Späte Einsicht

Heute – endlich – gebe ich einen Antrages auf Akteneinsicht ab.

Unmittelbar nach Öffnung der Archive war das Interesse am größten. Doch Zeit ist knapp bemessen, wenn zugleich Fragen im Raum stehen.

Muss ich das wissen? – Brauche ich das wirklich?

Fast hätte ich meine persönliche Stasi vergessen, da kam ein gewisser Snowden des Weges daher. Die neuen Fragen waren bereits die Alten, und, und, und …

Gestern. Ich. Antrag.

131114 antrag stasi

Heute nehme ich mir also Zeit und fahre nach Berlin. Was aktenkundig muss man zwar nicht unbedingt wissen – aber man sollte sich wenigstens informieren. Und – so hoffe ich – heute kann ich es verkraften.

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen. Seither sind offenbar immer noch Gedanken unsortiert. Wohl weil es stets ein Einerseits und ein Andererseits gibt: Ist an einer Farce beteiligt gewesen, wer damals Linker war?

Und: Wieso zum Teufel hielt man einem Land die Treue, obwohl man ihm Einiges an Schweinerei zutraute?

Aber alles bleibt so lange Quark bis es nicht aufgeräumt ist.

Mal sehen, was die Stasi über mich dachte, denke ich nun, und fahre nach Berlin.