Die Macht der Bilder

Irgendwelche Polizeibeamte schleppen kistenweise Akten aus irgendwelchen Büros, derweil ich mich frage: WAS WOLLEN DIE EIGENTLICH FINDEN?

Das Finden funktioniert ja eigentlich nur nach gehabter Finanzamt-Manier, dergestalt dass das Amt einfach etwas behauptet (= „schätzt“), um sich anschließend anhand der Aktenlage das Gegenteil beweisen zu lassen, wobei sich jeder Beschuldigte in die Pflicht genommen sieht. Oder präventiv: mit Hilfe eines softwaregesteuerten automatisierten Überwachungssystems über Freistellungsaufträge, Steuernummern und modernster SEPA-Technologie. Wie peinlich: Man sollte eigentlich im vergangenen Wahlkampf die Amerikaner für etwas kritisieren, was im eigenen Lande gang und gäbe ist.

Wie zum Hohn, aller Modernität zum Trotz werden Kisten durch die Bilder getragen.

IGNORANCE IS STRENGTH – die Akten-Kisten können bestenfalls kurzfristig zwischengelagert werden und werden nichts bringen, außer TV-Bilder, welche behaupten: Die Commerzbank ist böse.

„Es befanden sich fragwürdige Produkte in manchem Depot.“

Eines Tages kam einem Finanzbeamten eine Steuererklärung merkwürdig vor. Daraus wurde ein Anfangsverdacht, der …

Jedenfalls würde ich viel lieber wissen, was wirklich geschah und vermute hierzu, das Aufeinandertreffen zweier Alpha-Rüden. Alles anderer hätte man diskreter gehandelt.

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Die Immersoweitermachende

Jetzt sogar mit Zufriedenheitsgarantie!

commerzbank

Da rennt sie also immer noch, Jahr für Jahr, tagein, tagaus, landab, landauf – stets begleitet von der rhetorischen Frage aus dem Off:

“Brauchen wir eigentlich eine Bank, die immer so weiter macht?”

Ausgerechnet ein Kunde wie die Commerzbank, also ein Kunde, der es sich vermutlich leisten könnte, wählt “mit Zufriedenheitsgarantie” und merkwürdigen Bildern von allen möglichen Werbefuzzis diejenige Kampagne mit dem denkbar schlechtesten Claim. Die nach Billigmarkt klingt, nach “Geldzurückgarantie”, nach “hier können Sie sparen” oder ähnlichem Mist. Dazu die Kapuzenfrau mit Ohrhörer beim Joggen – drei Affen in einer Person.

3Affen

“mizaru, kikazaru, iwazaru”

Drei Affen namens Mizaru, Kikazaru und Iwazaru sollen den Göttern über die Menschen berichten. Doch in Folge eines Abwehrzaubers sehen, hören und sprechen sie nichts Böses. Sie sind die animalisierte Zufriedenheitsgarantie.

Kopfhörer rein, Kapuze hoch und ab geht die Post!

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Ich. Heute. Onlinebanking.

Vor mir eine Liste mit Bankkontonummern, neudeutsch IBAN (International Bank Account Number), ich sitze am Rechner, will überweisen, wohl wissend dass bereits seit Januar 2009 Banken verpflichtet sind, SEPA-Überweisungen anzubieten, öffne Portal, sehe das Fenster und entdecke:

2013-11-05 06.49.12

NICHTS. Alles wie gehabt. Nichts hat sich geändert seit Januar 2009!

Was mich heute zwingt, innerhalb der IBANs zurückzuzählen – die letzten 10 Ziffern für die Kontonummer, davor 8 Ziffern für die Bankleitzahl – eigentlich kein Problem, aber …

Brauchen wir wirklich eine Bank, die immer so weiter macht?

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Inzwischen gab es Zeiten, da man in der Commerzbank darüber nachdachte, zu einem alten Claim zurückkehren.

“Ein “Weiter so” kann es in der Bankenbranche nicht mehr geben”, erklärte der Vorstandschef bei der Vorstellung seiner Roadmap für die kommenden vier Jahre. Eine der wichtigsten Neuerungen aus Marketingsicht: das Institut kehrt zu seinem Claim “Commerzbank. Die Bank an Ihrer Seite” zurück.”

Quelle: horizont.net (Michael Reidel) vom 8.11.2012

Was man inzwischen aber offenbar verworfen hat, denn seither ist ein Jahr vergangen. Derweil die Kapuzenfrau joggt und joggt ~ tagein, tagaus, landab, landaus … 😉

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Ach übrigens, ich finde: “Die Bank an Ihrer Seite” passt viel besser zu den allgemein bekannten Schnüffelpraktiken der Neuzeit. Noch bevor man nach der einheitlichen Steuernummer die Enter-Taste drückt, weiß das zuständige Finanzamt Bescheid.

Ein IM namens Bank – der Bank an unsrer Seite – von der man weiß, was man hat.

3,74 Euro

So hoch ist der Betrag, um den ich auf meinem Girokonto um ein Haar ins Minus gekommen wäre. Was allerdings die Bank an meiner Seite durch entschlossenes Handeln zu verhindern wusste. Und noch eh‘ ein Matrose in die Newa spuckt, war das alles bereits storniert.

Was war geschehen?

Lara bereitete telefonisch ihre Auslandsreise vor, was letztendlich zur Folge hatte, dass diesmal die Telefonrechnung höher ausfiel als sonst. Am 14.5. buchte die Telekom 77,30 Euro ab. Anschließend wurden tags darauf – am 15.5. morgens – noch 57,00 Euro als Rate für Elektroenergie abgebucht, weshalb ich – hechel-hechel – zum nächstgelegenen Geldeinzahlautomaten eilte, dem ich prompt und präventiv, wie ich glaubte, 103,42 Euro lieferte.

Zu spät, mein Lieber!

„Angeseh’n ist jedermann, der gleich beim Kauf schon zahlen kann.“

Diese Rückbuchung kostet nun Gebühren da und dort, aber das ist eigentlich schnurz. Unabhängig davon wieviel Geld man auf dem Sparbuch der Bank „die ihre Kunden kennt“ zu liegen hat: Minus 3 Euro 74 SIND DREI EURO VIERUNDSIEBZIG IM MINUS! – Da muss so eine Bank doch reagieren!

Ideen nach vorn!