Des Alten Musikgeschmack

“… und viertens hoff ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.”
(Wilhelm Busch)

So führte ich hier eine ironische Metapher ein: “der alte Mann”. Oder frei nach Hemingway, witzelnd und in Anspielung auf ein Hobby “der alte Mann und das Bär”.

Wie ich irrte: Widerspruch fiel aus. Was Grund genug sein sollte, sich mit dem “alten Mann” abzufinden. Der mir und einem weiteren Ich namens Sonnensack nun aber – frei nach Dostojewski – immer wieder überall begegnet.

Hier zum Beispiel:

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Der Musikgeschmack eines alten langweiligen Mannes? Oh Bob, haben wir das verdient? Du warst deshalb Teil meines Lebens weil seinerzeit nur junge Männer dich verstanden …

Ironie innerhalb Ironischer Prozesse.

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Erinnern wir uns? White Bear Phenomenon? — Der Versuch einen bestimmten Gedanken zu vermeiden – “der alte Mann ist wirklich alt und alle dementsprechenden Vorurteile bestätigen sich”macht diesen viel beharrlicher.

I LOST THE GAME.

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Ein klassisches Beispiel für ironische Prozesse ist Dostojewskis Ausspruch aus seinem Reisebericht “Winterliche Aufzeichnungen über sommerliche Eindrücke” von 1863:

“Stelle dir selbst diese Aufgabe: Denke nicht an einen Eisbären, und du wirst sehen, dass dieses verfluchte Ding jede Minute in deinem Kopf sein wird.”

Und siehe da: Ich bin zurück auf LOS.

The White Bear Phenomenon

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Teil 1: Unverständliche Fragen

Neulich habe ich die Berliner Philharmoniker gehört, genauer: Die Matthäus-Passion mit Sir Simon Rattle und Peter Sellars.

Ich bin heute noch begeistert, schwärme …

Da kommt ein Wanderer des Weges daher, kommentiert und fragt:

“Interessant. Wer war der Bariton?”

(Die Antwort – aber wozu? – ist klar. Es waren derer zwei: Thomas Quasthoff und Christian Gerhaher)

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Gestern hörte ich Eishockey im Live-Stream, genauer: das Spiel “Iserlohn Roosters gegen Eisbären Berlin”. Es war spannend und knapp, ging in die Verlängerung. Heute bin ich immer noch aufgeregt, begeistert, schwärme …

Da kommt ein Wanderer des Weges daher, kommentiert meine Begeisterung mit der Vokabel “Interessant” und fragt:

“Wer hat die Tore geschoben?”

(Die Antwort – aber wozu? – ist klar. Es waren derer fünf: Lalondein in der 12.Minute, Talbot in der 19. Minute/PP, Tallackson in der 22. und Rankel in der 42. und der 65.)

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Wir fragen nie nach Verteidigern, obwohl sie gleichwertig. Statt 2. Violine wollen wir die erste Geige. Und: Derjenige, der die Namen erfahren hat, kann sie sich nicht merken.

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(Jedenfalls sind wir wieder auf dem Weg nach ohm. “EISZEIT in Berlin!”)

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Teil 2: Das Spiel

Das Spiel der Berliner Eisbären ist ein weiterer Beleg für die “Theorie der Ironischen Prozesse”. Weltweit bekannt unter “White Bear Phenomenon”, wonach der Versuch, einen bestimmten Gedanken zu vermeiden, diesen viel beharrlicher macht.

So merkte Fjodor Dostojewski 1863 seinem Reisebericht “Winterliche Aufzeichnungen über sommerliche Eindrücke” an:

“Stelle dir selbst diese Aufgabe: Denke nicht an einen Eisbären, und du wirst sehen, dass dieses verfluchte Ding jede Minute in deinem Kopf sein wird.”

Hieraus wurde das Spiel – “The Game” genannt. …

<hier könnte theoretisch noch etwas mehr Text stehen> 

ilostthegameIm Allgemeinen gelten folgende Regeln für “The Game”:

  • Jeder spielt das Spiel.
  • Wer über das Spiel nachdenkt, verliert.
  • Wer das Spiel verliert, muss dies mindestens einer Person mitteilen.

Was wiederum beweist, dass alles – aber auch wirklich alles! -miteinander im Zusammenhang steht.

Und: dies ist keine Ironie!