Die Kaminersche Prophezeiung

Am 11. April 2013 schrieb ich andernorts folgendes Posting:

Russische Frauen

Ich pumpte mir Olga Kaminers gleichnamiges Buch aus dem Netz. Heute zitiere ich meiner Frau daraus:
… Besonders in Deutschland, wo die Gesetze gegenüber den Fahrern sehr streng sind, musste die Russische Frau ihre ganze Kunst des Verführens in Gang setzen, um dennoch einen Führerschein zu bekommen.
… sind fast alle meine Freundinnen bei ihren ersten Fahrprüfungen durchgefallen und mussten mehrmals von vorne ….
… ich selbst hatte vier Fahrlehrer.
… Wenn sie (= Olgas Freundin) nach Hause fährt, steigt sie aus dem Wagen, lässt die Warnblinker leuchten und ruft ihren Mann an. …

Lara nickt.

“Ja, diese Russinnen. Noch nicht einmal Autofahren können sie…”

Hahaha – die Pointe ist ein doppelter Insidergag. Erstens ist Lara keine Russin, sondern Ukrainerin ~ ein Unterschied, der in der Westukraine so groß ist, wie der von Schalke und dem BVB ~ und zweitens entstand der Witz unmittelbar nachdem sie die theoretische Prüfung aus dem Stand heraus gemeistert hatte und wir – im Wissen um Laras Fahrkünste – den Praxistest für eine Formsache hielten.

Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte, denn in der ersten Prüfung fuhr sie dem DEKRA-Gutachter zu “hexisch”, was nichts anderes bedeutete als “ukrainisch-selbstbewusst”.

In der zweiten Prüfung geriet sie durch eine Frau am Steuer in eine gefährliche Situation, war dabei allerdings im Recht, denn sie hatte die Vorfahrt – aber die hätte sie nach Urteil des Gutachters der anderen Frau lassen sollen. Der Frau die am anderen Lenkrad selbige nicht beachtete. Unschuld hin oder her – MAN MUSS IN DEUTSCHLAND DEFENSIV FAHREN – die Prüfung ward abgebrochen.

Nun, mit dem dritten Anlauf, hat sie bestanden.

Was sie nicht unkommentiert lassen kann:

“Ich möchte diesen Prüfer einmal in Kiew defensiv Autofahren sehen. Im Berufsverkehr. Ich würde wetten: Wenn er dort genauso fährt wie er hier lehrt, kommt er nie von einem zum anderen Ufer des Dneprs.”

In der Ukraine defensiv Auto fahren zu wollen ist eine Vorstellung, die auch mich schmunzeln macht.

Hündische Verhaltensmuster

Nach der dritten Begegnung gleicher Art überlege ich derzeit, wie sich wohl eine Frau mit russischen oder ukrainischen Wurzeln in gleicher Situation verhalten würde:

Gestern. Park. Frau mit Hund an der Leine kreischt mir entgegen:

“Nehm-se Ihren Hund an die Leine!”

Da fällt mir ein: Dieses Weib hatte mich schon einmal aus dem selben Grund angebrüllt, was ich aber schweigend überging. Und auch sie scheint sich zu erinnern – ABER DARUM GEHT ES NICHT.

Statt dessen um das, was ich für typisch halte: Eine Deutsche die Probleme hat, gibt anderen die Regeln vor. Statt also entweder mit dem eigenen Hund zu “arbeiten” oder das Terrain zu meiden.

Aber-Nee: “Platz da, jetzt komme ich!” und:

“Nehm-se alle Ihre Hunde an die Leine! Weil mein Hund keine Hunde mag.”

Meist reagiere ich nicht auf solche Anmache, was die Aufregung deutscher Weiber deutlich steigert– auch typisch? Meist wiederholen dann die Deutschen ihre Kommandos, nur lauter.

Gestern kam ein Mann hinzu, Typ Hutschelzwerg. Sie zeigt auf mich beschwert sich laut:

“Diesem Mann habe ich das schon einmal gesagt. Aber der hört ja nicht!”

In dieser Situation fiel mir ein, dass ich das Pärchen kenne. Ja! Klar: Aus den Zeichnungen von Olga Gromowa.

Hier bitteschön, so sehen sie aus:

einsamer_angler

Quelle: http://vsyako.livejournal.com/47613.html

Ja! Genau so!

Er liest ein Journal für einsame Angler, sie das Kamasutra.

Zurück zur Situation. Der Angler will ihr beistehen und schlägt vor:

“Dann lass doch deinen Hund einmal frei!”

Sollte wohl eine Drohung sein, klang aber – seiner piepsigen Stimme sei dank – ziemlich putzig.

Solche Situation kann ich einfach nicht ohne Gag stehen lassen und sage zum Zwerg: “Ja! Das ist wirklich eine gute Idee!” und wende mich unmittelbar an die komische Frau:

“Tun Sie doch einfach, was Ihr Pfleger sagt. Lassen auch Sie Ihren Hund mal frei!”

Sie lief zeternd ab.

Es bleibt die Frage nach russisch-ukrainischen Verhaltensmustern in gleicher Situation. Lara kann ich derzeit nicht fragen, die weilt in Kiew. Und da mir ohnehin langweilig ist, pumpe ich mir “Die Dame mit dem Hündchen” von Anton Tschechow aus dem Netz.

Die Ausgabe “Tschechow – Sämtliche Werke” kostet nur 4,29 Euro! ~ diese Barbaren!

“Soweit sind wir also gekommen!”, denke ich schon wieder und höre jetzt auf.