Tücken der einfachen Kommunikation

8. Tag

02.04.2014. Eine Aussprache bei der Wohnungsverwaltung ist angesetzt. Es geht um Streitigkeiten zwischen Mietparteien, von denen eine Seite russischsprachig. Ich bin gebeten, als Sprachmittler behilflich zu sein.

Doch noch bevor die Aussprache zur friedlichen Beilegung bestehender Konflikte beginnen kann, beschwert sich die deutsche Seite:

“Wieso ham-die da einen Dolmetscher und wir nicht? Wir wollen auch einen Dolmetscher haben! Sonst reden wir hier nicht weiter!”

* * *

August 1982. Prag. Tschechoslowakei.

“Herr Ober, bitte zahlen!”

Der Zahlkellner begibt sich zu Touristen aus der DDR und repetiert im schönsten Böhmisch-Deutsch die Speisenfolge einer Kleinfamilie:

“Sooo, das waren dann drei Bier für insgesamt 12 Kronen, ein Apfelsaft für 2 Kronen 50, dreimal Pilzsuppe für zusammen 18 Kronen 60, einmal Schweinebraten mit Knödel und Sauerkraut für 20 Kronen, einmal Lendenbraten für 18 Kronen, Rindfleisch mit unseren in aller Welt berühmten Knedliki für 22 Kronen 50, einmal Wennsklappt für 23 Kronen 50, macht bisher 117 Kronen 10. Dazu das Dessert, drei Eis für …”

Das Familienoberhaupt unterbricht den Kellner:

“Bitteschön, sagen Sie mir: Was bedeutet “einmal Wennsklappt” für 23 Kronen 50?”

“… klappt also nicht. Macht minus 23 Kronen 50, also bis dahin 93 Kronen 60. Dazu das Dessert, drei Eis für …”

* * *

02.04.2014. Potsdam. Die Rechnung der KFZ-Werkstatt für Räder- und Ölwechsel, zuzüglich etwas Kühlflüssigkeit beträgt 266,38 Euro. Netto.

“… . Dazu kommt dann noch die Umsatzsteu…”

Ich unterbreche:

“Bitteschön, sagen Sie mir: Was bedeutet “GFS/Geführte Funktionen”?”

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“Na das ham-se uns doch in Ufftrach jejeben!?”

Putzig. “In Uffrach jejeben” war:

“Ich habe für diese Werkstatt etwa 150, notfalls 200 Euro, zur Verfügung. Bitte prüfen Sie, was Sie mir dafür – neben dem Räderwechsel – machen können”.

Bzw.:

“Können Sie nicht erst einmal nachsehen, bevor Sie alle Innereien austauschen?!”

Lerne heute: Einfaches Gucken kostet 62,50 Euro. Netto.

* * *

Frühjahr 1977. Waggonbau Ammendorf. Klimakammer.

Die Kollegen sitzen vor der Arbeit zusammen und tauschen Erfahrungen. Thema heute: KFZ-Werkstätten. Es zeigt sich, dass Herbert überhaupt keine Ahnung hat: Man legt doch eine Flasche guten oder teuren Schnaps ins Handschuhfach! Dazu Westzigaretten! Mindestens. Und wer darüber hinaus auf “Nummer Sicher” gehen will, packt einen Umschlag mit diversen Banknoten dazu.

Aber Kollege Herbert gibt sein Auto immer einfach nur ab – in eine volkseigene Werkstatt Un-nu hat er die Quittung: Nicht nur dass sein Trabbi nicht repariert werden kann, weil die zuständigen Ersatzteile fehlen – “hammer-nich” – nein, Herbert bekam auch noch von der Werkstatt einen Mängelschein, den er bei Strafe des Fahrzeugscheinverlustes abzuarbeiten hatte, innerhalb von vier Wochen, wobei er sein Auto anschließend erst wieder nutzen darf, wenn es ihm die Polizei erlaubt.

* * *

Soweit bin ich bisher gekommen.

Weiter wird es hier wohl mit der Mängelliste gehen, die ich von der Werkstatt erhielt. Das Ergebnis vom 70-Euro-Gucken. Was also zu machen wäre, würde ich wollen, dass das Auto eine Plakette ~ ~ ~

*seufz*

* * *

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Autor: Alex

Heute so, morgen so ...

1 Kommentar zu „Tücken der einfachen Kommunikation“

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