Mit freundlichen Grüßen

Die Muse schweigt.

Nur wem ein Herz, empfänglich für das Schöne,
Im Busen schlägt, ist wert, dass er sie kröne.

Ich lese Schiller und beschließe von nun an, alles Dichten einzustellen. Fühle mich nicht mehr berufen.

Kritiker bleibe ich, Denker auch, zumindest so lange es noch geht – jedenfalls – … manchmal kapiert man auch, was man nicht machen sollten.

Leb wohl kleines Internet, leb wohl!

Und danke fürs Zulesen!

* * *

Nurmalnebenbei, ihr pseudojournalistischen Voneinanderabschreiber: Manche von jenen, die sich mit einer Kalaschnikow im Osten der Ukraine bewegen, sind bestenfalls FREISCHÄRLER. Oder einfach Banditen.

Das Urteil „Prorussischer Separist“ gießt ebenso Öl ins Feuer, wie die faschistoiden Abwertungen der anderen Seite.

Die Lösung eines Problems beginnt mit der richtigen Benennung(wusste übrigens bereits die erwählte Königin aus dem Märchen „Rumpelstilzchen“ und rettete so das Leben ihres Kindes).

* * *

Freundlichst

Ihr ergebenster Alex Soli

Deutsche Herablassung

Wenn Deutsche glauben, irgendwo einen Ausländer identifiziert zu haben, werden sie oft hilfsbereit. Wobei die Deutschen offenbar glauben, eine Kunstsprache würde jedem Fremdländer besser verständlich sein.

„du müsse Ap-pfel ab-wiege, be-vor du komme ssu Kasse!“

Notabene „Du“, niemals „Sie“! Immerhin kann ein Sie dem Neger unverständlich sein, der fühlt sich doch außerhalb jedweder Baumwollplantage unwohl. Wobei: Mit böswilliger oder dummer Ausländerfeindlichkeit kommt der Migrant einigermaßen zurecht. Mit gut gemeinten Hilfsangeboten ist schwerer umzugehen.

Beispiel: Innenstadt. Ausländer. Stadtplan. Ein Deutscher eilt hinzu, um zu helfen.

„Wo du wollen hin?“

* * *

Die Herabsetzung seitens der Eingeborenen ist unwichtig fast.

Schlimmer empfinden wir: seit einigen Jahren verschlechtert sich nach belegbarer Beobachtung das Verhalten deutscher Behörden gegenüber Migranten.

Inzwischen fordert – nur um ein aktuelles Beispiel zu nennen – die Ausländerbehörde Potsdam für die Verlängerung eines Aufenthaltstitels zusätzlich zum allgemeinen Kram, wie biometrisches Passbild, Verdienstbescheinigung, 80,00 Euro, Krankenversicherung usw., auch noch eine Bescheinigung vom jeweiligen Vermieter, worin dieser beurkundet, wie viele Personen in der jeweiligen Wohnung leben. Du denken wir viele, oderwas?

Gestern begründete die Postbank die Ablehnung des Kreditkartenantrages meiner Frau (die im Übrigen seit 1993 in Deutschland lebt, seit 2003 in Potsdam, mit seither unverändertem Wohnsitz, mit bestehendem Girokonto bei eben dieser Bank, ohne Schufa oder sonstigem Eintrag) mit den Worten:

„… nach den uns vorliegenden Informationen werden Sie sich nur begrenzte Zeit in Deutschland aufhalten. Ein Girokonto ist jedoch eine auf Dauer angelegte Geschäftsverbindung. …“

Isch aben doch aba Giro. Isch wollen nur Visa oder so.

Jedenfalls „können“ [sic!] sie die gewünschte Postbank VISA Card zurzeit nicht zur Verfügung stellen, denn unterm Strich zählt der Ausländer nicht.

Maslowsches Bedürfnispyramidengassi

Sie kommt vom Gassi zurück, derweil ich mich, beim Stande von 4:0, in diesem Augenblick – eigentlich – entweder gar nicht, und wenn doch, dann NUR über Fußball unterhalten will.

Was sie nicht aufhält:

<schnatter-schnatter>
„Na das war ja komisch: totale Stille auf der Straße, keine Autos und dann – bumm! – schreit es aus allen Fenstern und von Balkonen: „Tooor!“. So laut, dass es denn Hund erschreckt. …“
</schnatter-schnatter>

Ich will gucken – sie reden. Und damit wird, was sie will, fährt sie große Geschütze auf:

„Uns [sic!] drehen sie daheim das Gas ab, und ihr [sic!] tut nichts dagegen!“

Der genervte Blick lässt wissen: Auch Provokationen funktioniert heute nicht. Nicht, wenn Fußball gerade so schön ist. Und überhaupt: wer sind „Ihr“?, und wer sind „Wir“?

Jetzt versucht sie es wissenschaftlich, wohl wissend, dass ich – normalerweise – hierauf gern reagiere:

„Offenbar sind eure [sic!] physiologischen Bedürfnisse erfüllt, die Sicherheitsbedürfnisse ebenfalls – ihr [sic!] seid die Spitze der Maslowschen Bedürfnishierarchie.“

Nichts lässt mich einsteigen. Statt dessen verwandle mich in Frances „Baby“ Houseman aus Dirty Dancing – „I carried a watermelon“ – und sage:

„Fußball ist langsamer als Eishockey“.

* * *

Und wennschondennschon: Wir [sic!] spielen erst morgen oder übermorgen. Gegen Südkorea.

Fremde Bitterkeit

Alternative Überschrift für das Posing könnte auch „Dinner for One“, „Der 70. Geburtstag“, die Rache der Schwiegertochter“ oder einfach nur „Einsamkeit“ sein. Doch es ist keine Verwandtschaft – ich bin bei diesem Posting nur der Fahrer.

Granny hatte die fremde Dame beim Einkauf kennengelernt, sah sich prompt eingeladen, zum siebzigsten Geburtstag. Und da Granny relativ immobil ist, bin ich dabei.

Dünner Kaffee, Erdbeer-Sahne-Plemps und Kerzen. Sie sind zu zweit, bzw. mit mir zu dritt, denn die nun Siebzigjährige hat sich gerade vor Kurzem mit allen ihren Freundinnen verkracht. Und mit ihrem Gatten lebe sie bereits seit Jahren getrennt, erfahre ich, weil der Stänker-Fritz immer wieder Streit anfange.

Im Weiteren gehören zwei Kinder zur Familie, drei erwachsene Enkel und bald dazu ein Urenkel, das sie aber nicht zu sehen beabsichtige.

Denn …

„… immer wenn ich einmal da bin, taucht auch jedes Mal die blöde Karola auf.“

Karola ist die Schwiegertochter, mit der sie sich noch nie habe verstehen können.

„…vom ersten Tage an.“

Weil die immer so kommandieren tut. Weil de Karola herrschsüchtig sei.

Die Welt ist total schlecht. Sie hat die fremde Dame einsam gemacht.

* * *

Auf dem Kaffee-und-Kuchen-Tisch liegt eine Karte, handgeschrieben. Mir ist langweilig, so lese ich: „Alles Gute“, steht geschrieben, und: „trotz alledem“.

Unterschrieben ist die Karte mit: „Karola, im Namen der ganzen Familie“.

* * *

Die Dame sieht mich lesen und sagt:

„Ausgerechnet Karola! Die blöde Kuh, die! – Die will sich doch nur rächen!“

Zeitreisepost von mir an mich

Ich, am 13.6.2014

an:

Ich, am 1.11.1971

Hallo ich,
wie ich mir sicher vorstellen kann, darf ich das Raum-Zeit-Kontinuum nicht durcheinander bringen. Daher darf ich mir nicht sagen was kommt (oder wie es kommt).

Aber es ist nun endlich an der Zeit, mich zu erheitern, denn gestern warst du einkaufen und wird ein typischer Einkauf von (m|d)ir aussehen:

2014-06-13 08.35.02

*schadenfroh grins*

Das Grüne nennt man Melone (cucumis melo). Bananen gibt es derzeit an jeder Ecke, Möhren sind oft hübsch eingepackt und der Konsum heißt „Center“.

Derzeit findet übrigens wieder einmal eine Fußballweltmeisterschaft statt und wie ich sehe, befindet sich KEIN Bier im Wagen, obwohl es Bier in rauen Mengen gibt. Wahrscheinlich heute, da ich dies schreibe, noch mehr, als heute, da ich das lese.

Da ich mich kenne, werde ich jetzt wohl theoretisieren und – logischerweise – irren. Also könnte ich zu falschen Schlüssen kommen. Daher muss ich mir von damals, meinen zukünftigen Gedanken von gestern einen Riegel vorschieben: NEIN – die Gesellschaftsformation hat sich auch bis zum Jahre 2014 noch immer nicht zu einem Matriarchat gewandelt. Vielmehr hatte ich demnächst ganz schön zu tun, unsere Leberwerte in den grünen Bereich zurück zu hieven, was nun so bleiben soll.

Ansonsten gilt: Ich bleibe ein komischer Kauz, werde im Weiteren zweimal heirateten (Stand 2014). Berlin ist derzeit deutlich größer als heute. Die Mauer zwischen Mitte und Charlottenburg ist abgetragen, Friedrichshain und Kreuzberg werden nun endlich gemeinsam regiert. Die Lottozahlen werden am Mittwoch, den 11.6.2014 3, 6, 11, 21, 43 und 44 sein. Superzahl „1“.

Merke mir alles und verrate nichts!

Liebe Grüße aus dem Jenseits

Ich

Kulturelle Irritationen

Man(n) ist ostwärts deutlich geschlechtsbewusster und frau findet das gut so.

So gilt es dortzulande – eine der vielen ukrainischen Benimmregeln – als sehr unhöflich, wenn ein Mann einer Frau unaufgefordert die Hand zum Gruß entgegenstreckt. Immerhin bleibe ein Handschlag auch dann noch ein kriegerisches Symbol, wenn er Waffenlosigkeit symbolisiert. Und was – bitteschön – hat eine „normale“ Frau mit den Kriegen der Männer am Hut?

Andererseits: wenn sie mag, DARF sie. Es ist ihr Ding sich darauf einzulassen. Sie darf also – aber nur wenn sie will – einem Mann die Hand anbieten. Der Mann hat in jedem Fall zu warten.

Ich selbst möchte mich gern an Regeln halten, fakultativ, irritiere aber oft mit solchen ukrainisch-weiblich-erwüschten Verhaltensmustern. Nicht nur in Deutschland, sondern auch im kulturellen Niemandsland der Migrationshintergründler Potsdams, insbesondere aber im Umfeld des proletarischen Feminismus.

Neutral ist immer der Witz, denke ich, die übertriebene Geste oder die Karikatur. So gewöhnte ich mich daran, bei der Vorstellung einer Frau in einem mir unbekannten kulturellen Gebiet, militärisch die Hacken zusammenzuschlagen, um dazu in Gestalt einer Verbeugung eine devote Geste zu mache. Oxymoronisch sozusagen.

Die Dame, die mir gestern vorgestellt wurde, stellt offensichtlich ihre großen Brüste gern zur Schau. Sie befand sich in einem Sommerkleid mit einladendem Dekolletè – – – kurz und knapp: durch den übertrieben tiefen Diener meiner Geste sah ich mich plötzlich auf Augenhöhe zu zwei Lustobjekten. Und als ob das noch nicht genug wäre, entwischte mir auch noch ein „Sehr angenehm!“

Die ukrainische Störgröße

Mir ist heute irgendwie nach Ukraine und Ukrainisch – so sonderbar komisch. Also hole ich mir „Mad Heads XL“ aus der Ei-Wolke, drehe einen Knopf namens „Volume“ auf 10 und bewege mich beim Kaffeekochen zum Tanz.

Prompt steht Lara hinter mir.

Statt einfach nur zu sagen „ich hätte die Musik gern etwas leiser“ argumentiert sich – typisch weiblich – ihr Anliegen bis zum Anschlag aus. Immerhin sei sie die einzige hier im Haus aus der Ukraine. Was die übrigen Bewohner sicher wissen (woher bloß?) und daher werden sie vermuten, dass nicht ich der Übeltäter, sondern sie.

Ich bin gut gelaunt und provoziere:

„Die Auswahl der Musik und Herkunft des Rezipienten bilden eine Einheit? – Demnach müssten die Hausbewohner einen Engländer vermuten, wenn jemand die Beatles hört. Einen jungen Briten. Oder einen Zeitreisenden.“