Das Zalandomannsyndrom

Neulich hatte ich eine Idee: Wenn alles IMMER ordentlich ist, braucht man ~ vielleicht ~ weniger aufzuräumen. Zumindest bedarf es keiner solch großen Aktionen, wie am vergangenen Samstag, im Vorfeld von Laras Ankunft. Zum Schluss war ich, wie es meine Oma formuliert hätte, “pitsche-maden-nass” – doch die Wohnung sah aus, wie gehabt. Wie am Tag ihrer Abreise, nicht besser.

Doch als sie mich lobte…

“…so sauber hätte ich es gar nicht erwartet”

… freute ich mich darauf, dies zu toppen.

Denn gestern endlich, kam Sheldons TBBT-Wäschefalter, den ich bereits in ihrer Abwesenheit geordert hatte und den ich – ebenfalls in ihrer Abwesenheit – entgegen nehmen konnte.

waeschefalter

Und während sie eine ihrer Freundinnen besuchte, faltete ich [sic!] Wäsche – @!!!

~~~

Überraschung findet stets dort statt,
Wo man was nicht erwartet hat.

Heute will sie einige frisch gewaschene T-Shirts in den Wäscheschrank packen — und kreischt los.

Heute bin ich der Zalando-Mann. YES!

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Gequirlte Wahrheit

Sonntag. Zeitig. Telefon.

Lara und ich:

“Priwet. Nu? – Как дела? Was macht Kiew?”

Eine Freundin, habe sie dort getroffen. Ein Bekannter lässt “schön” grüßen. Dies und jenes. Rhabarber-Rhababer. Alles schick.

“Und wie läuft es in Deutschland so?”

Supi natürlich. Dies und jenes. Ihre Freundin Sonja hat nun eine neue Telefonnummer.

“… du sollst UNBEDINGT zurückrufen, wenn du wieder in Deutschland bist, auf ihrer neuen Nummer.”

Das Wetter in Tschland ist herrlich. Der gelb-goldene Monat klang am Donnerstag mit Sonnenschein aus, Halloween, Reformation,

“… und “Листопад” – “der Monat der fallenden Blätter” – knüpft diesjahr hierzulande wettertechnisch am Gelben an. – Weißt du, Lara, wenn ich in Deutschland was zu sagen hätte, als erstes würde ich die Monate umbenennen. Immerhin ist der Deutschen Bezeichnung “November” – was ja “neunter Monat” bedeutet – so falsch, dass es fälscher nicht gehen kann. Vielleicht sollte man einmal im Internet alternativ für November den Namen “Monat femininer Erregung” zur Diskussion stellen? – Alles ist so feucht …”

Lara kennt mich und die Menschen. Wer viele Worte macht, drückt sich vor einfacher Wahrheit. Also unterbricht sie mich mit einem einfachen, klaren und unmissverständlichen russisch-administrativen “NU?” ~ was mich wiederum leicht ins Trudeln bringt:

“Ja. Also. ~ Kurz und knapp: Ich habe mir inzwischen einen neuen Akkumulator gekauft, kaufen müssen, welcher viel-viel länger hält als der alte. Der war ja auch kaputt, wie du weißt. – UND: Gespart habe ich dabei, weil: ich brauchte kein Geld für die Reparatur ausgeben, keinen Cent, eine Telefonfunktion ist am Akku mit dran. Sogar Musik, ein Fotoapparat und ein Notizbüchlein, ein digitales …”

Jedenfalls hat sie schmunzelnd die Kröte geschluckt. Wohl wissend, dass ich so etwas brauche.

Wer hörbar schmunzelt, kann zornig nicht sein.

Berliner Chaos-Sarkasmus

wir lieben tegel

Auch wir lieben Tegel – Ich: weil er mich an meine Jugend im Gewusele der Moskauer Metro erinnert – Станция „Маяковская“ в час пик! – und sie, na klar: Лівобережна, eine Kiewer Metrostation morgens 8:30 Uhr.

Witzig von außerhalb zuzugucken – aber wenn man aus einem Chaos abfliegen will, isses doof. Überall in Tegel leuchtet Air-Berlin-Rot, überall sind Menschenmassen, überall beschäftigt man sich mit Schubsen und Drängeln ~ dazwischen stolzt die Dame mit Hund.

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Am Check-Inn-Counter stellte sich heraus, dass ich auf einen der fiesen Tricks der Billig-Billig-Flug-Internet-Anbieter hereingefallen bin. So hatte ich zwar ihren Flug bezahlt, aber nicht das zugehörige Gepäckstück und die Abfertigung -den “Service” sozusagen – was 40 Euro + 10 Euro = 50 Euro macht. Gleiches für ihren Rückflug gelten, also 100 Euro aufs Ticket drauf, was den Hochstrahldüsen-Billig-Flug-Anbieter zum teuersten macht – HIER KÖNNEN SIE SPAREN, INDEM SIE VERZICHTEN!

“Hätte ich das gewusst, hätte ich mir den Umweg über Riga sparen können.”

Trotzdem ist Lara nicht sauer. Wir wissen: Man wird immer nur einmal beschissen.

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Der kleine Mann am Counter bleibt erstaunlich ruhig. Lächelt. Erklärt den Weg:

“Sie müssen nun durch diese Halle durch, in der nächsten Halle fast bis zum Ende, neben Air Berlin (witzig: dort scheint überall “Air Berlin” zu sein) ist ein Globale-Ground-Fenster, dort können sie nachlösen. Dann kommen Sie wieder zurück, stellen sich an und ich kann Sie abfertigen …”

Das freundliche Lächeln macht den Mann unsympathisch. Ich beherrsche mich neuerdings, was wohl eine Frage des Alters ist. Registriere, statt zu meckern:

Positiv: Außer uns haben sich offenbar viele Passagiere mit ihrer Bestellung geirrt. Man ist also nicht allein abgezockt wurden.

Negativ: Hier ‘ne Schlange – da ‘ne Schlange.

Hmmm. Umgedreht geht es wohl besser: erst sollte man das Schlechte nennen, dann das Gute.

Ich versuche es noch einmal. Also:

Negativ: Jede angefangene Viertelstunde (= 15 Minuten [sic!]) Parkzeit kostet in Tegel 2,50 Euro.

Positiv: Man kann das Parken mit Kreditkarte bezahlen.

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Jedenfalls sollte sie jetzt – eigentlich – jetzt in Kiew sein.

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Trostwerbung:

Fliegt lieber!

Fliegen Sie lieber mit Flugzeugen der Aeroflot!

The Gothowitz Deviation

43_gotic_girls

Deutscher Titel: “Sex oder Pralinen” (Episode 43)

Howard und Rajesh, ständig auf der Suche nach Liebe, Zuneigung oder wenigstens Sex, versuchen auch in dieser Folge Frauen kennenzulernen. Diesmal begeben sie sich in einem in einem Goth-Style-Club, verkleidet und mit Fake-Tattoos ausgestattet.

Sie lernen auch tatsächlich zwei Goth-Girls kennen – “nicht dass es einen interessiert, aber…” – doch ein anschließender Besuch in einem Tätowierstudio entlarvt sie als Aufschneider.

Fake-Tattoos gibt es bereits für 2,49 Euro bei Amazon als Strumpf, den man sich über die Arme streifen kann. Und da ich ohnehin dabei war, diverse Bücher zu bestellen, orderte ich mir bei dieser Gelegenheit Fake-Tattoos für meine zwei Oberarme gleich mit.

Erfahrung lehrt: Ein wirklich guter Joke will vorbereitet sein.

Das Drehbuch sieht vor, dass ich eine Woche lang gegenüber Lara immer wieder das Thema aufwerfen werde, ob ich mich tätowieren lasse oder nicht, dass sie hierauf mit Abscheu reagiert – …

– “das machst du nicht!” – “das machst ich doch!” –

… – dass ich von Tag zu Tag immer entschlossener werde, um schließlich eines schönen Tages vor Lara in Tattoo-Stümpfen zu erscheinen.

KREISCH!

BAZINGA!

Ich also zu ihr:

“Duhu, ~ heute habe ich mir überlegt, ob ich mir nicht vielleicht ein kleines Tattooo stechen lassen sollte? Am Oberschenkel? Am Po? Oder am Oberarm?”

DOCH WIE REAGIERT SIE? – @:

Gute Idee! Du solltest nur darauf achten, dass du dir etwas stechen lässt, was du wirklich magst. “Pi” zum Beispiel oder die “73”.

kandinsky_prounOder nimm ein gutes Bild – NUR KEINE SCHLANGE! – ein Kandinsky würde sich als Tattoo gut machen.

Wichtig: Nimm nur, was du magst, und was du auch verstehst …”

Sie ist Feuer und Flamme —> SIE WILL MIT, um mir Tattoos aussuchen. So endet ein fest eingeplanter großer Joke als Rohrkrepierer haargenau wie in Episode 43, worin ein Besuch in einem Tätowierstudio den Aufschneider entlarvt.

Laras Ankünfte

So stehe ich also in der zweiten Reihe und kann nicht weg, derweil Laras iPhone noch im Flugmodus ist. Sie merkt wohl selbst, dass sie nicht anrufen kann. Versucht zu simsen und siehe da: Das Simsen funktioniert.

Im Flugmodus kann man also simsen?!

“Ich bin angekommen”, simst sie auf Russisch unter Verwendung kyrillischer Buchstaben. “Flugmodus” simse ich zurück, muss aber auf lateinische Buchstaben zurückgreifen, weil meine Nachrichten-App so eingestellt. Weshalb sie mir als Antwort drei Fragezeichen simst ~ –> Da ist mir die zu erwartende Strafe fürs Falschparken egal – ich gehe sie suchen. Und finde sie letztendlich am Auto, weil auch sie mich suchte, nur anders herum.

“Ja, ja, Verschiedenes passiert so …”

Vor 10 Jahren kam sie in Lichtenberg an. Und als sei es heute, kann ich mich an diesen Tag erinnern. Insbesondere seit jenem Moment, da ich, während ich mich am Alexanderplatz anhand von Aushängen orientierte, irrtümlicherweise für einen Ausländer gehalten wurde. Und als solcher auch angesprochen wurde:

“Wo – du – wollen – hin?”

Offenbar halten die Deutschen jeden Ausländer erst einmal für leicht bekloppt, weshalb sie wohl meinen, dass ein gewisses Blödmann-Deutsch besser verständlich sei. Dabei sieht man meist in gutmütige, freundlich-hilfsbereite Gesichter – der Deutsche denkt sich nichts dabei. Herabsetzung ist meist gut gemeint. Man ist nett.

Im Gegenzug wollte auch ich nicht enttäuschen, eine Hand wäscht die andere.

Mehr unbewusst als berechnend sagte ich daher “Lichtenbörrrg”, worin ich das “CH” natürlich nicht wie das “CH” von “Licht”, sondern wie das “CH” von “Nacht” aussprach.

Offenbar machte es dem Männlein Spaß, etwas zu erklären. Und müsst ich nicht wirklich nach Lichtenberg – er würde mir heute noch den Weg weisen.

“Müssen immer geradeaus!”

Aufräumstatistik

Einer Feldstudie folgend räumen diejenigen, die sich eine Putze leisten können, vor (dessen|derer) Erscheinen am meisten auf. Wohl um sich nicht zu blamieren oder weil plötzlich – durch die Assoziation “Putze” – ein latenter Reinlichkeitstrieb aktiviert wird.

Die Dominanz eines rezessiven Erbmerkmales unmittelbar vorm Unnötigsein:.

putzfrau_aufräum

Quelle: http://www.graphitti-blog.de/ – Die Welt erklärt in überwiegend lustigen Grafiken

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Jedenfalls … 13:34 Uhr kommt Laras Flieger in Tegel an. So habe ich sogar noch etwas Zeit, das Chaos wieder bewohnbar zu machen. Derzeit befindet sich mein Umfeld in einer Art Tohuwabohu – in jener “größtmögliche” Unordnung, “die der ordnenden Hand eines Gottes bedarf”. (Wikipedia) Dringenst.

Ob sich die Blumen wieder erholen? Und: Schade um die Penicilline, welche sich im Kochtopf gebildet hatten …

Noch 23 Minuten 12 Minuten Pause – dann geht es los!

Freudsches Missverständnis

Lara kommt mit einer Anfrage:

„Der Fahrlehrer hat gesagt, ich sei zu hexisch. War das einfach nur grob oder war es scherzhaft gemeint?“

Es dauerte eine Weile bis ich kapierte, dass der Lehrer „hektisch“ meinte.

Danach war meine Antwort klar:

„Weder grob noch scherzhaft. Hexisch war ernst gemeint.“