Arena-Akrophobie

Putzig sind Haustiere, die an menschlichen Schwächen leiden.

So gibt es beispielsweise ein Video von einer Katze mit Höhenangst, die auf einen hohen Baum kletterte und sich von dort aus nicht runter traut. Derweil sich Menschen unter dem Baum versammeln, der Katze zu helfen. Bis entschieden wird diesen Baum zu fällen.

Im Video fällt dieser Baum gaaanz langsam, die Katze landet sanft auf dem Erdboden – kriegt dann aber panische Angst vor dem Lärm der vielen Menschen und vor deren Gerätschaften und zischt prompt, Rettung suchend, auf den nächsten Baum, der ebenso hoch.

Eine Katze mit Höhenangst und die YouTube-User halten sich die Bäuche vor Lachen.

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Meine Strategie gegen Höhenangst (Akrophobie) heißt Wagnisselbsterziehung. So habe ich mich seinerzeit tapfer auf die Aussichtsplattform des Empire State Buildings begeben, auf die Dachterrasse des World Trade Center (drei Jahre vor dem Einsturz der beiden Türme), auf der Brücke zwischen den beiden Kirchtürmen in Halle an der Saale, auf dem Flatowturm im Babelsberger Park – stets voller Wagnisbereitschaft.

Natürlich mache ich das immer wieder – um meiner Persönlichkeit Impulse zu geben.

😉

Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten:

Wagnisbereitschaften und Wagniskompetenzen in verschiedenen Lebensbereichen werden nach Warwitz als notwendige menschliche Leistungspotenziale verstanden, die der Entwicklung der Persönlichkeit Impulse geben, der Wertschöpfung und qualifizierten gesellschaftlichen Teilhabe dienen und somit eine wichtige Funktion auch im aktiven Selbstbildungsprozess des Einzelnen haben.

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Aber eigentlich hatte ich gestern nur etwas Langeweile. (So viel Ehrlichkeit darf sein.)

Während unten zwei Fanklubs gegeneinander gurkten, bin ich unter das Dach der Arena am Ostbahnhof geklettert ~ einfach nur so, um zu sehen, wie man von der letzten Reihe aus das Spielfeld sieht. Siehe da: ICH FÜHLTE MICH PLÖTZLICH WIE EINE DER KATZEN VON YOUTUBE.

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Oder wie im Märchen: “Ach, was gruselt’s mir!

Seither denke ich mir Erklärungen aus.

Letztes Heimspiel

O-Two-World. Dort Eisbären aus Ost-, Ost- Ostberlin. Letztes Heimspiel und ich auch noch VIP! – … – @aufregend!

Hier entsteht heute noch demnächst ein sehr aufgeregtes Posting. Weil: Ich gestern vorhin. Ostbahnhof Berlin. Arena. Eisbären aus Ost-, Ost- Ostberlin. Derer letztes Heimspiel 2012 und ich auch noch VIP! – … – @aufregend!

Ende Sieg – alles Sieg!

Das Spiel endete 3:1 für Düh-Naaa-Mooo, ich bin müde und gehe jetzt ins Bett zum Schlafffffffffffffffffffffffffffffffffffff

*schnarch*

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In der Arena am Ostbahnhof (bei Dynamo 😉 Berlin) filmte ich die Stimmung der Fans. Es sollte der Videobeweis dafür sein, dass die Fans tatsächlich „Ost-, Ost-, Ost-Berlin!“ skandieren und dass sie die Eisbären tatsächlich – auch noch 13 Jahre nach Untergang der DDR – mit „Dy-na-mo!“ anfeuern.

Das können andere besser, erkenne ich heute.

Es gibt sogar einen zugehörigen Dokumentarfilm, der – Zufälle gibt es aber auch! – ebenso wie mein geplantes Posting mit „Heimspiel“ betitelt ist.

HEIMSPIEL – UND DU FÜHLST DEN OSTEN!

„Der Verein kommt aus dem Osten, die Leute kommen aus dem Osten, die Stimmung kommt aus den Osten, …“

KOMMT RÜBER – WENN IHR EUCH TRAUT!

Der Begleittext zum Film:

Es klingt wie ein Märchen: Der Ostberliner Eishockey-Club Dynamo, in den Wendezeiten schwer erschüttert und schon fast aufgegeben, spielt als „Die Eisbären“ inzwischen in der Bundesliga. Die Heimspiele der Mannschaft sind fröhliche Happenings, bei denen sich die gekränkten, ostdeutschen Fans den Frust von den Seelen singen und tanzen. In den Umbrüchen der vergangenen Jahre stieg der Club nicht nur sportlich auf – er wurde zum Symbol des erstarkten Selbstbewusstseins der ehemaligen DDR-Bürger, ein Rettungsanker.

Oscar-Preisträger Pepe Danquart geht in seinem neuen Film „HEIMSPIEL“ dieser aufregenden Verbindung von Sport und Fans nach, dem Phänomen „Eisbären“, das ein ungewöhnliches Spiegelbild der schmerzensreichen deutsch-deutschen Vereinigung ist. Sein „Heimspiel“, keineswegs nur für Sportfreunde gedacht, setzt in der brillanten Wiedergabe dieses schnellen und harten Mannschaftsspiels neue Maßstäbe für den Sportfilm.

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Schöner Text, der mich dennoch an einer Stelle schmerzt. Wie ein Nadelstich.

DDR-Bürger sind immer ehemalig – das ist ebenso klar, wie ein Schimmel weiß ist, wie eine Kugel rund, eine Bundeskanzlerin weiblich, ein Greis alt und Zwillinge zu zweit. Ein ehemaliger DDR-Bürger ist ein Pleonasmus, Ihr verfluchten Schreiberlinge, Ihr!