Religionsfehler

25.Tag, Kurz nach Mitternacht

Wer seinen Popen nicht mag, muss ins nächste Dorf und wer bei gleicher Prämisse in Potsdam wohnt, fährt nach Berlin. Und ich – der Atheist – muss mit.

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Leider will sich der Pope nicht fotografieren lassen. Was ich respektiere. Daher bleibt mir nur die Beschreibung des Grotesken der Situation, ohne zugehörige Illustration:

Wir erleben kirchenslawischen Gesang, Liturgie und Kostümierung, Vieles davon wie vor 1.000 Jahren. Dennoch ist alles hier so “unwirklich”, wohl weil der Pope ein Smartphone in der Hand hält und es erst als Zeitmesser [sic!], später auch zum Simsen nutzt.

Punkt Mitternacht – drei, zwei, eins, – wird in Charlottenburg wie in der Nacht von Silvester auf Neujahr Krach gemacht. Zwar ohne Raketen, dafür aber mit blechern klingenden Kirchenglocken.

:-S

Laras Freundin ist ob meines Kopfschüttelns empört.

Ich entdecke seitlich einen Blick, der sagt: “Du blöder Atheist!  – Wer nicht glaubt, kann-ja auch zu Hause bleiben” und erfahre die höfliche Variante dieses Blickes in Gestalt einer provokativ-rhetorischen Frage:

“Darf ein Pope etwa kein Smartphone nutzen?”

Das darf er wohl — aaaber: Nach Auskunft ausnahmslos ALLER Evangelien ist Jesu Auferweckung exklusive Tat Gottes UND WURDE VON NIEMANDEM BEOBACHTET. Erst später werden “die Folgen” als “wahrgenommen” beschrieben. Und zwar von irgendwelchen Frauen, die erst entdecken, dass sein Grab leer und anschließend – so steht es geschrieben – von Engeln die Frohe Botschaft erfahren. Womit diese Frauen anschließend zu den Jüngern kamen.

Von einer Uhrzeit kann nicht die Rede sein, zumal zu Jesus Zeiten die Uhr noch nicht erfunden, zumindest nicht der Sekundenzeiger. Auch Mitternacht gab es seinerzeit nicht, nur unbestimmte Dunkelheit.

Einmal in Schwung, lasse ich meinen moderaten Religionsvortrag mit einer sanften Mahnung enden:

“… und im Übrigen sind denen hohe Absätze verboten, die zur Kirche des Rechten Glaubens gehören wollen, ebenso Hosen, wenn diese Frauenbeine bedecken.”

Dann fällt mein Blick auf den Korb:

korb

Rotwein, Salz, Mineralwasser und Äpfel —> DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN!

“Willst du den Lieben Gott verarschen?”

Tradition ist “освящение крашеных яиц и куличей” (Deutsch: die Weihung gefärbter Eier und des Kulitsch-Kuchens), aber ein Apfel ist doch kein Ei und Salz ersetzt keinen Kuchen.

Egal. egal. egal. egal – ich will einfach nur nicht selbst belehrt werden. Und wäre ich kein Atheist, wäre ich ein Pope. Sogar ein guter, wie mir scheint.

* * *

Ohne groß geplant zu haben, entwischt mir ein Joke:

“Lara, pass auf dein Körbchen auf. Sonst hält das ein Kazap* noch für die Krim und nimmt es dir weg.”

<heiterkeit>
😀
</heiterkeit>

——-

* Kazap – aus dem Ukrainischen “kak Zap” = “wie eine Ziege”.

So wie die Deutschen für Österreicher “Piefkes” sind, werden Russen von Ukrainern “Ziegenbärte” genannt. Im Gegenzug nennen Russen einen Ukrainer abwertend “Chachol” und eine Ukrainerin “Chachluschka”, was “Kosakenzopf” bedeutet.

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Österliche Zaunpfahlprobleme

22. Tag

Das Pessach-Fest wird 2014 vom 15. April bis zum 22. April gefeiert und überschneidet sich mit den Osterfeierlichkeiten der Katholiken, die – selten genug – just in diesem Jahr mit dem Osterfest der Rechtgläubigen (das Fest der russisch-orthodoxen Kirche) zusammen fällt.

<überlege>

Gibt es nicht eine Regel, welche den orthodoxen Christen vorgibt, Ostern nie am Tage des jüdischen Pessach-Festes zu feiern?. Wie kommt es also, dass sich 2014 alles überschneidet?

</überlege>

<wikipediere>

Stimmt.

“Unabhängig vom verwendeten Kalender gilt in allen Ostkirchen die Regel, dass das Osterfest nicht vor dem jüdischen Pessach-Fest liegen darf.”

Das Vor macht also den Unterschied!

</wikipediere>

Der 20. April ist nicht vor dem 21. Nisan, obwohl es fast danach aussieht.

Klar: 20 Euro sind schließlich mehr als 21 Griwna und 20° Celsius ist wärmer als 21° Fahrenheit …

* * *

Einmal beim Wikipedieren, gelange ich zu “Kalendersystem”, von hier aus zu “Julianischer Kalender” und erfahre beiläufig, dass ausgerechnet Priester die Kalenderreform des berühmten Cäsaren nicht verstanden. Julius hatte nämlich die Schaltung in jedem vierten Jahr angeordnet, was die Priester prompt als Inklusivzählung interpretierten, also als Schaltung aller drei Jahre. …

Wissen macht Ah!

* * *

Der analoge Klassiker: Wenn man einen 30 m langen Zaun errichten will, dessen Pfähle jeweils 3 m auseinander stehen sollen, wie viele Pfähle benötigt man dafür?

Antwort: Es sind genau 11, weil jeder Anfang und jedes Ende eines Zauns – normalerweise – ebenfalls einen Pfahl benötigt.

Oder: Wie ist der Abstand zwischen Element 20 und 30 in einer Liste?

Antwort: Entweder 11 (inklusiv), 10 mit einschließlich 20, aber ohne 30, 10 ohne 20 aber mit einschließlich 30 oder 9 ohne Grenzwerte …

* * *

Jedenfalls fällt West- wie Ostostern im Jahre 2014 haargenau auf des Führers Geburtstag, was in weiteren 11 Jahren – in einer Tausendjähriges-Reich-Einheit – erneut der Fall sein wird.

Ach-ja und: Exakt am Tag, da Wladimir Iljitsch Lenin geboren wurde, wird uns eine neue Waschmaschine geliefert. Derer Name wiederum mit “Bau” beginnt und mit “Knecht” aufhört.

* * *

DAS HAT DOCH ALLES IRGENDWAS ÜBERIRDISCHES ZU BEDEUTEN?! ~ @???

Frohe Ostern!

DAS IST KEIN WITZ!

Die russisch-orthodoxe Kirche feiert heute, am 5. Mai 2013, die Auferstehung des Herren, denn in fast allen Ostkirchen wird der nicht-reformierte julianische (= der protestantische) Kalender und die nicht-reformierte Datierung des Osterfestes verwendet. Unabhängig vom verwendeten Kalender gilt in allen Ostkirchen die Regel, dass das Osterfest nicht vor dem jüdischen Pessach-Fest liegen darf. Übereinstimmungen des Osterdatums in West- und Ostkirchen sind eher zufällig und entstehen dann, wenn das nach nicht-reformierter julianischer Methode bestimmte Osterdatum 13 Tage früher liegt als das nach gregorianischer Methode bestimmte Osterdatum.

Heute hat man sich in allen Familien, auf der Straße und überhaupt mit …

«Христос воскресе!» — «Воистину воскресе!»

… zu grüßen.

Was „Christus ist auferstanden!“ – „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ bedeutet. Und diese Grußformel hat man dreimal zu wiederholen und muss sich hinterher küssen. Mit wildfremden Leuten.

*seufz*