Selbstillustration

7. Tag

Manchmal illustriert sich ein Posting auch durch die Ereignisse, die anschließend stattfinden. Kaum hatte ich gestern hinter dem Zitat “… und er muss sich beeilen, zu leben. Denn eine dumme Krankheit oder irgendein tragischer Zufall kann dem Leben jäh ein Ende setzen” von Ostrowski auf die Entertaste gedrückt, plongt eine ankommenden Mail.

Diese ist von Frau T. die seinerzeit, in Moskau, schräg über uns wohnte und Tochter der Jenigen (ich mag diesen Sprach-Joke immer noch) ist, die einst mit meinen Eltern befreundet waren. Ihre Mutter – schreibt Frau T. – sei vor kurzem gestorben und ihr Wunsch sei es gewesen, … ach-ja … und jedenfalls, … und ach … lest doch selbst:

… haben wir meine Mutter begraben … sie wollte immer noch obwohl nicht mehr gehfähig Deine Eltern in Potsdam besuchen … ich hatte ihr versprochen es zu ermöglichen … aber nun ist Sie einen anderen Weg gegangen … leider habe ich keine Adresse gefunden um Deine Eltern zu benachrichtigen und die Telefonnummer in ihrem Telefonbuch … Fehlanzeige … und jetzt warum ich mich an Dich wende … in einer Woche fahre ich nach Moskau (nach 41 Jahren) … und möchte dort die orte meiner Kindheit aufsuchen … leider finde ich in meinem Kopf und auch sonst nirgendwo den Straßennamen von dem haus in dem wir eine zeit lang wohnten ich glaube von 1967-69? … ich weis nur noch das Deine Familie rechts unter uns wohnte und das ich als Kind oft bei euch gespielt habe und das es in der Nähe vom Prospekt Mira war …ach und das ihr einen Boxer (Hund) hattet … Hund Boxer (Tapsi?) verdanke ich meinen ersten Hundebissempfang … – also hast Du eine Ahnung wo das war?

Klar habe ich eine Ahnung. Vielleicht sogar zwei. Beziehungsweise weiß ich es genau: In Moskau lebten wir von 1967 bis 1971 in der Mittleren Pereslawer Straße, Haus 4/9 im dritten Eingang auf der dritten Etage rechts, linker Eingang. Ich besuchte die 292te Mittelschule und unsere Telefonnummer war damals 294 72 49. Allerdings habe ich keine Ahnung, WIESO ich das noch weiß.

* * *

Der Moskauer Winter von 1968 auf 1969 ist sehr kalt. So kalt, dass sich die Männer eine halbe Stunde früher auf den Parkplatz begeben müssen, um die Autos flott zu machen. Auch heute sind wieder alle da – bis auf Siggi.

Siggi ist ein Langschläfer und erscheint daher morgens immer auf dem aller-aller-letzten Pfiff. Was aber nicht sonderlich schlimm: Denn heute – da es besonders kalt und darüber hinaus sehr windig ist – erscheint der Hausmeister an Siggis Stelle an dessen Moskwitsch, enteist den Wagen, macht das Auto schnee- und eisfrei.

Die Meute lästert:

“Vornehm geworden ist unser Siggi, ein feiner Pinkel, lässt sich bedienen, wohl blaues Blut in den Adern, ist sich zu fein zum Scheibenkratzen für den Frost, …”

Bis die Männer bemerken, dass der Hausmeister das Auto verwechselt hat.

* * *

02. April 2014.

Jetzt begebe ich mich zur Waschanlage, um das Auto anschließend über einen langen Weg durch Werkstatt und Schrauber zum TÜV schicken zu können. ~~~ Blin! So ein Katalysator allein kostet bereits fast 200 Euro!

NEIN, Lara, wir kaufen uns jetzt keine neue Waschmaschine. Erst wird das Auto getüvt!

* * *

02. 04. 2014. Eine KFZ-Werkstatt. Vorbesprechung.

“Ein Kabel ist wohl wackelig. Manchmal …”

“Ach, wissen-se, da machen wir nichts dran. Wird viel zu teuer, wenn wir in der Elektronik rumwurschteln. Wir nehmen den Block raus und schicken den ein. Kost’ dann etwa 400, 500 Euro – ist dann aber in Ordnung.”

“Können Sie nicht erst einmal nachsehen?”

“Ja. Aber meist isses so, wie ich sage.”

* * *

Autor: Alex

Heute so, morgen so ...

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