wanderer des Weges daher und sagt:

„Aber die Düsseldorfer haben gar kein Tier!“

Was klang, wie „Aber der Kaiser hat doch gar nichts an!“

Sollen die Bären etwa ein nur Logo schleppen?

Jedenfalls – so sind wir also wieder am Anfang – ist die gestrige Diskussion von vor dem Spiel in Anbetracht einer Niederlage heute saukomisch. Und: Man sollte das Fell eines Bären nicht teilen, bevor der erlegt ist (russisches Sprichwort). Oder wenigstens anderen eine Grube graben, bevor man selbst hinein fällt (Solironow am Tag danach).

Arena-Akrophobie

Putzig sind Haustiere, die an menschlichen Schwächen leiden.

So gibt es beispielsweise ein Video von einer Katze mit Höhenangst, die auf einen hohen Baum kletterte und sich von dort aus nicht runter traut. Derweil sich Menschen unter dem Baum versammeln, der Katze zu helfen. Bis entschieden wird diesen Baum zu fällen.

Im Video fällt dieser Baum gaaanz langsam, die Katze landet sanft auf dem Erdboden – kriegt dann aber panische Angst vor dem Lärm der vielen Menschen und vor deren Gerätschaften und zischt prompt, Rettung suchend, auf den nächsten Baum, der ebenso hoch.

Eine Katze mit Höhenangst und die YouTube-User halten sich die Bäuche vor Lachen.

~~~

Meine Strategie gegen Höhenangst (Akrophobie) heißt Wagnisselbsterziehung. So habe ich mich seinerzeit tapfer auf die Aussichtsplattform des Empire State Buildings begeben, auf die Dachterrasse des World Trade Center (drei Jahre vor dem Einsturz der beiden Türme), auf der Brücke zwischen den beiden Kirchtürmen in Halle an der Saale, auf dem Flatowturm im Babelsberger Park – stets voller Wagnisbereitschaft.

Natürlich mache ich das immer wieder – um meiner Persönlichkeit Impulse zu geben.

😉

Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten:

Wagnisbereitschaften und Wagniskompetenzen in verschiedenen Lebensbereichen werden nach Warwitz als notwendige menschliche Leistungspotenziale verstanden, die der Entwicklung der Persönlichkeit Impulse geben, der Wertschöpfung und qualifizierten gesellschaftlichen Teilhabe dienen und somit eine wichtige Funktion auch im aktiven Selbstbildungsprozess des Einzelnen haben.

~~~

Aber eigentlich hatte ich gestern nur etwas Langeweile. (So viel Ehrlichkeit darf sein.)

Während unten zwei Fanklubs gegeneinander gurkten, bin ich unter das Dach der Arena am Ostbahnhof geklettert ~ einfach nur so, um zu sehen, wie man von der letzten Reihe aus das Spielfeld sieht. Siehe da: ICH FÜHLTE MICH PLÖTZLICH WIE EINE DER KATZEN VON YOUTUBE.

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Oder wie im Märchen: “Ach, was gruselt’s mir!

Seither denke ich mir Erklärungen aus.

Der Linguistik-Monk

Arena. Show. Lärm.

Unten feuert Uwe Schumann die Fans an – oben auf dem Rang sitze ich, voll konzentriert.

“… und hier kommen sie! – Applaus für unsere Bambini!”

YES!

Heimliche Freude und Glücksgefühle wie bei einem Tor der Bären. Ich habe die deutsche Sprache um ein überflüssiges “S” bereinigt. Zuvor sagte Arena-Sprecher stets “BambiniS” – also die Mehrzahl der Mehrzahl.

“Du Uwe, bitte nicht böse sein, aber: Bambini sind bereits viele Bambinos…”

~~~

Vor dem Spiel drückt mir der Fahrer seine iPhone in die Hand.

“Scanne bitte meine Mitteilungen. Gibt es etwas Wichtiges?”

Mir fällt sofort auf, dass der Absender – ein bekannter Wirtschaftsjournalist – “im Weiteren” klein schrieb. So muss mir auf die Zune beißen, dies nicht anzumerken.

“Nö. Es gibt nichts Wichtiges”, lüge ich.

~~~

Vieles Deutsche ist so falsch. Unglücklicherweise scheine ich der einzige User zu sein, der dies bemerkt und anmerkt. Suche zwischenzeitlich nach einer Selbstbenennung.

“Sprach-Kassandrus”, denke ich mir erst aus, um es dann zurückzunehmen. Kassandra als Gleichnis wäre zu tragisch – mein Verhalten ist wohl eher monkisch.

“Linguistik-Monk” schreibe ich jetzt in den Header. Punkt.

~~~

Meister wird man durch messbaren Vergleich mit anderen Kandidaten. Größtes Glück ist den stärksten Gegner bezwungen zu haben. Doch die Fans singen…

“…wir scheißen auf den Rest der Welt.
Deutscher Meister werden wir!”

Wenn auf den Rest der Welt geschissen ist, macht Meister sein keinen Sinn mehr.

~~~

Die berühmte Hymne:

“Sie sind die Könige auf dem ewigen Eis ~ ho-ja, ho-ja, ho!”

Doch der Starke ist am mächtigsten allein (Schiller).

Bei vielen Königen muss ich automatisch an die Ukraine denken, wo tagtäglich der Beweis erbracht wird, dass diese sich nie und nimmer vertragen können und DESHALB ein ehemals schönes Land ruinieren.

Und ich denke an Inflation. “Viel” Geld ist ebenso wertlos wie die letzten Karbowanzen, …

Anmerkung: 1991 wurde in der Ukraine der so genannte Kupon-Karbowanez (купоно-карбованець) eingeführt, welcher unter einer Krankheit namens Hyperinflation zu leiden hatte. So war der mittlere Jahreskurs 1992 135 Karbowanzen für eine Mark – 1995 gab es für eine DM 102.886 Karbowanzen.

… welche alle Ukrainer zu millionenschweren Königen machte, wofür diese sich aber nichts kaufen konnte, außer Wodka und Brot.

Mein Vorschlag in Güte: Wenn man “Könige” durch “Götter” ersetzt, stimmt es wieder. DAS sollte ich einmal den Pudhys vortragen.

~~~

“Du gehst uns allen auf den Keks. In zweihundert Jahren sprechen sowieso alle Englisch”

Ja. Dann aber mit deutschem Akzent und deutschen Fehlern.