Notariatsdeutsch

Der Notar liest vor und übersetzt anschließend den Beteiligten – so diese Deutsche sind – seine eigenen schriftlichen Worte in die lebende Sprache.

So ist es üblich, weil Normalos einen Notar nicht verstehen können. Und so entspricht es auch einer jahrhundertealten Tradition, welche einst erfunden ward, Unkundige von Kundigen zu trennen. Ein notarielles Berufsbild geriete ins Schwanken, würde einer der vielen Notare verständlich schreiben.

Notariatsdeutsch ist wie eine Bäckermütze – putzig zwar, peinlich fast, gehört aber immer irgendwie dazu („… wie Klopapier“, denke ich noch und verkneife mir dennoch diesen Gedanken).

Sind die Beteiligten am Verfahren Russen und bin ich zufällig der Sprachmittler übernehme ich – normalerweise – den Part des Notars, an welchem dieser Notariatsdeutsch ins Deutsche übersetzt, indem ich dessen Notariatsdeutsch ins Russische übersetze.

Gestern war es anders. Dieser Notar bestand auf wörtliche Übersetzung des Notariats-Kauderwelsches, wie dieses hier: …

„Der Notar nimmt den Treuhandauftrag nur mit der Maßgabe an, dass den Kaufpreis kreditierenden Banken ihm neben denen der Vertragsparteien keine anderen Auszahlungsbedingungen als die ranggerechte Eintragung ihrer Grundpfandrechts, auch keine auflösend bedingten Treuhandaufträge stellen.“

UND auf dessen eigener Interpretation desselben.

Was es schon allein deshalb schwierig gestaltete, da es weder in Russland, noch in Kasachstan oder der Ukraine adäquaten juristischen Kategorien gibt. Dortzulande gibt es beispielsweise „Büros für technische Registrierungen“ – aber keine einem Grundbuchamt zugehörige Rechtsgeschichte. Privateigentum in der UdSSR war dort, wo ein Zaun drum war, und gehörte dem, der in Besitz des Schlüssels zur Tür.

Es dauerte gestern bis 19:00 Uhr, mein Parkschein kostete 12,00 Euro, ich war hundemüde und mich überkam der dringende Wunsch, mich irgendwann einmal zu rächen. Sollte ich eines Tages ein Diktator sein, zwinge ich diesen Notar in eine dunkle, verlauste Kammer und lasse ihn nicht eher raus, bis er die Vokabel Saschischtschonnost fehlerfrei aufsagen kann. – SO!

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Autor: Alex

Heute so, morgen so ...

7 Kommentare zu „Notariatsdeutsch“

  1. Ssssaschischtonnost – klingt wie Schonkost oder oder Rohtrost oder Fronfrost…nein, Du Fee, ach lass das bloß…
    denn Russisch, das ist schwer und sein Wortschatz, der ist groooß….Du müsstet üben sehr.

    Ich habe mal bei einem Notar gelernt und dann habe ich ganz viele andere Notare kennengelernt. Und glaube mir, Herr Solironow, pssst….
    ….die sind alle irgendwie irgendwo ein bisschen anders…als der Rest der Welt.
    Sie denken furchtbar kompliziert und nachts träumen sie vielleicht sogar von Paragraphen, manchmal hängen ihnen morgens sogar noch ein paar in den Ohren, musst mal drauf achten.
    Notare müssen sich um das kümmern, was sonst keiner Lust hat zu tun.
    Sie müssen Menschen und Grundstücke verakten.
    Das klingt staubig und langweilig und grau.
    Findest Du nicht?
    Deswegen: Bitte sperre den armen Notar nicht mit der langen Russisch-Vokabel ein. Nicht in so ein schreckliches Loch. Und wenn doch – dann gib ihm wenigstens ein Blümchen in sein graues Kämmerlein mit hinein.

Senf dazu? - Bitte schön:

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