Die TMS-Inszenierung

(Überschrift ausgeschrieben: Die Toller-Mann-Selbstinszenierung)

Eigentlich ist es komisch, dass man in Deutschland jeder andersartigen Erfahrung trotzend auf Unterschrift vertraut. Sogar in wichtigen Dingen, wie bei der Planung von lebenslangen Zusammenleben, bei der Schaffung einer Ehe und bei Familiengründung. Drei Kreuze genügen, denn …

„Was man schwarz auf weiß besitzt
Kann man getrost nach Hause tragen.“*

So glaubt wohl jeder deutsche Bräutigam und hievt nach Unterschrift seine Braut über die Schwelle. Im blinden Vertrauen darauf, dass alles so bleibt, wie in den ersten Stunden der Liebe. Obwohl auch er – eigentlich – wissen könnte, dass die Liebe eine veränderliche Hilfsgröße ist, nur dazu geeignet, Empfindungen zu messen, ein Parameter, eine Formvariable, also eine Variable zwischen vielen anderen und gut geeignet einige Hoffnungen zu zerschmettern.

Er hofft – vielleicht – am Tag der Hochzeit, sie werde sich von nun an nie mehr verändern – doch sie ändert sich (jedes Jahr ein Kilo). Sie dagegen hofft darauf, dass er sich eines Tages ändern werde – doch der ändert sich nie. Normal ist Langeweile. Weil – nun will ich die Einleitung aber abschließen – niemand gelehrt bekommt, worauf es wirklich ankommt.

Lesson 1 – Glückskunde

Das Glück einer Frau ist der Neid ihrer besten Freundin. Die wiederum genau dann am neidischsten, wenn sich der Angetraute einer ihrer Geschlechtsgenossinnen als toller Hirsch entpuppt. Als nützlich, lebenstauglich, pfiffig usw., was aber – MÄNNER AUFGEPASST! – nie von selber kommt, sondern inszeniert werden muss. Wie in folgendem Beispiel aus dem Hause Solironow:

Lara wollte unbedingt einen neuen Herd haben. Einen der mit „M“ beginnt und mir „IELE“ aufhört. Dazu noch einige Schränke, dazu eine neue Spülmaschine, sowie bei dieser Gelegenheit auch noch dies und jenes mehr. Sie wurde auch fündig, das Angebot ward fällig.

Also bin ich – pscht! – tippel-tappel-heimlich hin, ins Küchenstudio, und instruierte den Verkäufer in meinem Sinne. „Wenn Sie uns ein Angebot machen, seien Sie bitte so nett und machen es deutlich teurer, als es wäre. Dann komme ich noch einmal vorbei und feilsche mit Ihnen.“

Gesagt – getan: 500,00 Euro gab der Verkäufer letztendlich im Preis nach!

Inzwischen bin ich wieder einmal der Held unsere Ehe, sie hatte ihre Show und etwas zu berichten, was geeignet, jede Freundin der Welt neidisch zu machen.

Lara sagte zu mir auch prompt „уважаю“ – Deutsch: „Respekt!“ – und das ist nach 10 Jahren vertraglicher Bindung und 20 Jahren des gegenseitigen Sichkennens allerhöchste Anerkennung. Und: Es macht mich mit mir selbst zufrieden.

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* Das Zitat ist von Goethe, siehe Faust I, Vers 1966f

Dick Fosbury

flop_01Er hob die Beine, sprang rückwärts über die Latte, höher als die meisten Menschen vor ihm, und siegte schließlich, WEIL ER DAS GEGENTEIL VON DEM TAT, WAS VON IHM ERWARTET WURDE.

Wir sollten heute so heftig des Gleichen denken, dass es uns zum Gleichnis wird und uns fragen, wieso in Deutschland ausgerechnet die Vokabel “Flop” negativ besetzt ist.