Das superlative Feedback

Oberflächlichkeit nervt.

Ich nenne Oberflächlichkeit, Missachtung, Sorglosigkeit und verfluche jedwede sprachliche Gedankenlosigkeit.

Also: Heute gab ich eine PIN ein. Lese:

“Die Eingabe war erfolgreich.”

Und schon sitzt der nächste Pups quer.

Wieso erfolgreich? Das hieße ja “Reich an Erfolgen”? – Ein einfaches “Okay” genügt, ein “Alles klar!” oder “Die Eingabe war richtig.” Man kann mit einer PIN nur einmal Erfolg haben, dann ist man on.

Es sei denn, der Akku ist leer.

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Gestörte Denkverhältnisse

Wir müssen das gescheiter machen
Eh‘ uns des Lebens Freude flieht.

So spricht der Teufel zu Faust im Studierzimmer UND DER KERL HAT RECHT: Unser Menschen Lebenszeit ist nun einmal sehr-sehr befristet, niemand sollte daher das Wirklichkostbare – die Zeit – verplempern. Doch „welch sonderbares Ding sind die Verhältnisse“ (Braun)*, die uns vorrangig zwingen, Dinge zu tun, die wir möglicherweise innerlich ablehnen. Die Kategorie „Produktionsverhältnis“ bekommt, dergestalt bedacht, neuen Sinn, weitere Wortspiele wie „Denkverhältnisse“ sind demnächst beabsichtigt …

* * *

Gestern. Telefon. Lara nimmt an.

„… oh-ja, prima, gern, wir kommen mit Vergnügen, gleich sind wir da.“

Ich höre und staune: „Wir?“

Was zum Teufel ist das für ein Wir? Ein Pluralis Majestatis? Oder der Bescheidenheitsplural? Oder gar … – ach nee: Laras „Wir“ ist ist ein Familienplural – Pluralis Familiaris – von ihr angewandt, um dem Teilnehmer innerfamiläres Einverständnis zu suggerieren. Wogegen ihr mir gegenüber eine kurze Order genügt: 

„Wladik ist in der Stadt. Wir sind ins Restaurant Pharos eingeladen und: Er ist bereits dort UND WIR GEHEN HIN.“

Blöd, dass ich nicht immer gleich ans Telefon gehe, denn UNS wäre sicher eine Ausrede eingefallen.

Nun gehen WIR hin, ziehen UNS an, obwohl WIR noch unheimlich viel zu lesen hätten, obwohl Servus-TV das Spiel der Pinguine gegen die Eisbären live und in voller Länge überträgt und obwohl nicht eine E-Mail gecheckt ist.

Früher bot sich mir manch Restaurantbesuch die Alternative Trunkenheit. Nun aber – seit ich kaum noch Alkohol trinke – ist die anstehende Langeweile alternativlos. Russen lieben nämlich Mystizismus und reden gern darüber.

Wladik glaubt zwar nicht „so richtig“ an Gott, kennt aber eine Frau, die für ihn betet. Als die eines Tages schwer krank wurde, habe er es genau gemerkt. Ach-ja und: Russland scheint den Glauben wieder gefunden zu haben, den Leuten geht es besser, „das hängt alles irgendwie zusammen“. Neulich, als eine seiner vielen Bekannten in Wladiwostok verunglückte, habe er das ganz genau gemerkt, mitten in Potsdam, habe dort angerufen und just in dem Moment sei sie gestorben. Man kann sich eben immer noch nicht alles erklären, doch wer wirklich sein Glück sucht, sollte unbedingt alte Kirchen aufsuchen, die sind nämlich bereits „abgebetet“, so dass der Weg zu Gottes Ohr schneller vonstatten gehe.

Ich blieb die ganze lange Zeit sehr-sehr höflich und sehr-sehr geduldig. Schwieg meist. Und manchmal gelang es mir sogar, hinter einem aufmerksamen Gesichtsausdruck richtig schön wegzuhören.

Zu Hause wollte Lara unbedingt ein Feedback. Er ist schließlich ein alter Freund. Und früher – vor dessen abstrus-mystischer Phase – hatten wir viel gemeinsam –

„na? War doch gar nicht sooo schlecht, wie von dir befürchtet?“

– und dafür, dass wir dem Mann moralisch verpflichtet sind (er half uns einst in einer komplizierten Situation über einen Berg) lief es ausgezeichnet.

Aber zu Hause und unter vier Augen formulierte ich meine neue Lebensmaxime:

Wir sollten uns von nun an bemühen, mit der verbleibenden Lebenszeit sparsamer umzugehen.

* * *

Ach-ja, und … – klar, wie sollte es auch anders sein? – die Eisbären bezwangen natürlich in meiner Abwesenheit die Krefelder Pinguine, und zwar mit 7:3.

———

* Volker Braun, Berichte von Hinze und Kunze:

“Welch sonderbares Ding ist die Vernunft, sagte Kunze. Immer wieder versuchen Leute, ihre Vernunft einzusetzen. Aber immer wieder raten ihnen die Verhältnisse, vernünftig zu sein. – Welch sonderbares Ding sind die Verhältnisse, sagte Hinze.”

Das Gewicht sozialer Verantwortung

Gestern haben wir groooßartig gewonnen – 3:2 gegen Adler Mannheim – und heute wollen wir – die Fans der Eisbären Berlin – unsere Mannschaft beim Training unterstützen.

„Uuund? – Kommste mit?“, werde ich gefragt.

Nein, leider *seufz* kann ich heute nicht mitkommen – samstags gehöre ich den Frauen. Als Packesel beim Einkaufen, als Schränkeverrucker beim Großen Stuben- und Revierreinigen, als Beisitzer beim Kaffeekränzchen. So erscheint sozialen Verantwortung wieder einmal als Gewicht, welches den freier Schwimmer in einem freien Becken nach unten zieht. Wo im Gegenzug die Spieler mich bei deren Training im Wellblechpalast soooo dringend gebrauchen könnten…

Ja, ja, „der Mensch ist zwar frei geboren, doch überall liegt er in Ketten.“ (Rousseau)

Ja, ja, „it’s Frauentag, mein Lieber.“ (Mir)

Zwei Kilo Selbstkritik

Unaufgefordert brachte ich schließlich den Müll runter, rumpelte intensiv den Backherd sauber, machte uns schließlich Kaffee – bis sie endlich das Geschehen um die ukrainische Hymne anderweitig relativierte. – „Eigentlich war es gestern so wie immer.“

Wissen ist Macht, Macht macht erotisch …

Für die Zurschaustellung von Wissen fällt mir plötzlich das Gleichnis von der Penislänge ein und ich erröte voller Scham.

„So wie immer, muss es nicht bleiben“, sage ich daher und formuliere den zugehörigen Vorsatz für 2014: Es reicht nämlich wenn ICH weiß, was ich weiß – für alles andere gibt es ein Internet.

 

Kontinuität

Jeder Hund schüttelt sich, wenn genug gelegen. Жизнь продолжается. Und: Es geht immer weiter. Так или иначе, also so-oda-so. Daher sage ich “какой кошмар!”beim Kaffeekochen, um diesen Ausruf humorig begründen zu können.

“OMG! – Unsere Küche sieht aus, als sei sie gerade erst von der ruhmreichen Roten Armee befreit wurden.”

Worüber wir beide schmunzeln: Ich über den eigenen Gag und sie, weil sie weiß: Der Mann ist wieder der Alte. The show must go on.

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Einiges ist inzwischen liegen geblieben. Daher lasse die Finger knacken, alle zehne und öffne Sonnensacks Twitter-Account. Zunächst will ich etwas zu den Eisbären anmerken ~ 0:2 in Pilsen, im Livestream für umgerechnet 6 Euro, junge Spieler waren am rödeln ~ und verzichte dann doch darauf.

Schreibe lieber was Hertha:

#herthabsc – gestern war es schwer durch charlottenburg zu laufen, ohne ständig von sektkorken getroffen zu werden.

Ein Bohei in Berlin und Potsdam! Hertha-Fahnen an den Balkonen, als ob wir es nicht auch so hätten wissen können: Der Aufstieg ist dem Meer abgerungen und nun bleibt der Mannschaft nur noch zu gewinnen…

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Posten entspannt. Jetzt kann ich tun, was längst getan hätte müssen. Klicke auf das E-Mail-Programm-Icon, finde eine Nachricht:

“Ich bitte dich auf deutsch übersetzen. Danke”

Hach-ja – “auf deutsch übersetzen”. Das mach-mer doch gerne!

Unnötige Nacharbeit

Die Torte ist bereits im Freundeskreis verteilt – gegessen, wie zu vermuten ist – da trifft eine entscheidende und berechtigte Reklamation ein: Habe ich doch die bereits geleisteten Anzahlungen übersehen – ich Dummerchen, ich!

Nun – nachdem ich alles neu – bin ich einfach nur müde. Erledigt, abgehakt ~ nun habe ich keine Lust mehr!

Ach-ja und: die nächste Torte Kiewer Art geht an die Tafel.