Kleiner Generationenkonflikt

Früh und Frühstück. Eine bei-uns-war-es-so-doch-bei-euch-ist-es-anders~Diskussion beginnt. Genau so wie ich es ansonsten Russisch-Deutsch gewohnt bin, oder Ukrainisch-Russisch ~ diesmal also zwischen zwei Jahrgängen.

Auslöser war eine harmlose Frage nach Shakespeare, bzw. nach Romeo und Julia, bzw. nach Nachtigall und Lerche:

“Wer von beiden singt eigentlich abends, wer morgens?

Es folgt eine scheinbar endlos-ausführliche Antwort über Singvögel im Allgemeinen und der Vögel Gesang im Besonderen, die ich aber unter Zuhilfenahme einer anerkennenden Bemerkung abschließen will:

“Ja. Deine Generation kennt offenbar mehr Natur.”

Plötzlich ist Öl im verrosteten Räderwerk des Selbstgefälligkeitsgetriebes.

“Ja. Klar! Natur und Pilze. Nicht nur Vögel! WIR waren damals noch wandern! WIR hörten Volksmusik, WIR gingen zum Volkstanz. …”

Sie steigert sich. Argumentiert eifrig, so als könne ihre “Wir von damals” heute einen Blumentopf gewinnen.

Sie kann endlich sagen, WAS SIE IMMER SCHON SAGEN WOLLTE. Sätze die sich anhören wie: Früher war’s nämlich viel-viel schöner. So! Ätsche-Bätsch!

“… und damals brauchte man nicht so eine riesengroße Anlage, wie heute, nur um “ä bissel” Musik zu hören!”

*schmunzel*

(iPhone versus Plattenspieler – wer oder was ist wohl größer?)

Plötzlich kommt mir alles gleich vor, nur: Diejenigen, die eine Nachtigall von einer Lerche unterscheiden, kennen keine Dire Straits.

Es gibt Kämpfe, die sind ungewinnbar. Deshalb bemühe ich mich um Konzilianz:

“Ihr hattet damals vielleicht die bessere Utopie?!”

Dieser Satz lässt die Flammen erneut lodern. Granny findet nun Vokabeln wie “anpacken” und “uneigennützig” im Repertoire und traktiert diese gehörig. Derweil ich inzwischen eigenen Gedanken nachhänge. Die Unterschiede zwischen den Generationen findet man wahrscheinlich nur in den Begrifflichkeiten. Zu dem, was Opa “ficken” nannte, sagten wir seinerzeit “bumsen” und die Nachunskommenden “vögeln”.

Sonst kann ich im Augenblick keinen Unterschied entdecken.

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Autor: Alex

Heute so, morgen so ...

8 Kommentare zu „Kleiner Generationenkonflikt“

  1. Die Sprache mag sich ändern, im Alter wächst die Sehnsucht nach der Vertrautheit der Jugend und findet sie fremd vor.

    Wieder ein schöner Beitrag.
    Warmherzig und voller Humor.
    Mein Lieblingssong ist private Investigation…:)
    Hast Du auch einen?

      1. Wie…mehr?
        Du hast es doch komprimiert in eine Definition gekleidet.
        Wie schön…
        Dass Musik ein Hilfsmittel ist, steht für mich außer Frage.
        Manche Hilfsmittel haben kein direkt erkennbares Verfallsdatum, andere sind zeitnah zu verkonsumieren, keine Dauerwurst eben.
        Na, dann Mahlzeit…

        1. Mahlzeit ist ein gutes Bild: Manche Musik kommt tatsächlich immer wieder schmackhaft daher, wie Omas Speckkuchen oder Tantchens Bouillabaisse.
          Andererseits ist mir manches von dem, was ich einst toll fand, heute peinlich. Die schicken Lieder der Pubertät – als nämlich von Geschmack noch keine Rede sein konnte.

          1. Pubertät genießt und konsumiert in der Zielvorgabe der stündlichen Hormonausschüttungen.
            Das muss fix gehen. Darum heißen Schlager auch Schlager: Sie folgen Schlag auf Schlag und strapazieren das gestresste mit Wachstum und Lernen sich plagende Gehirn kurzfristig genug, damit der Schlager nicht zum Trauma wird, weil der nächste Schlager schon gestiefelt und gespornt zum Sprung in die Charts ansetzt.
            Mancher Schlager ist eine eulalische Waffe, summt heimtückisch mit, drängt sich vor und auf, hält sich über Jahrzehnte, dann sprechen sie von „Evergreen“.
            Stimmt, mancher klingt so evergreen wie die Jugend selbst noch nass hinter den Ohren ist.
            Andere werden golden Brown und bekommen Patina, werden aufpoliert, mit ganzen Symphonieorchestern dem fortschreitenden Alter und dem Wunsch, nun komplexer und anspruchsvoller sein zu wollen, angepasst.
            Die Riffs segeln auf Kaffehausstreichern daher, bleibt unforgiven for Evergreen in the ears.
            Dann doch lieber den Stein, der diesen Namen trägt ins Wasser werfen und schauen, ob er noch springt, oder, während er dumpf aufschlägt, wie alles Endliche, im Grund versin(g)kt und irgendwann eine Schülerband ähnlich und alles wieder haarefliegend bangt, schunkelt und mitschwingt, vertrautlaut.
            Da war noch was…:)

  2. Die Nachunskommenden schließen demnach wieder den Vögel-Kreis, der Unterschied ist nur, dass sie es noch durchgehend von Nachtigallenschlag bis Lerchengetriller schaffen, während die anderen zwischendurch einschlafen und somit die Fragestellung durch spielerisches Lernen beantworten könnten wo andere Wikipedia bemühen müssen.

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